Mönchengladbach gegen BVB erstmals unter Trainer Marco Rose

Unter Marco Rose gegen den BVB : Gladbachs Duell mit der Vergangenheit

Mönchengladbach misst sich zum ersten Mal unter Marco Rose mit dem BVB-Team und dem Gladbacher Ex-Trainer Lucien Favre. Das fußballerische Duell könnte besonders interessant werden.

Noch vor wenigen Wochen hätten sich alle Fußball-Kenner bei der Aufforderung, für die Bundesligapartie am 7. Spieltag Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr) die Tabellenplatzierungen eins und acht zuzuordnen, mächtig vergriffen.

Gladbach 1 – BVB 8: Fans beider Lager mussten sich mit dieser zumindest ungewöhnlichen Situation zwei Wochen lang arrangieren. Das dürfte den Anhängern des Klubs vom Niederrhein leichter gefallen sein, auch wenn sich einige dem Moment besonders verhaftete Rautenträger sich durch das permanente Emporschauen während der Länderspielpause eine Nackensteife zugezogen haben könnten.

Das Gros aber ordnete diesen Stand bereits beim famosen Heimsieg gegen den FC Augsburg nüchtern ein: „Die Nummer eins am Rhein sind wir“ wurde viel früher intoniert als das „Spitzenreiter, Spitzenreiter - hej, hej, hej“. Die strom­interne Meisterschaft mit dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen steht nach wie vor über allem. Dortmund und Bayern sind noch nicht das Maß aller Fans.

„Fans weiter glücklich machen“

Marco Rose aber hätte nichts dagegen, einen Paradigmenwechsel herbeizuspielen: „Wir werden versuchen, die Fans weiter glücklich zu machen.“ Dieses Versprechen, gegeben auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit der anderen Borussia, wird so manchem Gladbach-Zugeneigten angenehmer in den Ohren geklungen haben als das überstrapazierte Wort „Momentaufnahme“. Tabellenführung light: „Wir haben es nicht klein geredet, sondern realistisch gesehen“, erklärte Rose die Zurückhaltung. Und ein Mann, der sich besonders gut mit Zahlen auskennen sollte, fasste die Konstellation Sportdirektorenmäßig zusammen. „Wir haben uns 16 Punkte hart erarbeitet – und die haben wir uns auch verdient“, bilanzierte Max Eberl.

Das Augenreiben vieler Tabellenbetrachter ist aber auch der jüngsten Gladbacher Vergangenheit geschuldet. Rose und Eberl haben immer wieder den Umbau, ja den Umbruch in der Spielart ihrer Mannschaft betont und thematisiert. Entsprechend kritisch betrachtete denn auch Fußball-Deutschland die inhaltlichen Auf und Abs des Rose-Teams, losgelöst von den nackten Erträgen. Und die Revolution der Spielidee gemeinsam mit der eingeforderten Geduld fraß zwar nicht ihre Kinder, aber führte zu einer überkritischen Wahrnehmung, die natürlich von den enttäuschenden Auftritten in der Europa League befeuert wurden. Und diese Gemengelage förderte die kollektive Reaktion: Ups – wir sind Spitzenreiter!

Ähnlich überraschend wäre es, wenn Gladbach gegen Dortmund einen Punkt oder gar einen Dreier einheimsen könnte. Die letzten acht Meisterschaftsspiele haben die Niederrheiner gegen den BVB allesamt verloren. Und auch eine recht persönliche, unheilige Tradition ist aus Gladbacher Sicht besorgniserregend: Egal, wie die Form von Marco Reus zuvor war, gegen seinen ehemaligen Klub lieferte der BVB-Kapitän immer starke Leistungen ab, die sich zum Leidwesen der niederheinischen Opfer obendrein zumeist auch in Toren ausdrückten. Diesmal gibt es zwei weitere Kandidaten, die ihre eigene Erfolgsgeschichte starten könnten: Auch Thorgan Hazard besitzt die Qualität, seinen ehemaligen Arbeitgeber beim ersten Aufeinandertreffen zu ärgern.

Das wettkämpferische Wiedersehen mit der Rauten-Borussia ist dagegen für Lucien Favre nicht neu. Anders als die Konstellation, die sich durch die Umwälzungen bei den Gästen ergibt. Unter Dieter Hecking wurde der Dortmunder Trainer mit einer Favre-Spielart light konfrontiert. Mit Marco Rose könnte das fußballerische Duell interessanter werden: der Aggressivitäts- und Tempofußball des Spitzenreitertrainers gegen das Ballbesitz- und Geduldsspiel des Schweizer Tüftlers.

Die Unentschieden der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen, das Gelb des Traditionsvereins hat an Glanz verloren. Das Schwarzsehen greift um sich, gepaart mit einer Renaissance der Amour fou zum Übertrainer und Rose-Kumpel Jürgen Klopp. Diese Sehnsucht nach Emotionen und die aufkommende Kritik an Favre kann Eberl nicht verstehen. Eine Prise Klopp für den Schweizer Kopfmenschen zu verlangen, „das wäre so, als wenn man mir vorwerfen würde, ich wäre in meiner Spielzeit zu torungefährlich gewesen“.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Jantschke, Elvedi, Wendt -Kramer, Zakaria, Thuram - Herrmann, Pléa, Embolo

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