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Kommentar zur Situation bei Gladbach: Mit Juniorenfußball im Mittelfeld geht’s nicht

Kommentar zur Situation bei Gladbach : Mit Juniorenfußball im Mittelfeld geht’s nicht

Wir müssen nicht viel ändern“, sagte Dieter Hecking vor dem Spiel. Seine Spieler lehrten ihn das Gegenteil: Viel muss geändert werden, Substantielles.

Individualisiert könnte man drei „Übeltäter“ gegen Bremen nicht spielen lassen: Matthias Ginter, der beim 0:1 mit einer Holperbewegung des Balles überfordert war, Fabian Johnson, der beim 0:2 pennte, Nico Elvedi, der wie beim 0:3 sichtbar einen Crashkurs beim Balance-Experten Lucien Favre benötigt, um zu wissen, wie man seine Füße im Zweikampf setzt, ohne umzufallen.

Schön einfach, aber selbstverständlich der falsche Ansatz. Auch wenn alle drei ihren Anspruch, es demnächst in der Champions League mit Kalibern wie Messi aufnehmen zu wollen, wenn sie Durchschnittsstürmer wie Benito Raman und Rouven Hennings bereits überfordern, einmal überdenken sollten.

Das Problem ist komplexer und nicht erst seit Samstag erkennbar. Ballbesitzfußball mit Schein-Aktivität reicht auch nicht für eine recht orthodoxe Mannschaft wie Düsseldorf, die aus einer Defensivhaltung schnell umschalten und bei Führung den Vorsprung rhythmuszerstörend verteidigen kann.

Ballbesitzfußball ohne Selbstvertrauen und Überzeugung ist eine Einladung für den Gegner. Die unvermeidbaren Ballverluste sind nur durch aggressives Rückerobern des Balles zu kompensieren. Beides Qualitäten, die Gladbach nicht mehr (Ballbesitz) und grundsätzlich (Balleroberung) besitzt. Das 4-3-3 wurde in der Hinrunde gefeiert als Basis für den Erfolg. Hofmann und Neuhaus können das auf den Achterpositionen spielen – wenn es läuft. Um aber in den „Flow“ zurückzukommen, sind sie mit ihrem Juniorenfußball nicht geeignet, besonders nicht als Duo.

Mentalität und Zweikampfstärke sind dafür gefragt, beides bei der Borussia derzeit nur in Spurenelementen zu entdecken. Dümmliche Brutalogrätschen (Hofmann; Neuhaus) entlarven nur die Unzulänglichkeiten: Zweikämpfe dienen der Ballgewinnung oder als Unterbrechungselement. Im Mittelfeld genügen nur Strobl und Zakaria diesem Anspruch, der von Düsseldorf kollektiv erfüllt wurde – was zu erwarten war. Trotzdem musste Zakaria erneut auf die Bank.

Wenn solche Typen, zu denen in der Offensive Stindl zählt, so rar gesät sind, müssen sie spielen. Besonders im Mittelfeld, wo die spielentscheidenden Prozesse und Aktionen stattfinden. Und in Krisen-Perioden muss Dieter Hecking auch einen Platz finden für Kramer, der Behauptungswillen und -qualitäten besitzt. Ob 4-3-3 oder 4-4-2 spielt keine Rolle.

Sportdirektor Max Eberl kann erst in der Sommerpause versuchen, die kämpferischen Defizite personell zu beheben. Bis dahin sind die Mannschaft und Gladbachs Trainer gefragt.