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„Wichtiges Signal“: Mehr als drei Jahre Haft für Böllerwerfer vom Rhein-Derby

„Wichtiges Signal“ : Mehr als drei Jahre Haft für Böllerwerfer vom Rhein-Derby

Pyrotechnik ist schon lange ein Problem in den Stadien. Jetzt ist ein hartes Urteil gefallen: Ein Böllerwerfer soll drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Für den nordrhein-westfälischen Innenminister ein wichtiges Signal für die Szene.

Der Böllerwerfer vom Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im September 2019 ist vom Kölner Landgericht zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Aus Sicht des Gerichts hatte der 35-Jährige den in Deutschland verbotenen Böller geplant und im Wissen um die heftige und ohrenbetäubende Detonation gezündet und durch ein Absperrgitter vor der Südtribüne in den Stadioninnenraum geworfen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin froh, dass das Gericht so konsequent war. Das ist ein wichtiges Signal in die Szene.“

Auch der Vorsitzende Richter wurde in seiner Urteilsbegründung am Donnerstag deutlich: „Wenn man den Böller Leuten direkt vor die Füße schmeißt und sich selbst schützend wegdreht, dann liegt da auch ein gewisses Heimtücke-Element vor.“ Durch den Knall in der 83. Spielminute wurden laut Urteil 21 Menschen verletzt, darunter zahlreiche Pressefotografen und Ordner. Nicht wenige der Geschädigten hatten bei ihren Zeugenvernehmungen ausgesagt, nach der Detonation zunächst an einen Terroranschlag im Stadion geglaubt zu haben.

Zwei Opfern, die in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten waren, sprach das Gericht Schmerzensgeld in Höhe von 4000 beziehungsweise 5000 Euro zu. Die beiden Männer hatten bleibende Schäden wie teilweisen Hörverlust sowie chronischen Tinnitus und Kopfschmerz erlitten. Ein Sprengstoffsachverständiger vom Bundeskriminalamt hatte dem Böller eine „besondere Gefährlichkeit“ attestiert. So wies der Gutachter darauf hin, dass Knallkörper dieser Art schon beim Aufsprengen von Geldautomaten benutzt worden seien.

„Ich habe mich schon immer dafür ausgesprochen, strikt gegen diesen gefährlichen Unsinn beim Fußball vorzugehen“, sagte Innenminister Reul. Er hatte im September mit den neun NRW-Clubs in der 1. und 2. Bundesliga eine Vereinbarung zu „Stadionallianzen gegen Gewalt“ unterzeichnet.

Bei dem Prozess in Köln wurde der 35-Jährige wegen Zeigens des Hitlergrußes am Rande einer Demonstration am Kölner Hauptbahnhof im Oktober 2018 mit verurteilt. Ferner erging ein Schuldspruch wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beamtenbeleidigung bei einer Rangelei vor einem Kiosk im August 2020. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann Revision gegen das Urteil einlegen.

(dpa)