DFB-Pokal gegen Leverkusen: Härtetest für Borussias neue Struktur

DFB-Pokal gegen Leverkusen : Härtetest für Borussias neue Struktur

Im Pokal gegen Leverkusen müssen die Gladbacher beweisen, dass sie auch ohne Pléa durchschlagskräftig sind.

In der Logik der zuvor in Worte gegossenen Euphorie hätte man nach Gladbachs 1:3 in der Bundesliga in Freiburg Schlagzeilen erwartet wie: „Borussia verspielt den Titel“ oder „Hofmann verdirbt seine Nationalmannschaftskarriere“. Die kamen noch nicht. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass bei einem Sieg am Mittwoch im Pokal gegen Bayer Leverkusen (20.45 Uhr) und einem anschließenden Erfolg in der Liga am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf das Feuer der Hochjubelei neu entfacht wird. Wenn man nicht wüsste, dass Dieter Hecking extrem ehrgeizig ist, könnte man fast annehmen, die Schlappe im Breisgau sei ihm nicht unlieb. „Das gehört zum Weg einer Mannschaft“, erklärte der Gladbacher Trainer. „Es wird nicht so sein, dass das nicht mehr passiert. Es wird auch wieder Freiburg geben.“

Aber aus Sicht des nüchternsten aller Bundesligatrainer möglichst nicht gleich daheim gegen Leverkusen. Und wie seine Mannen die Wiedergutmachung unbedingt nicht angehen sollten, schob er gleich nach: „Nicht im Hurra-Stil.“ Das wäre gegen eine der besten Umschaltmannschaften in der deutschen Eliteliga kontraproduktiv. „Ein Mix aus gutem Spiel mit Ballbesitz und stabiler Defensive“ empfiehlt er als Rezept gegen den Pillen-Klub.

Bei aller Sachlichkeit bleibt aber die Niederlage im Schwarzwald zu einem großen Teil rätselhaft. Andererseits erhöht sie den Reiz der Pokalaufgabe mit ihrem K.o.-Modus. Hecking und seine Mannschaft müssen beweisen, dass die neue Durchschlagskraft, die man in den vergangenen Wochen als neue Qualität bewundern konnte, nicht nur von einer Person abhängig ist. Alassane Pléa, das Symbol dieser neuen Offensiventschlossenheit, fehlte in Freiburg ab der Pause – und prompt fühlten sich Beobachter in der zweiten Hälfte der Partie an (zu) viele Vorstellungen der Gladbacher in der Saison 2017/20018 erinnert.

Das Kapitel galt eigentlich als abgehakt und nicht nur durch die Verpflichtung des gradlinigen Franzosen allein als aufgearbeitet und eliminiert. Die Struktur muss einen Ausfall verkraften können. Auch wenn Dieter Hecking bei der Pressekonferenz zum Spiel fast genüsslich die Leverkusener im Ungewissen ließ. Wie immer müsse der Verlust des Torjägers auf allen Schultern verteilt werden – „wenn er denn fehlt . . .“ Neuerdings liebt der 54-jährige Fußballlehrer das Legen von falschen Fährten. Aber ist sie auch diesmal so falsch wie die Erklärung vor dem Bayern-Coup, dass Lars Stindl noch nicht so weit wäre, um ihn zwei Tage später in der Startelf aufzubieten? „Es gibt immer Chancen. Schließlich war war es ja nur eine Zerrung, kein Muskelfaserriss.“

Hecking wäre es sicherlich recht, eine ähnliche Diagnose gäbe es für das Freiburg-Tief. Es nur der Tradition anzulasten, taugt wenig als Lektion. Es hat noch keine Mannschaft wegen der Statistik verloren. Und die Freiburger leben ihre Geschichte: extrem viel zu laufen, möglichst schnell obendrein und mit letztem Willen an ihre Aufgabe heranzugehen. Da hat es Gladbach etwas schwieriger: Ihre jüngste Geschichte ist Ballbesitzfußball, und der ist naturgemäß störungsanfälliger als läuferische Tugenden. Denn es war nicht nur Pléa, der Borussia in Halbzeit zwei fehlte. In der Pause schien auch die Technik verloren gegangen zu sein, die die Basis eines Dominanzspiels ist. Wenn Bälle überproportional häufig weit vom Fuß springen, bekommt man Probleme mit Anlaufmannschaften wie Freiburg – und erst recht Leverkusen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lang, Elvedi, Ginter, Wendt - Hofmann, Kramer, Zakaria - Herrmann, Stindl, Hazard

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