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Wie teuer wird die Krise?: Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und die Kontaktpflege

Wie teuer wird die Krise? : Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und die Kontaktpflege

Es ist viel über die finanziellen Engpässe bei Fußball-Bundesligisten diskutiert worden, jetzt hat mit Borussia Mönchengladbach erstmals ein Verein Zahlen verkündet: Gladbachs Finanzchef Stephan Schippers bezifferte den Verlust aufgrund der Corona-Krise auf „zehn bis 13 Millionen Euro“ – „wenn wir die Saison zu Ende spielen können“.

Max Eberl ist rede- und kontaktfreudig. Aber auch diszipliniert. Und so hat er sich akkurat an die Empfehlung der Bundesligisten-Vereinigung gehalten. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) predigt seit Wochen Zurückhaltung. In Zeiten, in der die beiden höchsten deutschen Spielklassen nach vorne stürmen  und trotz Corona-Krise am 16. Mai den Wettkampfbetrieb wieder aufnehmen wollen, wird jede Äußerung eines Bundesliga-Clubs auf die moralische Goldwaage gelegt.

Am Montag aber konnte sich der Sportdirektor endlich wieder ausgebreitet äußern. Nach dem ersten Geisterspiel der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln zwei Monate zuvor kam es an gleicher Stelle zur Aufführung der ersten Geister-Pressekonferenz des Tabellenvierten, „unsere erste virtuelle Pressekonferenz“ wie sie Mediendirektor Markus Aretz einleitete.

Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl räumte Risiken beim DFL-Konzept zur Fortsetzung der Bundesliga-Saison ein. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Der dritte Mann auf dem Podium war Geschäftsführer Stephan Schippers, Gladbachs Hüter der Finanzen. Und Borussias starkem Mann war wohl nicht neu, was der Sportdirektor den zugeschalteten Journalisten über sein neues Betätigungsfeld erzählte. „Ich habe weniger mit Beratern telefoniert, mehr mit dem Gesundheitsamt.“ Kontaktpflege mit der Mönchengladbacher Behörde. „Sehr, sehr gut, intensiv, kooperativ“, lautete die Beschreibung des Managers. Deshalb kann sich der Ex-Profi kaum vorstellen, dass das Gesundheitsamt wie im Fall des Zweitligisten Dynamo Dresden, bei zwei positiv getesteten Profis gleich die gesamte Mannschaft zu einer zweiwöchigen Quarantäne verdonnert. „Das hat mich schon überrascht“, formulierte Eberl vorsichtig.

Sein Wissensstand über diese Situation ist ein anderer. Wenn Kontaktperson 1 weniger als 15 Minuten im extrem engen Kontakt war, müsse nicht gleich das komplette Team aus dem Verkehr gezogen werden. So war es auch beim Geisterspiel-Gegner Köln, bei dem zwei infizierte Spieler am Donnerstag nach zweiwöchiger Abstinenz ins Mannschaftstraining einsteigen dürfen. Da aber die Zeiten so schwierig wie sensibel sind, betonte der 46-Jährige: „Dabei geht es nicht darum, einen Vorteil zu generieren. Es geht um die Gesundheit der Jungs.“

Maximal 32 Millionen Euro Verlust

Aber auch um ganz viel Geld. Das belegte Stephan Schippers unaufgeregt wie gewohnt. „Zehn bis 13 Millionen Euro beträgt der Verlust, wenn wir die Saison beenden können.“ Ansonsten könnte der Verlust auf maximal 32 Millionen Euro ansteigen. Von der eingeplanten TV-Geld-Charge in Höhe von 22 Millionen Euro hat die Borussia laut Schippers bislang drei Millionen Euro überwiesen bekommen. „Für jedes weitere Spiel bekommen wir einen Teilbetrag überwiesen. Man kann sich leicht ausrechnen, auf was die Summe zusammenlaufen würde, wenn wir die Saison abbrechen müssten“, sagte der 52 Jahre alte Geschäftsführer. Trotzdem gibt Schippers selbst für den „worst case“ finanzielle Entwarnung. „Die Situation ist nicht insolvenzbedrohend. Wir werden mit der Krise zurande kommen.“

Auch Max Eberl, der Sportdirektor, lebt die Vereinsdevise: Wir geben nur das Geld aus, was wir verdienen. Das führt zu vielen Fragezeichen bei Verhandlungen mit neuen Spielern, die er führt und führen muss – so weit ihm das neue Arbeitsfeld Gesundheitsamt Zeit dazu lässt. Daran ändert auch nichts, wenn der Transferexperte eine  Reihenfolge vorgibt: „Erst mal die Spiele annehmen, sie beenden und dann gucken, was wir tun können.“ In der Kontaktpflege ist Eberl, assistiert von seinem Mit-Streiter und Chefscout Steffen Korell, nicht nur beim Gesundheitsamt erfolgreich. Seine Personalplanung wird er – wenn auch eher distanziert – parallel bearbeiten, und schließlich gibt es ja auch Kandidaten, bei denen die Budget-Problematik nicht so relevant ist, weil ihre Verträge auslaufen …

Vorerst aber profitieren die Gladbacher von ihrer vorbildlichen Finanz- und Investitionsarbeit: Die Profis sind seit Montag in der angeordneten Quarantäne im Hotel, das direkt ans Stadion angegliedert ist. Statt wie viele Konkurrenten mit dem Bus zum Training fahren zu müssen, können die Spieler bequem und sicher zu Fuß die Spiel- und in Corona-Zeiten auch Trainingsstätte erreichen. Am Freitag wird noch ein Abstrich gemacht, dann geht es Richtung Frankfurt, wo am Samstagabend (18.30 Uhr) die Begegnung bei der Eintracht angepfiffen wird.

„Ich bin nah dran an der Mannschaft“, sagt Max Eberl. Aber nicht mit ihr in der Quarantäne. Dazu gibt es noch zu viel zu tun. Gladbachs Finanzen sind grundsolide, die Situation für die laufende Bundesligasaison trotz des hochgelobten Vorsorgepakets der DFL eher weniger. Das gibt auch Eberl zu: „Das Konzept steht auf tönernen Füßen.“