Mönchengladbach: Gladbachs „Riesenspiel“ bleibt unbelohnt

Mönchengladbach : Gladbachs „Riesenspiel“ bleibt unbelohnt

Kopfschüttelnd lief Lars Stindl in die Kabine, „ich fasse es nicht“ murmelte er, die Schultern hingen, die Augen waren traurig. Es war eine geradezu tragische Niederlage, die der Kapitän mit seiner Mönchengladbacher Borussia gegen den BVB nun zu verarbeiten hat, denn sie hatten voller Hingabe gearbeitet, sie hatten 26 mal aufs Tor geschossen und ein halbes Dutzend allerbester Möglichkeiten gehabt, aber am Ende jubelten die Gäste.

„Wir haben ein Riesenspiel gemacht, leider treffen wir im Moment die Hütte nicht, sonst war alles da, was wir von der Mannschaft einfordern“, sagte Trainer Dieter Hecking nach diesem 0:1 (0:1) gegen den BVB. Und Stindl war besonders traurig, erneut waren all seine Versuche, endlich wieder einmal ein Tor zu schießen, vergeblich, seit Ende November wartet er auf eine Torbeteiligung.

Doch das Effizienzproblem von Borussia Mönchengladbach hat längst das ganze Team ergriffen. Die zurückliegenden vier Spiele gingen sämtlich ohne eigenen Treffer verloren, während die Dortmunder seit acht Bundesligapartien unbesiegt sind. „Wir haben gewonnen, das ist das wichtigste“, sagte Sokratis, wohl wissend, dass ein niveauvolles Kombinationsspiel, wie es der BVB eigentlich schätzt, auf diesem Fußballplatz nicht möglich war.

Der Rasen, der in der kommenden Wochen durch eine neue Spielfläche ersetzt werden wird, befand sich in einem erbärmlichen Zustand. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte BVB-Torhüter Roman Bürki, schnelle Haken oder Richtungswechsel beinhalteten immer die Gefahr von Ballverlusten, weil die Spieler permanent ausrutschten, und flache Pässe drohten zu schwer kontrollierbaren Holperbällen zu werden. Aber irgendwie arrangierten die beiden Teams sich mit diesen Widrigkeiten und boten dem Publikum zumindest eine intensive Schlacht.

Wobei die Dortmunder Kumpels Mario Götze, Marco Reus und André Schürrle, die erstmals gemeinsam in der Startelf standen, in der ersten Hälfte auch einige fußballerisch sehenswerte Aktionen hinbekamen. „Es ist wichtig für uns, dass wir zu dritt zusammen spielen, man sieht, dass wir unsere Abläufe kennen, dass wir uns kennen auf und neben dem Platz“, sagte Götze. Immer wieder fanden die drei Nationalspieler Räume für ihre Aktionen, und in der 32. Minute entschieden sie diese Partie mit einer genialischen Gemeinschaftsproduktion. Götze schlug einen langen Diagonalball auf Schürrle, der mit einem weiteren Seitenwechsel Reus anspielte, dessen platzierter Schuss landete von der Unterkante der Latte im Tor.

Vestergaards Tor aberkannt

Viel mehr Gefahr hatten die Dortmunder bis dahin zwar nicht erzeugt, und Stindl hatte nach 13 Minuten eine schöne Chance zur Führung für den Gastgeber gehabt, aber die Dortmunder waren zu Beginn zweifellos das selbstbewusstere, das reifere, das bessere Team. Zwar gelang Jannik Vestergaard kurz vor der Pause ein Ausgleichstreffer, aber der wurde aufgrund einer deutlichen Abseitsstellung umgehend vom Videoassistenten annulliert.

Je länger die Partie dann dauerte, desto energischer stemmte sich die Borussia vom Niederrhein gegen die Niederlage, und die Dortmunder fanden immer weniger Gegenmittel. „Wir waren in der zweiten Hälfte zu wenig körperlich und haben zu wenige zweite Bälle gewonnen“, sagte Peter Stöger, der nach diesem Abend der erste BVB-Trainer ist, der in seinen ersten acht Bundesligaspielen ungeschlagen geblieben ist. „Die Gladbacher haben es außergewöhnlich gut gemacht“, lobte der Österreicher die andere Borussia, aber das ist natürlich ein schwacher Trost für den unterlegenen Konkurrenten, der den Anschluss ans obere Tabellendrittel zu verlieren droht.

Seit ihrem Sieg gegen den FC Bayern Ende November hat Borussia Mönchengladbach nur sieben Punkte aus elf Partien erspielt, und an diesem Abend wurde der Hauptgrund für diese schlechte Phase so deutlich sichtbar wie nie: Ein halbes Dutzend bester Gelegenheiten hatten sie, doch Stindl (55., 90.), Raul Bobadilla (55., 76.) oder Nico Elvedi (70.) fehlte die Kaltblütigkeit im Abschluss, und Roman Bürki, der viele dieser Bälle mit tollen Torhüteraktionen entschärfte, durfte sich am Ende als Held des Abends feiern lassen.

(dpa)
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