Gladbachs Nico Elvedi vor dem Spiel gegen Bayern München

Gladbachs Elvedi vor dem Bayern-Spiel: „Das wird ein Spiel auf Augenhöhe“

Im Juli 2015 Jahren kam Nico Elvedi vom FC Zürich an den Borussia-Park. Ein 18-jähriges Talent, in das Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl vier Millionen Euro investierte. Fast vier Jahre später ist der Schweizer mit 22 Jahren immer noch jung, aber kein Talent mehr. Stattdessen ein hervorragender Innenverteidiger, dessen Wert sich inzwischen verfielfacht und der längst Begehrlichkeiten bei Großklubs geweckt hat. Im Gespräch mit unserem Redakteur Bernd Schneiders aber wirkt der Nationalspieler schüchtern und zurückhaltend wie eh und je. Gegen die Bayern (Samstag, 18.30) feiert Elvedi seinen 100. Bundesliga-Einsatz für die Borussia, am liebsten natürlich mit einem Sieg.

Herr Elvedi, warum verlieren Borussia am Samstag nicht 0:3 gegen die Bayern?

Nico Elvedi: Weil wir aus Fehlern lernen. Wir sind nach zwei nicht so guten Heimspielen extrem motiviert und wollen gegen die Bayern etwas holen.

Und es sind die Bayern . . .

Elvedi: Genau, das sind immer besondere Spiele. Und es ist etwas Besonderes, die Bayern zu schlagen. Das werden wir wieder versuchen. Die Bayern spielen obendrein nicht gerne in Mönchengladbach. Auch für sie wird es ein schwieriges, spezielles Spiel. Und sie stehen unter Druck, weil sie an Dortmund dranbleiben wollen.

Die Münchner kommen ausgeruht in den Borussia-Park. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Elvedi: Wir werden auch ausgeruht sein. Das Fitnesslevel wird bei beiden 100 Prozent sein. Ich denke, es wird ein Duell auf Augenhöhe sein.

Vor dreieinhalb Jahren haben Sie beim 3:1 gegen die Bayern Ihr Start­elfdebüt gegeben. Beim 3:0 im Hinspiel haben Sie zum ersten Mal als Innenverteidiger gegen die Bayern gespielt. Und jetzt bekommen Sie es erneut überwiegend mit Robert Lewandowski als Gegenspieler zu tun. Wie gut ist er?

Elvedi: Er ist einer der komplettesten, der besten Stürmer der Welt. Er ist immer gefährlich, wenn er den Ball hat, kann im Strafraum aus den unmöglichsten Situationen noch ein Tor schießen. Aber ich mag es, gegen genau solche Gegner zu spielen, mich mit ihnen zu messen. Ich freu mich auf ihn.

Muss man man bei solchen Stürmern, die mit allen Wassern gewaschen sind, auch mal dreckig spielen?

Elvedi: Nein, das ist nicht mein Stil. Solch eine Aufgabe versuche ich immer, sportlich zu lösen. Man kann ihn auch sauber stoppen.

Deshalb sind Sie auch noch nie vom Platz geflogen?

Elvedi: Genau, ein Mal in der U 18 glaube ich, aber bei den Profis noch nicht.

Wie schätzen Sie denn die Bayern-Profis auf Ihrer Position ein, also Boateng, Hummels und Süle ?

Elvedi: Für mich sind das noch immer Weltklasseverteidiger. Ihr Niveau konnte man in den vergangenen Spielen wieder sehen.

Wo sehen Sie sich denn im Vergleich?

Elvedi: Ich sehe da keinen großen Unterschied. Aber von der Qualität der Spieler her sehe ich die Bayern schon noch ein Stück über uns. Aber das heißt im Fußball nicht, dass sie unbedingt bei uns gewinnen müssen. Das müssen sie erst mal auf dem Platz zeigen. Ich bin gespannt auf Samstag . . .

Am vergangenen Samstag hat im Borussia-Park auch nicht die bessere Mannschaft gewonnen.

Elvedi: Ja, aber richtig gut haben wir gegen Wolfsburg auch nicht gespielt.

Wie verarbeitet man so eine unnötige Niederlage?

Elvedi: Ich hab mich schon gewaltig geärgert, über die Niederlage, über den Fehler, den ich gemacht habe . . .

Wie ärgern Sie sich?

Elvedi: Innerlich. Ich schrei jetzt nicht groß rum. Eine Nacht da­rüber schlafen, dann ist es wieder ok.

Sind Ihr und Oscar Wendts Fehler in der Trainingswoche noch mal besprochen worden?

Elvedi: Nein, wir wissen beide, dass uns das nicht passieren durfte, und es wird uns auch nicht noch mal passieren.

Warum fühlen Sie sich in der Defensivzentrale am wohlsten?

Elvedi: In der U 17/U 18 wurde ich vom zentralen Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger umgeschult. Da fühle ich mich einfach wohler, die Position liegt mir einfach mehr. Ich habe das ganze Spiel vor mir, ich mag es, das Spiel aufzubauen.

Auf der Seite muss man mehr Kilometer fressen. Sind Sie etwa faul?

Elvedi: Als Rechtsverteidiger muss man natürlich mehr nach vorne machen, also auch mehr rennen. Aber dagegen habe ich im Grunde nichts.

Die Zentrale ist anspruchsvoller, oder?

Elvedi: Vor allem, was die Fehler angeht.

Was man gegen Wolfsburg gesehen hat . . .

Elvedi: Als Außenverteidiger hast du in der Regel noch einen Innenverteidiger, der deinen Fehler ausbügeln kann. Als Innenverteidiger ist es gleich eine große Torchance, und du hast nur noch den Torwart, der etwas retten kann. Aber dafür gerätst du als Außenverteidiger schneller unter Druck und benötigst dafür das technische Rüstzeug, um dich daraus zu lösen. Als Innenverteidiger hast du ein bisschen mehr Zeit, wenn du den Ball hast.

Sie gelten als sehr nervenstark und abgebrüht. Sie bleiben sowohl in schwierigen Situationen ruhig als auch nach Fehlern. Genau deshalb sind Sie den Gladbacher Spähern auch aufgefallen. Ihr ehemaliger Trainer André Schubert hat Sie deshalb „Eisvogel“ getauft. Sparen Sie sich die Gefühlsebene für Ihr Privatleben auf? Zu Beginn Ihrer Gladbacher Zeit sind Sie häufig zu Ihrer Famile geflogen, um das Heimweh zu begrenzen. Derzeit fliegen Sie häufig nach Zürich, um Ihre Freundin Alexandra zu besuchen, die dort Architektur studiert. Der Valentinstag sei Ihnen ganz wichtig, heißt es. Sind das Gegensätze oder ist das gar ein Widerspruch?

Elvedi: Genauso häufig besucht mich meine Freundin, speziell, wenn wir samstags spielen. In den Semesterferien, die vor zwei Wochen zu Ende gegangen sind, war sie hier. Und natürlich beschenke ich sie gerne, sei es am Geburtstag, zu Weihnachten oder Valentinstag. Das finde ich normal. Weil sie mir wichtig ist. Aber bin ich deshalb sehr emotional? Es gibt nicht zwei Elvedis, den auf dem und den neben dem Platz. Ich bin ich. Und ich schrei weder auf dem Platz noch zu Hause rum.

Hat Ihre Freundin denn schon den Neubau „8 Grad“ gesehen? Als Architekturstudentin könnte sie doch ein fundiertes Urteil fällen . . .

Elvedi: Ja, gesehen hat sie den schon.

Aber drüber gesprochen haben sie nicht.

Elvedi: Genau.

Lieber über andere Dinge . . .Von Schubert haben Sie gesagt, er sei Ihr „Jackpot“ gewesen, weil er Sie zum Stammspieler gemacht hat. Inzwischen sind Top-Vereine auf Sie aufmerksam geworden. Was ist also dann Dieter Hecking? Ihr „Vermögensförderer“?

Elvedi: Da finde ich jetzt nicht so schnell den passenden Begriff. Er ist ein Supertrainer. Wichtig ist, dass der Trainer hinter dir steht, dir sein Vertrauen schenkst, auch wenn du mal Fehler machst.

Mit wem würden Sie bei anstehenden Entscheidungen Ihre Karriereplanung besprechen. Mit Ihrer Familie, mit Ihrem Berater Franco Moretti?

Elvedi: Das würde ich mit meiner Familie und meiner Freundin besprechen. Das habe ich damals auch bei meinem Wechsel zu Gladbach so gemacht.

Der Wechsel zu einem größeren Verein mit besseren Verdienstmöglichkeiten ist im Fußball häufig negativ besetzt, während es jeder nachvollziehen kann, wenn jemand im normalen Berufsleben in einen Job wechselt, in dem er mehr verdient.

Elvedi: Ich finde, solche Dinge hängen im Fußball stark vom Alter ab. Wenn du schon 30 bist und noch mal ein bisschen Geld verdienen möchtest, kann ich das verstehen. Aber als junger Spieler musst du darauf achten, wenn du einen solchen Schritt machst, dass er dich auch sportlich weiterbringt, du dich weiterentwickelst. Wenn du in meinem Alter schon nur auf das Geld schaust, ist das ein Fehler.

Ihr Nationalmannschaftskollege Yann Sommer ist recht extrovertiert. Er ist vielseitig interessiert, macht Musik, beschäftigt sich mit Kunst, kocht gerne, hatte sogar eine eigene Kochsendung im Schweizer Fernsehen. Was gibt es Spannendes im Privatleben des Nico Elvedi?

Elvedi: Auch ich koche gerne.

Hoffentlich ist nichts angebrannt?

Elvedi (grinst): Nein, es war alles gut.

Was gab es denn?

Elvedi: Pasta, Gemüse, ein kleines Fleisch.

Sind Sie von Ihrem Kollegen Yann Sommer oder Ihrer Freundin angeleitet worden?

Elvedi: Das hat sich so entwickelt. Für mich ist als Profisportler Ernährung sehr wichtig. Erst recht, nachdem bei mir eine Histaminunverträglichkeit festgestellt worden ist. Seitdem achte ich stark auf meine Ernährung, kaufe lieber frische Sachen ein und bereite sie selbst zu,  als dass ich ins Restaurant gehe oder etwas bestelle.

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