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Mönchengladbach: Gladbacher Willensmonster krönen ihre Hinrunde

Mönchengladbach : Gladbacher Willensmonster krönen ihre Hinrunde

Diesen schwierigen Weg hatte sich André Schubert nicht vorgestellt, um seine Worte Wirklichkeit werden zu lassen. „Wir gewinnen lieber 3:2 als 1:0“, hatte Borussia Mönchengladbachs Trainer vor der Partie gegen die Kampfexperten aus Darmstadt erklärt.

Der Fußballlehrer und seine Mannschaft standen nach 13 Gegentoren in den letzten drei Spielen stark in der Kritik. Um ihren eh von Schubert so hoch gelobten Willen zu unterstreichen, setzten Stindl & Co. noch eins drauf: In Unterzahl drehten die Gladbacher einen 0:1-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg und krönten damit nach einem desaströsen Auftakt eine brillante Bundesliga-Hinrunde unter dem ehemaligen U21-Coach. In Zahlen ausgedrückt: Platz vier mit 29 Punkten und unzähligen spektakulären Spielen.

Elvedi in der Defensivzentrale

Schubert ist ein erklärter Freund von Mitbestimmung. Für die Aufstellung für das Darmstadt-Spiel durfte offensichtlich die Presseabteilung einbringen. Im Mittelteil des Fohlenechos zum 17. Spieltag prangt Nico Elvedi als doppelseitiger Coverboy — im Gladbach-Dress natürlich. Der Blondschopf fand sich plötzlich in der Defensivzentrale neben seinem Altersgenossen Andreas Christensen wieder. Ein ähnlicher Versuch von Lucien Favre mit einem Baby-Gespann war beim Saisonauftakt in Dortmund mit 0:4 fürchterlich in die Hose gegangen. Jetzt erkannte dessen Nachfolger den Kräfteverlust von Sechser Mo Dahoud als so hoch, dass er lieber Havard Nordtveit aus der Zentrale der Viererkette ins defensive Mittelfeld vorzog und den gebürtigen Syrer auf der Bank ließ.

Schnell bekam Borussias junge Abwehr reichlich zu tun. Es hat sich mittlerweile auch bis Darmstadt herumgesprochen, dass die Schubert-Elf mit pressenden Mannschaften Probleme hat. Doch Gladbach wehrte sich, die vier Tage Pause hatten offensichtlich die physische Frische zurückgebracht. Elvedi kochte sogar den pfeilschnellen Marcel Heller ab. Doch der ehemalige Alemanne schlug zurück und erteilte Julian Korb eine Lektion in Sachen Handlungsschnelligkeit. Nach einem Einwurf verlor Elvedi das Kopfballduell mit Sandro Wagner. Heller reagierte blitzschnell und versenkte aus sieben Metern den Ball zum 1:0 im Netz (28.).

Borussia kam aus dem Rhythmus. Das kann man auch durch spezielle Eingriffe verstärken. Peter Niemeyer weiß das, und so hakelte er Granit Xhaka, nachdem dieser den Ball energisch erobert und weitergepasst hatte. Wieder einmal hatte sich der Schweizer nicht im Griff und trat nach. Schiedsrichter Benjamin Brand zog nach Intervention seines Assistenten die Rote Karte (39.). „Das war ein Fehler, völlig überflüssig und ein Bärendienst, den er der Mannschaft geleistet hat“, sagte Schubert.

Doch was folgte, war nicht der Zusammenbruch einer physisch und psychisch gestressten Mannschaft. Stattdessen der Triumph des Willens: Lars Stindls 1:1 noch vor der Pause war der erste Paukenschlag (44.).

„In der Situation nach der Roten Karte haben nicht mehr viele auf uns gesetzt“, schmunzelte Schubert. „Und in der Halbzeit haben wir gesagt, dass wir auch mit einem Punkt zufrieden sein würden, aber dennoch weiter auf Sieg spielen wollen.“ Havard Nordtveit hielt sich daran und lieferte Paukenschlag Nummer zwei: Der Norweger wuchtete einen Freistoß direkt zur 2:1-Führung ins Netz.

Stindls schlaues Zuspiel

Und als alle 53.610 Zuschauer im Borussia-Park damit rechneten, dass die zehn Gladbacher nach dem 2:2 durch Sandro Wagner (67.) maximal auf dem Zahnfleisch ein Unentschieden über die Zeit retten könnten, schlug der nächste Wikinger zu: Oscar Wendt nutzte ein schlaues Zuspiel von Stindl zum lärmumtosten 3:2.

„Er hat mit seinen 30 Jahren einen unglaublichen Willen“, lobt Schubert. Und nicht nur der Schwede. „Unser Spiel ist von großer Emotionalität geprägt.“ Und diesmal tanzten die Glückshormone auch nach dem Abpfiff.