Nach Blamage von Düsseldorf: Gladbach zeigt gegen Bremen zumindest starke kämpferische Leistung

Nach Blamage von Düsseldorf : Gladbach zeigt gegen Bremen zumindest starke kämpferische Leistung

Für Max Eberl war es vorher nur „ein Spiel von 34“. Aber natürlich wusste Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor, dass die Partie eins nach der angekündigten Entlassung von Trainer Dieter Hecking nach der Saison gegen Werder Bremen eine ganz besondere sein würde.

Der Fußball lebt eh von Interpretationen, und so waren die virtuellen Bleistifte gespitzt, um Urteile zu fällen. Aber was macht man mit einem 1:1? Ein Ausrufezeichen sieht anders aus. Das bestätigte auch Christoph Kramer. „Rein ergebnistechnisch war das kein Fortschritt“, sagte der Gladbacher Mittelfeldspieler, auf den Hecking von Anfang an gesetzt hatte. Aber inhaltlich gaben Kramer & Co. dennoch Antworten auf den Pusteblumenauftritt am vergangenen Wochenende.

Antwort Nummer eins: Hecking ist keine „Lame Duck“, keine lahme Ente also, die die Spieler nicht mehr erreicht.

Antwort zwei: Nicht nur das große Entenfressen für starke Bremer fiel aus, die traditionell Fohlen genannten Gladbacher hätten in einem speziell in der zweiten Halbzeit spektakulären Spiel einen Sieg verdient gehabt. „Es war ein sehr schwieriges Spiel. Nicht wegen der Entscheidung über Dieter Hecking, sondern weil wir aus einer Sieglos-Serie kommen. Wir haben eine Reaktion gezeigt und mit Leidenschaft und Emotionen gespielt. Darauf kann man aufbauen“, erklärte der starke Kramer.

Groß genug wäre der Kader gewesen, um alle Feldspieler auszutauschen nach dem jämmerlichen Auftritt eine Woche zuvor in Düsseldorf. Doch Hecking rief nicht die Revolution aus. Gladbachs Trainer setzte aber auch nicht auf totale Wiedergutmachung, sondern auf Nadelstiche, die einem besonders weh getan haben werden: Lars Stindl fand sich überraschend nur auf der Bank wieder.

Den Kapitän, der zwar ebenso wie viele seiner Kollegen derzeit seiner Form hinterherläuft, aber von der Mentalität und seiner Einsatzbereitschaft tadellos seinem Job nachzugehen pflegt, zu opfern, ist ein harter Eingriff. Aber zumindest musste sich der 30-Jährige nicht einsam fühlen, Oscar Wendt und auch Jonas Hofmann leisteten ihm Gesellschaft. Der schwedische Routinier hatte beim 1:3 in Düsseldorf seine Aufgaben gegen Benito Raman auf die leichte Schulter genommen. Da Wendt Borussias einziger Linksverteidiger ist, lag auch eine taktische Umstellung auf der Hand: Eine Dreierkette musste her.

„Wir müssen was ändern“, hatte Hecking ohnehin angekündigt. Das manifestierte sich von der Formation her in einem flexiblen 3-5-2. „Für dieses Spiel gegen Bremen war es das Richtige“, sagte der Coach. So war auch Kramer unterzubringen, an dem Hecking wegen dessen Zweikampfstärke nicht vorbeikam. Gemeinsam mit Denis Zakaria übernahm der ehemalige Nationalspieler den defensiven Part im Mittelfeld. Davor reihten sich Patrick Herrmann und Thorgan Hazard ein, leicht vorgeschoben spielte Florian Neuhaus hinter den Spitzen Alassane Pléa und Raffael.

„Wir müssen was ändern.“ Die inhaltliche Umsetzung wurde schnell erkennbar: Nach acht Minuten setzte Kramer ein Signal und knöpfte Milot Rashica robust den Ball ab. Diese Neuerung sollte die Leitlinie sein. Gefühlt bestritten und gewannen die Borussen an diesem Abend mehr Zweikämpfe als in der kompletten Rückrunde. Und belohnten sich nach der Pause: Ausgerechnet der Ex-Gladbacher Max Kruse verlor den Ball, Nico Elvedi schaltete blitzschnell und schickte Neuhaus steil. Der U 21-Nationalspieler umkurvte Torhüter Jiri Pavlenka, rutschte leicht aus, versenkte den Ball aber zum 1:0 im Netz (49.).

„Wir haben es versäumt, den Sack zuzumachen“, ärgerte sich Hecking über die nun folgenden Chancen. Fabian Johnson, Neuhaus und Hazard verpassten das 2:0. Den Ausgleich sah der Gladbacher Fußballlehrer im Kontext. „Beide Sechser (Kramer, Zakaria) waren gelbbelastet. Aber ich wollte sie nicht rausnehmen. Dafür waren sie einfach zu gut. So ist die leichte Zögerlichkeit zu erklären.“ Davy Klaassen nutzte dies und köpfte eine Flanke von Yuya Osako zum 1:1 ein (79.).

Borussia versuchte nun alles, doch eine Ergebnis-Antwort gelang ihnen nicht mehr. Wie man mit einem Volltreffer antwortet, hatte Eberl dagegen bereits vor dem Anpfiff gezeigt. Als sich Sky-Experte Dietmar Hamann, der zuvor bereits vom „Express“ als neuer externer Berater ins Medienspiel gebracht worden war, eine mündliche Bewerbung abgab, flachste Gladbachs Sportdirektor pointiert: „Aber Didi, wir wollen doch besser werden ...“

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