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Fußball-Bundesliga: Borussia Mönchengladbach buhlt um Lazaro und Pedri

Borussia Mönchengladbach : Es fehlen nur noch Lazaro und Pedri

Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach ist auf der Suche nach Verstärkungen wohl fündig geworden: Ein österreichischer Flügelspieler und ein spanisches Talent könnten an den Niederrhein wechselt. Am Montag geht’s ins Trainingslager.

„Es gibt keinen Marco-Rose-Fußball“, sagte Borussia Mönchengladbachs Trainer vor wenigen Wochen im Interview mit unserer Zeitung. Daraus lässt sich ableiten, dass es auch keine Marco-Rose-Fußballer gibt. Nun, Max Eberl als Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten, hat ihm gerade nach Stephan Lainer vor einem Jahr wieder einen solchen serviert: Hannes Wolf . In den Testspielen gegen die Drittligisten SC Verl und den MSV Duisburg – beide gewann die Borussia mit 4:0 – lieferte der Offensivspieler, der von RB Leipzig ausgeliehen ist, Beispiele, welche Qualitäten der Typus von Spieler trotz des hypothetischen Vetos seines Lehrherrn mitbringen muss: Schnelligkeit, Agressivität, Gradlinigkeit.

Zwar machte Wolf gegen Verl ein Tor, drei Tage später aber waren die Rose-Vorlieben gegen den MSV noch deutlicher zu sehen – ohne dass er traf. Beim 3:0 musste Breel Embolo nur noch seinen Fuß hinhalten, um den dynamischen Vorstoß inklusive einer präzisen Hereingabe des 21-Jährigen krönend abzuschließen. Nicht die einzige Szene, die ausleuchtete, warum Rose den jungen Mann, den er bereits in den Jugendmannschaften bei RB Salzburg unter seinen Fittichen hatte, unbedingt an den Niederrhein lotsen wollte.

Nun muss man nicht befürchten, der 43-jährige Fußballlehrer würde Gladbach peu a peu nur noch mit seinen Wunschspielern bestücken. Das würde Eberl niemals zulassen, nicht nur, weil der Manager genau weiß, dass auch Rose, wie es Eberls Ex-Trainer Hans Meyer einmal ausdrückte, auch nur ein Passant bleiben wird. Profis wie Lainer, Wolf und bald noch ein weiterer Zugang mit RB-Stallgeruch werden Borussia auch in der Post-Rose-Ära weiterhelfen.

Gladbach und der dritte (Rose-)Mann: Valentino Lazaro könnte er heißen. Der ehemalige Profi von Hertha BSC gehört Inter Mailand, war im vergangenen halben Jahr an Newcastle United ausgeliehen und möchte gerne beim Champions-League-Teilnehmer wieder in die Erfolgsspur finden; unter dem Trainer, den er aus Salzburger Zeiten bestens kennt und schätzt. Inhaltlich ist dieser Transfer nachvollziehbar: Der 24-jährige Österreicher ist auf den Außenbahnen, aber auch in der Abwehr einsetzbar. Polyvalent also, und natürlich bringt er die Attribute Schnelligkeit, Gradlinigkeit und Aggressivität mit. Noch steht Max Eberl in Verhandlungen mit Inter. Wie im Fall Wolf kann und vor allem will Gladbach es sich nicht leisten, angesichts der finanziellen Belastungen durch die Corona-Krise, Spieler von Format zu kaufen. Ausleihe heißt das Zauberwort, wenn möglich mit Kaufoption.

Bei einem erfolgreichen Abschluss wäre die Suche nach Soforthelfern für Borussia beendet. Daran ist ablesbar, wie stark die Pandemie die personelle Entwicklung des Clubs einschränkt: Auf einen höherwertigen Ersatz für Tobias Strobl (FC Augsburg) verzichtet Eberl. Gladbach besitzt viele Optionen mit unterschiedlichen Qualitäten für die Sechser-Position (Zakaria, Kramer, Neuhaus, Hofmann, Benes). Und die einzig fehlende Variante – taktisch klug wie Strobl, aber schneller – ist derzeit nicht finanzierbar.

Beim 4:0 gegen Duisburg geriet eine Quelle in Erinnerung, die zur DNA des Traditionsclubs gehört: der eigenen Nachwuchs, der sogenannte Fohlenstall. Der Sprung in den Rose-Kader wird zwangsweise mit steigendem Erfolg der Profi-Mannschaft immer anspruchsvoller. Aber es gibt Anzeichen, dass es nicht immer wie etwa bei Famana Quizera dabei bleiben muss, nur in der Vorbereitung für fußballerische Akzente zu sorgen. Mitunter bedeutet auch ein „Nicht-Auffallen“ eine Qualität, die einem Ticket für den Aufstieg gleichkommt. Keiner der Jünglinge – weder Jordi Bongard, Julio Villalba, Torben Müsel, Kaan Kurt, Conor Noß oder eben auch Quizera – enttäuschte.

Aber speziell am Samstag fiel einer auf, weil er nicht auffiel: Einem „ahnungslosen“ Zuschauer wäre niemals die Idee gekommen, dass Rocco Reitz nicht zum Stamm der Bundesliga-Mannschaft gehört. Der 18-jährige überzeugte mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit im Gladbacher Mittelfeld. Zweikampfstark, schnell, passsicher – für das „kleine“ Fohlen (1,67 m) könnte es sich auszahlen, sich die Überdinger zu verkneifen und statt durch Übereifer lieber durch Fehlerminimierung und Verlässlichkeit aufzufallen.

Ab Montag kann Reitz im einwöchigen Trainingslager Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld diese Eindrücke vertiefen, allerdings nicht bei den Fans, die wegen der Pandemie ausgeschlossen bleiben. Ein „fremdes“ Fohlen könnte auch noch angaloppiert kommen: Gladbach möchte Pedri, 17-jähriger Flügelspieler des FC Barcelona, ausleihen. Eberl wollte ihn bereits im Januar verpflichten, aber da entschied sich das Top-Talent für Barça und wurde vom spanischen Spitzenklub zurück nach Las Palmas ausgeliehen.

Borussia - MSV Duisburg 4:0; Tore: 1:0 Lainer (51.), 2:0 Neuhaus (63.), 3:0 Embolo (67.), 4:0 Herrmann (72.)