Samara: Ex-Gladbacher Dahlin: WM kann Fußball-Boom in Schweden auslösen

Samara: Ex-Gladbacher Dahlin: WM kann Fußball-Boom in Schweden auslösen

Wenn Martin Dahlin an die Fußball-WM 1994 in den USA denkt, dann gerät der einstige Torjäger immer noch ins Schwärmen. „Das war ein ganz tolles Erlebnis und ein großer Erfolg für Schweden damals”, sagte Dahlin der Deutschen Presse-Agentur. Auch dank der vier Turniertreffer des früheren Gladbachers stürmten die Schweden mit Spielern wie Thomas Brolin, Thomas Ravelli oder Dahlins damaligem Teamkollegen Patrick Andersson vor 24 Jahren bis ins Halbfinale.

Dort gab es eine knappe 0:1-Niederlage gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Nach einem fulminanten 4:0 gegen Deutschland-Bezwinger Bulgarien im Spiel um Platz drei beendeten die Skandinavier die WM auf einem tollen dritten Platz - das beste Ergebnis seit der Heim-WM 1958, als die „Tre Kronor” Zweiter geworden waren.

24 Jahre später sorgen die Schweden wieder bei einer WM für Furore. Vor dem Turnier kaum beachtet, steht das Team von Trainer Janne Andersson in Russland erstmals seit jener berauschenden WM in den USA wieder im Viertelfinale. Dort geht es am Samstag (16.00 Uhr/ARD und Sky) in Samara gegen England. Zwar gehen die Schweden wieder als Außenseiter in die Partie, doch Dahlin traut ihnen eine weitere Überraschung zu. „Warum nicht? Ich denke, es wird eine sehr ausgeglichene Partie zwischen zwei sehr gut organisierten Mannschaften”, sagte Dahlin, der inzwischen als Spielerberater arbeitet.

Schon jetzt sei die WM für Schweden ein Riesenerfolg meint Dahlin, 1995 mit Borussia Mönchengladbach Pokalsieger. „Wie 1994 werden viele Kinder anfangen, Fußball zu spielen. Das ist eine tolle Sache”, sagte der heute 50-Jährige. „Die Stimmung in Schweden ist natürlich super. Alle laufen mit einem Lächeln durch die Gegend.”

Auch am Samstag werden sich die Schweden in Stockholm, Göteborg und vielen anderen Städten wieder zum Public Viewing versammeln. Mit ihrem sympathischen und vor allem geschlossenen Auftreten kommt das Team um Kapitän Andreas Granqvist daheim sehr gut an. „Man merkt, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht”, lobt Dahlin. Das wurde auch in den Tagen nach der bitteren Vorrundenniederlage gegen Deutschland sichtbar, als sich die Mannschaft vehement hinter ihren rassistisch beleidigten Mitspieler Jimmy Durmaz stellte.

Diese Geschlossenheit sei auch auf dem Platz die große Stärke, findet Dahlin. Rein spielerisch könnten die Schweden mit den übrigen noch im Turnier verbliebenen Mannschaften nicht mithalten. „Aber defensiv machen sie es herausragend”, sagte Dahlin. „Und damit meine ich nicht nur die Verteidiger, sondern das gesamte Team. Sie erfüllen alle auf dem ganzen Platz ihre Aufgaben.”

Wie unbequem die Schweden zu spielen sind, bekamen vor der WM bereits Frankreich die Niederlande und Italien zu spüren. Gegen Frankreich gab es einen Sieg, die Niederlande verpassten die WM als Dritter hinter Schweden und Italien wurde in den Playoffs besiegt. „Das hat die Mannschaft weiter zusammengeschweißt”, sagte Dahlin.

Auch, dass in Zlatan Ibrahimovic der exzentrische Superstar der vergangenen Turniere dieses Mal nicht dabei ist, sei eher Vor- als Nachteil. Dahlin versucht, sich diplomatisch auszudrücken. „Zlatan ist ein herausragender Fußballer, das weiß jeder. Aber man sollte über die Jungs reden, die jetzt in Russland so erfolgreich spielen und nicht über jemanden, der nicht dabei ist.”

Dahlin wird die Partie gegen England daheim verfolgen. Zwar gab es eine Einladung der FIFA, nach Samara zu kommen, doch dieser wird der Ex-Profi wegen beruflicher Verpflichtungen wohl nicht nachkommen. „Dafür komme ich dann zum Halbfinale nach Moskau”, sagte Dahlin voller Zuversicht.

(dpa)