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Gladbach künftig ohne Trainer Hecking: Emotionen, Strategie und Zukunft

Gladbach künftig ohne Trainer Hecking : Emotionen, Strategie und Zukunft

Das Ende einer Vernunftehe kann sehr emotional sein. Auch wenn die Scheidung vorerst auf Ende Mai datiert ist: Am Ende der Saison spätestens trennen sich die Wege von Borussia Mönchengladbach und Trainer Dieter Hecking.

Das scheint Max Eberl fast noch mehr zuzusetzen als dem 54-jährigen Trainer. Der aber ist ja auch mit einer Yoga-Lehrerin verheiratet und mit westfälischen Stoik-Genen prächtig ausgestattet. Auf der überraschend und hastig anberaumten Pressekonferenz gestern im Borussia-Park rang so vor allem Gladbachs Sportdirektor spürbar um Fassung. Dabei war es der Manager, der die Abkehr von der Verlängerung fünf Monate zuvor beschloss. „Es war eine meiner schwersten Entscheidungen, das dem Dieter am Montag zu vermitteln“, sagte Eberl. Auch deshalb, weil seine Beziehung zu Hecking weit über ein normales Arbeitsverhältnis hinausgeht. „Er ist ein toller Mensch und ein toller Trainer.“ Der dafür sorgte, dass bei Borussia Mönchengladbach wieder Ruhe und professionelles Arbeiten einzog.

Die Freundschaft reicht aber nicht, um mit ihm in eine weitere Saison zu gehen, und diese Entscheidung habe nichts mit der Aktualität (nach dem 20. Spieltag nur ein Sieg, zwei Unentschieden und vier Niederlagen, mit dem Höhepunkt eines 1:3 zuletzt in Düsseldorf) zu tun. „Das ist eine strategische Entscheidung, die ich für die Zukunft des Vereins gefällt habe.“ Am Montagabend fuhr Eberl zu Hecking, um ihn die schlechte Nachricht zu überbringen. Der gebütige Westfale war geschockt. „Das war eine Riesenenttäuschung, die auch heute noch anhält“, bekannte der Gladbacher Trainer. Ihm gingen „tausend Sachen durch den Kopf, natürlich auch hinzuschmeißen“. Doch am Abend meldete er sich bei seinem Sportdirektor und erklärte, dennoch bis zum Saisonende weitermachen zu wollen. „Ich will die Mannschaft nach Europa bringen!“

Ob das funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen mit schwierigen Spielen wie gegen Bremen, Leipzig, Hoffenheim und Dortmund zeigen. Hecking gibt sich selbstsicher. „Mein Verhältnis zur Mannschaft ist eng, da gibt es nichts hineinzuinterpretieren.“ Das Gefühl hat sich offensichtlich am Tag nach der blamablen Niederlage in Düsseldorf verstärkt – bei einem Zusammensein mit seinen Spielern und deren Familien. Harmonie pur, unterbrochen nur von einer „kurzen Ansprache – und die hat richtig gesessen“, sagt Hecking und fühlt sich in seiner Einschätzung von „Rückmeldungen“ bestätigt.

...zu Sportdirektor Max Eberl noch relativ gefasst. Foto: dpa/Federico Gambarini

Nun könnte sich der Beobachter fragen, warum der Verein nicht bis zum Saisonende gewartet hat, um dann die Trennung zu vollziehen und erst dann zu erklären. „Raus damit“, hatte Hecking aber Max Eberl am Montag aufgefordert. Und dieser „Befehl“ erklärt sich aus dem personalisierten Hintergrund der Entscheidung. Ob denn Marco Rose der Nachfolger werden könnte, wurde der Manager gefragt. „Es gibt jetzt nichts zu verkünden, es gibt keinen finalen Stand“, lautete die Antwort, die als indirekte Bestätigung zumindest für positive Gespräche interpretiert werden kann. Der Trainer von RB Salzburg ist heißbegehrt, hat dem VfL Wolfsburg bereits abgesagt. Und würde passen zu Eberls Gefühl, das er während der Länderspielpause final entwickelt haben will. „Wir wollen im Sommer etwas anderes machen.“ Also reduziert sich die neue Strategie auf einen neuen Trainer? Im Namen der Rose sozusagen? „Es könnte sein, dass es nicht nur der Trainer ist“, umriss Eberl die Neuausrichtung. Um sich fast im gleichen Moment über den eigenen Mund zu fahren: „Da hab ich wohl einen Fehler gemacht, das zu sagen.“ Gemeint hat er natürlich nicht seine eigenen Position, wohl aber Veränderungen auch im Trainerstab und der generellen Struktur

Bitteres Ende soll süß werden

Erste Hinweise, ob das Vorpreschen womöglich ebenfalls ein Fehler ist, könnten sich am Sonntag zeigen. Hecking ist bereits wieder im Trainer-Modus. „Nach dieser PK gibt es nur noch Bremen, unser nächster Gegner.“ Sieben Bundesligaspiele stehen noch an, in der Hecking mit seiner Mannschaft dafür sorgen will, dass „das bittere Ende ein süßes wird“.