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Borussia verliert 1:3: Eine Niederlage mit zwei Knackpunkten

Borussia verliert 1:3 : Eine Niederlage mit zwei Knackpunkten

Nimmt man Max Eberl beim Wort, gab es am Samstagnachmittag eine Versöhnungsfeier – im Borussia-Park, aber nicht für seine Mönchengladbacher. „Von ihren Voraussetzungen her, müssten die Leverkusener immer vor uns stehen“, hatte Gladbachs Sportdirektor zwei Tage vor dem Anstoß ausgeführt.

Da lag der Werks­club noch mit mit zwei Punkten weniger hinter dem Tabellendritten. Seit der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft ist die wirtschaftliche Hierarchie, die Eberl im Sinn hatte, wieder zurechtgerückt, Geld und Sport wieder in der Balance:

Bayer liegt vor Mönchengladbach und droht, wie in der vergangenen Saison, durch den vom Pharmakonzern alimentierten Club von den millionenschweren Pfründen der Champions League ferngehalten zu werden. „Sehr, sehr bitter“, klagte auch Marco Rose. Borussias Trainer wird allerdings weniger die wirtschaftliche Tabelle zu schaffen machen, sondern mehr die sportliche Rangordnung – die Niederlage war verdient. Und mehr noch: In der ersten Halbzeit war es aus Sicht der Gäste eine Demonstration fußballerischer Stärke, aus Sicht des Gastgebers die einer allumfassenden Unterlegenheit. Leverkusen besaß das bessere Positionsspiel, war dominant, technisch versierter, schneller physisch und psychisch, torgefährlicher, gewann fast alle sogenannten zweiten Bälle und zeigte sich zweikampfstärker. Viel mehr Kategorien existieren nicht im Fußball.

Nun ist dieses erstaunliche und aus Sicht der Gladbacher erschreckende Gefälle nicht in Stein gemeißelt. Eine Borussia in Normalform ist durchaus in der Lage mitzuhalten, und eine in Topform sogar, die Leverkusener, zurzeit die Mannschaft der Stunde in der Fußball-Bundesliga, zu bezwingen. Das ist dem Traditionsverein zuvor auch drei Mal hintereinander geglückt. Diesmal aber gelang Bayer bis zur Pause ein beinah perfektes Spiel. Und Trainer Peter Bosz weigerte sich, dieses auf den zweifachen Torschützen Kai Havertz zu reduzieren. „Er hat ein bisschen besser als gegen Bremen gespielt“, urteilte der Niederländer über seinen Alsdorfer Nationalspieler. „Aber wir haben als Bayer Leverkusen diese Leistung gezeigt.“

Aber auch der Leverkusener Trainer gab zu, dass Gladbach nach der Pause stärker wurde. Da war es sogar fürs Rose-Team möglich, das Spiel zu kippen und aus dem 0:1 noch ein 2:1 oder aus dem 1:2 zumindest noch ein 2:2 zu machen.

Die Umstellung zur Halbzeit von einer Vierer- auf eine Dreierkette hätte dazu die Basis sein können. Doch wie in fast allen Fußballspielen gibt es Situationen, in denen die Weichen in die eine oder andere Richtung gestellt werden. An diesem Nachmittag gab es derer gleich zwei: ein Knackpunkt früh in Halbzeit eins (7.), ein weiterer im ersten Drittel des zweiten Durchgangs (58.). Beide wenig überraschend zuungunsten der Gladbacher.

Breel Embolo erhielt kurz vor der Gästeführung einen vehementen aber ungewollen Tritt von Havertz in die untere Wade und musste behandelt werden. Die Unterzahl wurde durch den unkonzentrierten Schiedsrichter Sören Storks unnötig ausgedehnt. Dann war Embolo wieder da, aber die Ordnung in der Borussen-Abwehr noch nicht: Ein ungenaues Zuspiel von Rami Bensebaini auf Tobias Strobl nutzte Karim Bellarabi zu einem Steckpass auf Havertz. Der Mann, der mit seinen Foul Embolo aus dem Spiel genommen hatte – der Gladbacher Angreifer musste direkt nach dem 0:1 durch Lars Stindl ersetzt werden –, schnibbelte den Ball an Yann Sommer vorbei zur Führung ins Tor.

Bei Knackpunkt Nummer 2, der als Begriff nur angebracht ist durch die Unterteilung in zwei Hälften, spielte Storks keine Neben-, sondern eine Hauptrolle. Nachdem Borussia durch eine Volleyabnahme Marcus Thurams (zentimetergenaue Flanke von Alasane Pléa) ausgleichen konnte, stand der Torschütze kurz vor der Führung. Doch der zupfende und leicht haltende Aleksandar Dragovic verhinderte in Kooperation mit Bayer-Keeper Lukas Hradecky das 2:1 des davongeeilten Franzosen.

Mit Glück verwandelt

Nur eine Minute später verfehlte Bellarabi knapp das Gladbacher Tor, wurde aber von Nico Elvedi, Bruchteile von Sekunden nachdem der Ball Bellarabis Fuß verlassen hatte, von hinten abgegrätscht. Storks pfiff Strafstoß. Der kontrollierende Videoschiri in Köln kam zu keinem Entschluss, wohl aber Storks, der nach dem TV-Studium an der Seitenlinie erneut auf den Punkt zeigte. Havertz verwandelte mit Glück, Sommers Hand war am Ball, aber nicht stabil genug. „Er schießt ihn fast zu schlecht“, kommentierte der Schweizer Keeper.

„Rein regeltechnisch kann man den Elfmeter geben, aber man kann über ihn diskutieren“, sagte Marco Rose. „Ärgerlich ist für mich die Situation vorher, in der Thuram zumindest stark behindert, vielleicht sogar festgehalten wird. Aber scheinbar war das nicht genug, um sich auch diese Szene noch mal anzugucken.“

1:2 statt 2:1 – da kam der dritte Bayer-Treffer fast schnöde daher: Sven Bender „köpfte“ einen Freistoß mit der Schulter zum Endstand ein (81.). Ein Treffer ohne Diskussionsgehalt, aber einer, der Gladbachs Trainer viel Gesprächsstoff liefert über professionelles Abwehrverhalten bei Standards. Viel Zeit bleibt für die nötige Lektion nicht: Am Dienstag müssen seine Schüler bei Werder Bremen ran (20.30 Uhr).