Wegberg-Beeck: Dieter Hecking und die Suche nach dem Lichtblick

Wegberg-Beeck: Dieter Hecking und die Suche nach dem Lichtblick

Phantasiebegabte Trainer haben wenig Mühe, auch nach einer miserablen Vorstellung ihrer Mannschaft etwas Gutes zu finden und zu benennen. Etwas nüchterner geprägte Fußballlehrer tun sich damit schwerer. Dazu gehört sicherlich auch der bodennahe Dieter Hecking.

Am Samstagnachmittag behalf sich Borussia Mönchengladbachs Coach damit, einen winzigen Lichtblick inhaltlich so zu wählen, dass jedem klar werden musste, wie finster es in dem 53-Jährigen aussehen musste: „Positiv ist, dass wir gesehen haben, woran es noch fehlt.“

Eine 1:3-Niederlage gegen Espan-yol Barcelona im letzten (ernsthaften) Test vor dem Pflichtspielauftakt am kommenden Sonntag im Pokal in Bremen gegen BSC Hastedt bescherte den Borussen-Verantwortlichen mehr Fragezeichen, als sie zu diesem Zeitpunkt erwartet hatten. „Ich bewerte gute Spiele in der Vorbereitung wie in South-ampton nicht über und schlechte Spiele nicht zu negativ“, versuchte Hecking seine Balance (wieder) zu finden.

Denn die 90 Minuten vor 2315 Zuschauern im Waldstadion des Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck waren ein Rückfall in die Malaise in etlichen Spielen der vergangenen Saison: keine Durchschlagskraft, keine Tiefe, kein Tempo in den Offensivaktionen. Da hilft auch keine Systemumstellung auf ein 4-3-3, wenn seine Zöglinge es nicht mit Leben füllen. Und in dieser Formation Raffael als Sturmspitze einzusetzen, dürfte nur Sinn machen, wenn die Achter spielstark und konsequent Richtung gegnerischen Strafraum drücken.

Damit aber hatten gegen Espanyol Denis Zakaria und Michael Cuisance, beide noch nicht bei 100 Prozent, große Schwierigkeiten. Eine echte herausgespielte Chance der Borussia war im kompletten Spiel nicht zu sehen.

Patrick Herrmanns Chance resultierte aus einem Konter, den der wiedererstarkte Flügelmann mit einem zu zentralen Schuss abschloss, den Barcelonas Keeper Diego López über die Latte lenkte (58.). Und auch der 1:2-Anschlusstreffer durch den eingewechselten Josip Drmic entsprang keiner Kombination, sondern nur der Entschlossenheit des Schweizers nach einem Abwehrfehler Espanyols.

Beim 0:1 leistete Borussias Torhüter Yann Sommer einen wesentlichen Beitrag, als er eine Rückgabe von Herrmann stolpernd passieren ließ — Pablo Piatti hatte keine Mühe, den Ball zur Führung einzuschieben (45.). Zwei Tore nach Standards (62., Iglesias/81., Roca) besiegelten die Gladbacher Niederlage.

Die mangelnde Durchschlagskraft nur dem Fehlen von Alassane Pléa zuzuschreiben, wäre zu einfach. Der neue Mittelstürmer hatte am Freitag im Training bei der abschließenden Torschussübung ein Zwicken in den Adduktoren gespürt und wurde vorsichtshalber geschont. Ob das ausreicht, um auch mit Drmic, der am Sonntag beim 5:1 gegen Wegberg-Beeck im Rahmen der Saisoneröffnung erneut traf, in die Saison zu gehen, bleibt zweifelhaft. Die vergangene Spielzeit sollte schon schwerer ins Gewicht fallen als Tore in der Vorbereitung. Ein zweiter Herrmann wäre zu viel.

Borussia: Sommer — Beyer, Jantschke, Ginter, Poulsen — Kramer, Zakaria (65. Neuhaus), Cuisance (65. Hofmann) — Herrmann (65. Egbo), Raffael, Johnson (65. Drmic)

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