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Mönchengladbach: Die Leidenschaft beschert der Borussia noch einen Punkt

Mönchengladbach : Die Leidenschaft beschert der Borussia noch einen Punkt

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: sechs Treffer, 35 Torschüsse, eine dramatische Schlussphase sowie emotionale Szenen auf und neben dem Platz. Den 51 049 Zuschauern wurde beim Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und der TSG 1899 Hoffenheim am Samstagnachmittag einiges geboten, doch Dieter Hecking wollte nach dem 3:3 (1:1) nicht von einem Spektakel sprechen.

„Es war zwar ein tolles Fußballspiel, aber auch ein Fehlerspiel“, resümierte der Gladbacher Trainer, dessen Team nach dreimaligem Rückstand am Ende doch noch einen Punkt rettete.

Startelf kräftig durchgewirbelt

Vor allem die Leidenschaft, mit der seiner gebeutelten Mannschaft jeweils der Ausgleich gelang, beeindruckte den Coach: „Das sollte heute über allem stehen“, verdeutlichte Hecking, der seine Elf im Vergleich zum Leverkusen-Spiel notgedrungen ordentlich durchgewirbelt hatte. Für die Verletzten Denis Zakaria, Christoph Kramer, Jannik Vestergaard und Vincenzo Grifo standen Michaël Cuisance, Patrick Herrmann, Jonas Hofmann und der wiedergenesene Oscar Wendt in der Startformation.

Zudem agierten die Fohlen bei Ballbesitz mit einer Dreierkette im Abwehrverbund. Die Außenspieler Wendt und Herrmann rückten weit nach vorne zu Thorgan Hazard und Raúl Bobadilla. In der Rückwärtsbewegung bildeten die beiden mit Matthias Ginter, Nico Elvedi und Tony Jantschke eine Fünferkette. In der Zentrale kurbelten Cuisance, Hofmann und Kapitän Lars Stindl das Spiel an. „Wir haben Gladbach in dieser Grundordnung nicht erwartet und hatten daher Probleme, Zugriff auf das Spiel zu bekommen“, erklärte Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann hinterher.

Die Gastgeber dominierten zwar die Anfangsphase, doch das erste Tor erzielte Hoffenheim. Nach einer Ecke köpfte Benjamin Hübner unbedrängt aus rund sechs Metern zur Führung ein (13.). Umgehend skandierte die Nordkurve „Wir wollen euch kämpfen sehen“. Die Gladbacher-Profis schüttelten sich kurz und zwei Minuten später gelang Herrmann per Flugkopfball fast der Ausgleich (15.).

Doch es sollte bis zur 33. Minute dauern, ehe der für den verletzten Bobadilla (Muskelfaserriss im Oberschenkel) eingewechselte Josip Drmic zum 1:1 einnetzte. „Ich habe einfach nur gehofft, dass der Schiedsrichter gerecht entscheidet und den Treffer gibt“, sagte der Torschütze, dem nach einem Pressball mit dem Hoffenheimer Schlussmann Oliver Baumann der Ball unbeabsichtigt an den Oberarm gesprungen war. Der Unparteiische Martin Petersen gab nach Begutachtung der Bewegtbilder den Treffer und die Torhymne dröhnte doch noch aus den Lautsprechern.

Gegen Ende der ersten Halbzeit kochten die Emotionen hoch. Nach einem Foulspiel an Hazard sah Hübner die Gelbe Karte und geriet im Anschluss mit Hofmann aneinander. Auch am Spielfeldrand sorgte die Szene für erhitzte Gemüter auf beiden Seiten. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl fasste sich im Streitgespräch mit Nagelsmann provozierend an die Nase. Augenscheinlich warf er ihm Hochnäsigkeit vor. Wie über die TV-Mikrofone deutlich zu hören war, bezeichnete Eberl den Hoffenheimer Trainer zudem als „kleinen Pisser“. Später bedauerte er seine verbale Entgleisung. „Es tut mir leid, dass ich im Fußballstadion auch emotional bin. Ich habe einen Fehler gemacht und mich bei Julian dafür entschuldigt.“

Nach dem Wechsel geriet die Elf vom Niederrhein erneut ins Hintertreffen. Nach einem Foulspiel von Hofmann an Serge Gnabry entschied der Schiedsrichter zu Recht auf Strafstoß, den Andrej Kramari sicher verwandelte (58.). Knapp eine Viertelstunde später beendete dann auch Stindl seine Durststrecke. Einen durchgesteckten Pass von Hofmann verwertete der Kapitän sicher zum 2:2 (72.). „Gerade in dieser Phase haben wir enorm viel investiert, so wie eigentlich auch im gesamten Spiel. Natürlich war die Freude nach meinem Treffer riesengroß“, räumte Stindl ein, der tags zuvor von Joachim Löw für die anstehenden Länderspiele der DFB-Elf gegen Spanien und Brasilien nominiert worden war. Doch die kalte Dusche folgte prompt. Hofmann blieb in der eigenen Hälfte nach einem Dribbling am Schiedsrichter hängen und der Ball landete über Umwege bei Florian Grillitsch, der trocken zur dritten Gäste-Führung einschoss (73.).

Fast der Todesstoß

Fast hätte Nico Schulz seinem Ex-Klub den Todesstoß versetzt, doch die Latte verhinderte Schlimmeres. „Dann wäre das Spiel weg gewesen. So sind wir aber noch einmal zurückgekommen“, analysierte Hecking, der in der Schlussphase mit Raffael und Fabian Johnson das Angriffsspiel belebte. Der Brasilianer war es dann auch, der in der letzten Minute den Ball quer zu Matthias Ginter passte. Der Nationalverteidiger zeigte erneut Torjägerqualitäten und erzielte aus kurzer Distanz seinen fünften Saisontreffer. „So wie das Spiel gelaufen ist, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Wir hoffen jetzt, dass der ein oder andere verletzte Spieler nach der Länderspielpause zurückkehrt“, kommentierte der Last-Minute-Held der Fohlenelf.

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