Sieg auf Schalke: Die imposante Stabilität der Borussia Mönchengladbach

Sieg auf Schalke : Die imposante Stabilität der Borussia Mönchengladbach

Gladbachs 2:0-Sieg auf Schalke ist ein erneuter Beweis dafür, dass sich Beharrlichkeit auszahlt. Die Niederrheiner springen mit dem Ergebnis auf Platz zwei in der Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Eine satte Portion Verzweiflung lag in den Worten von Domenico Tedesco, als er auf die Schicksalhaftigkeit dieser Saison des FC Schalke 04 angesprochen wurde. Dass Zufälle im Fußball einen erheblich größeren Einfluss auf Erfolg und Misserfolg haben, als in den meisten anderen Sportarten, ist ja wissenschaftlich erwiesen, also sagte der Trainer der Gelsenkirchener nach dem 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach: „Es ist die Summe, die mir extrem weh tut für Schalke.“

Zwar wolle er keinesfalls den Erfolg der Gäste vom Niederrhein schmälern, aber natürlich sei der Freistoß, in dessen Folge Alexander Nübel Thorgan Hazard foulte und die Rote Karte sah, viel zu weit vorne ausgeführt worden. „Das ist kein Vorwurf an gar keinen, aber diese Saison läuft es extrem oft gegen uns“, sagte Tedesco, und wahrscheinlich liegt hier tatsächlich ein Grund für die königsblaue Krise. Am Samstagabend nahm allerdings noch eine weitere Zutat entscheidend Einfluss auf den Ausgang der Partie: die imposante Stabilität von Borussia Mönchengladbach.

Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking hatte in der Schalker Arena 90 Minuten lang mit viel Geduld und einer unerbittlichen Beharrlichkeit gespielt. „Wir haben unser Ding durchgezogen und immer weiter gearbeitet“, sagte Kapitän Lars Stindl. Die Gladbacher haben derart souverän verteidigt, dass Schalke auch zu elft keine einzige richtig gute Torchance herausspielen konnte, und „irgendwann kommt dann der Fehler beim Gegner“, sagte Abwehrchef Matthias Ginter.

Wobei beim 0:1 erneut diese geheimnisvollen Kräfte mitwirkten, die Tedesco derzeit so grausam findet. Nach 85 Minuten misslang dem eingewechselten Christoph Kramer eine Ballannahme genau so, dass ihm praktisch gar nichts anderes übrig blieb, als sofort volley zu schießen. Und der Ball wäre nicht einmal ins Tor gegangen, wenn er nicht noch den Arm des Kollegen Florian Neuhaus touchiert hätte; danach flog er unhaltbar in die Maschen.

Der Gegenpart zum Schalker Dauerpech war die kleine Glückssträhne eines Gegners, bei dem es derzeit einfach rund läuft. Schon in der Vorwoche profitierten die Gladbacher von einer zweifelhaften Schiedsrichterentscheidung. Die Borussia führt die Rückrundentabelle an, hat als einziger Bundesligist noch kein einziges Gegentor im Jahr 2019 zugelassen; sie gilt plötzlich als Titelkandidat. „Wir haben einfach ein sehr facettenreiches Spiel“, sagte Kramer in Anspielung auf die halbe Stunde in Überzahl.

Auch als die Schlussphase anbrach, verlor das Team nie die Geduld, nie die Balance; mit Ballstafetten über 30, 40 Stationen suchten sie nach Lücken im königsblauen Abwehrkonstrukt. Noch eindrucksvoller als vor Kramers Führungstor gelang das beim zweiten Treffer der Borussia durch Florian Neuhaus (90.). Beide Torschützen waren im Spielverlauf eingewechselt worden, die erhöhte Qualität auf der Ersatzbank ist einer der entscheidenden Fortschritte gegenüber der Vorsaison.

Kramer sagte: „Wir sehen uns nicht als Dortmund-Jäger und wissen, dass der BVB und die Bayern noch ein Stück weit über uns stehen.“ Was zumindest mit Blick auf die Tabelle nicht stimmt. Im Tableau haben die Gladbacher den FC Bayern aufgrund des besseren Torverhältnisses überholt; sie haben den Rückstand auf den BVB auf sieben Punkte verkürzt, und um noch aus den Champions-League-Rängen herauszufallen, müsste der Tabellenfünfte Eintracht Frankfurt nun schon zehn Punkte aufholen.

Kommentieren mochten sie diese wunderbare Ausgangslage aber lieber nicht, mit der Zurückhaltung beim Formulieren irgendwelcher Ziele sei die Borussia „so gut gefahren“, dass es keinen Grund gebe, das jetzt zu ändern, sagte Kramer. Denn „jeder Fußballer ist ein bisschen abergläubisch, und auch eine Gruppe ist abergläubisch“.

„Natürlich sind wir ambitioniert“

Die Champions League muss mittlerweile das Ziel sein. Alles andere wäre absurd aufgrund der tollen Ausgangslage, in der sich der Tabellenzweite nach dem makellosen Start ins neue Jahr befindet. Aber auch der Trainer stapelt tief. „Natürlich sind wir ambitioniert, aber es nutzt nichts, auf die anderen zu schauen“, sagte Hecking. „Ab jetzt liegt unser Fokus wieder auf dem nächsten Spiel gegen Hertha: Nur das ist der Weg, der uns Erfolg beschert.“

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