Gladbach-Geschäftsführer Schippers: „Der Fußball ist ganz klar der Dreh- und Angelpunkt bei uns“

Gladbach-Geschäftsführer Schippers: „Der Fußball ist ganz klar der Dreh- und Angelpunkt bei uns“

Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers hält Modernisierungen für unabdingbar. Überdrehen will er diese Schraube aber nicht.

In seinem Büro hängen zwei Fotos: Eines zeigt die Borussen-Gemeinschaft im Jahr 1999; auf dem Bökelberg haben sich die Fußballer noch zu den 20 Mitarbeitern gesellen können. Auf dem aktuellen Foto ist das unmöglich: Auf der Geschäftsstelle arbeiten heute 210 Personen. Stephan Schippers (51) hat diese Entwicklung mitgemacht, er hat sie geformt, er ist der Vater des finanziellen Aufschwungs von einem Umsatz von damals 16 Millionen Euro zu 180 Millionen Euro (2017). Der Umzug vom morbiden Charme des Bökelbergs hin zum modernen Stadion im Borussia-Park: Das gehört dem Verein, ebenso wie der aktuelle Neubau, der – das Gebäude besitzt durch das Restaurant „Büchsenwurf“ einen Anschluss ans Stadion – nicht nur architektonisch ein Anbau ist. Die Verbindung zum Fußball haben der Klub und sein Geschäftsführer nie verloren. Über die Bedeutung dieser Entwicklung sprach Bernd Schneiders mit dem gebürtigen Gladbacher.

Herr Schippers, wie oft stehen Sie am Fenster und sind vom Neubau einfach nur beeindruckt?

Stephan Schippers: Das Gebäude, wir nennen es „Borussia 8 Grad“, spricht für sich, der Eingangsbereich, der Übergang von alt zu neu – das alles ist den Architekten sehr gut gelungen. Alles in allem eine wunderbare Sache.

Aber Sie behalten im Gegensatz zu einem Teil Ihrer Angestellten Ihr Büro im „alten“ Bereich, oder?

Schippers: Durch die neuen Bedingungen mit diesem Gebäude haben wir die Möglichkeit, auf neue Anforderungen zu reagieren, zum Beispiel auf dem Gebiet der digitalen Entwicklung. Und wir haben eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die es sechs Jahre lang im Bürocontainer hinter der Nordkurve ausgehalten haben. Im Sommer zu warm, im Winter zu kalt: Die Kollegen beziehen jetzt die neuen Büros, und das ist auch richtig so. Wir haben uns bei der Planung des Neubaus ganz bewusst für eine anspruchsvolle Architektur entschieden, das tut dem gesamten Borussia-Park und dem Stadion gut. Wenn Sie mich fragen, ist das das i-Tüpfelchen.

Wie stolz sind Sie?

Schippers: Ohne den Borussia-Park wären wir heute wahrscheinlich analog zu anderen Vereinen mit schlechter Infrastruktur und unzureichenden Trainingsbedingungen in der Dritten, Vierten Liga. Dieses neue Gebäude ist nun so etwas wie der Abschluss der Stadion-Bautätigkeiten. Wir haben nun die Erschließung und Wegeführung endgültig abgeschlossen. Auf unserem Grundstück sind die Fohlen-Welt, der Fanshop, das Hotel, der Medical Park und unsere Mannschaftsärzte untergebracht. Die Wege sind kürzer. Schauen Sie raus, was hier los ist: Das sind alles Fans, die Borussia erfahren wollen. Wenn sie ins Hotel gehen, das Training besuchen, demnächst die Fohlen-Welt erleben, Mittagessen möchten – sie können überall Borussia Mönchengladbach erleben. Durch das Hotel werden wir die Zahl der Veranstaltungen, die außerhalb der Fußballspiele stattfinden, von derzeit 450 pro Jahr auf mehr als 700 anheben.

Verdienen Sie jetzt durch diese flexible Nutzung innerhalb der Woche mehr als an Spieltagen?

Schippers: Nein. Das Hochamt ist immer noch der Bundesligaspieltag. Durchs Sponsoring verdienen wir 36 Millionen Euro im Jahr. Das werden wir nicht durch Veranstaltungen erreichen.

Fühlen Sie sich noch immer als Geschäftsführer eines Fußballvereins?

Schippers: Ja! Der Fußball ist ganz klar der Dreh- und Angelpunkt bei uns. Natürlich kann man stolz sein auf das Erreichte. Aber es geht weiter, jetzt müssen wir das alles mit Leben füllen. Dann erst macht es richtig Spaß.

Architektonisch aber ist das Projekt abgeschlossen?

Schippers: Das Profihaus (ein Gebäude, in dem alle Einrichtungen für die Profis gebündelt sein sollen, Anm. d. Red) muss noch gebaut werden. Aber schlussendlich war dies jetzt der wichtigste Schritt nach dem Stadionbau.

Spiegelt sich das auch in den Hotelräumen Borussias wider?

Schippers: Ja. Wir sind und bleiben Borussia, und das kann man auch spüren, ob im Hotel, im Fanshop oder in der Fohlen-Welt.

Familiäre Atmosphäre und Anpassung an moderne Bedingungen – muss das also kein Widerspruch sein?

Schippers: Nein, wir müssen uns als Verein entwickeln, du musst versuchen, dem Zeitgeist ein Stück weit zu genügen. Im Fußball gibt es den Puristen, den Old-School-Typen, aber auch den jungen Menschen, der weitgehend nur über sein Smartphone kommuniziert. Der braucht andere Angebote. Du musst als Fußballklub, der Ambitionen hat, in der Ersten Bundesliga zu sein – obere Tabellenhälfte mit Anknüpfung an die internationalen Plätze – sehen, dass du dich bewegst. Aber du darfst deine Identität nicht verlieren. Du darfst nicht spinnert werden, und das werden wir bei Borussia Mönchengladbach nicht. Weil Sie eben von Stolz geredet haben: Das muss ein Ansporn sein, um noch mehr zu machen. Gladbach ist ein einfacher und sympathischer Klub. Und das soll er auch bleiben. Dass die Organisation im Hintergrund unternehmerisch straff geführt sein muss, ist selbstverständlich: Jeder Fan, der seine Eintrittskarte kauft, will sicher sein, dass wir nicht hasardieren mit seinem Geld.

Was sagen Sie einem Puristen aus der Nordkurve, der eine fußballerische Begründung all Ihrer Aktivitäten haben möchte?

Schippers: Alles ordnet sich dem Fußball unter. Das ist unsere DNA. Nicht immer nur namhafte Spieler kaufen, sondern immer wieder den Mut zu haben, einen jungen Spieler zu scouten, an den Klub zu binden, einzusetzen. Den Mut haben, auch mal einen Schritt zurückzugehen, wenn es nötig ist. Aus innerster Überzeugung: Es wird nicht immer linear nach oben gehen. Sonst hätten wir 18 Deutsche Meister. Wir haben kein Abo, um international spielen zu können. Wir sind keine Bundeshauptstadt, wir sind keine Landeshauptstadt, wir haben keinen Mäzen, keinen Scheich. Wir müssen mit dem Geld, das wir verdienen, wirtschaften und zurechtkommen. Das haben wir uns 1999 auf die Fahne geschrieben. Dem hat sich jeder untergeordnet.

Wie weit darf Borussia mit der Modernisierung gehen?

Schippers: Aus dem Fußballspiel machen wir neben der Partie kein Spektakel. Bei uns werden bei einem Torjubel keine Lichteffekte eingespielt, und es wird auch kein Popkonzert in der Halbzeitpause geben. Das hat für uns nichts mit Fußball zu tun. Und wenn wir unsere Elf vom Niederrhein singen, brauchen wir auf der Videowand keinen Text mitlaufen zu lassen – den Text kennt jeder.

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