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Dortmund/Mönchengladbach: Der Einbruch der Mönchengladbacher gibt Rätsel auf

Dortmund/Mönchengladbach : Der Einbruch der Mönchengladbacher gibt Rätsel auf

Peter Bosz benötigte nicht viel Zeit, bis er wusste, dass dies ein guter Tag für seine Mannschaft werden würde, jedenfalls behauptete er das nach dem bunten Fußballfeuerwerk, das das Publikum zuvor bestaunen durfte.

„Nach fünf Minuten“, als er sah, „wie die hinten drin stehen“ und wie seine Mannschaft „den Ball laufen ließ“, sei ihm klar geworden, dass der BVB gewinnen würde, erklärte der Dortmunder Trainer. Und Lars Stindl bezeichnete das 1:6 seiner Gladbacher beim BVB im Nachgang als „deftige und in dieser Höhe verdiente Niederlage“.

Derart chancenlos ist Borussia Mönchengladbach schon lange nicht mehr gewesen, und einer der wenigen Aspekte, den man dem Gast vom Niederrhein zu Gute halten kann, ist, dass sie die Niederlage im Nachgang mit Worten ungeschönter Selbstkritik kommentierten.

„Wir haben wenig bis nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagte Matthias Ginter, für den das Gastspiel bei seinem ehemaligen Klub zu einem besonders finsteren Erlebnis geworden war. „Wir wollten hinten sicher stehen, das haben wir nicht geschafft, sagte der Innenverteidiger. „Wir wollten selber Ballbesitzphasen haben, das haben wir nicht geschafft, und die Konter, die wir zweifelsohne hatten, haben wir auch nicht genutzt.“

Vor allem aber haben verschiedene Spieler — auch Ginter — immer wieder schlimme individuelle Fehler produziert. Vor dem wegweisenden 2:0 hatte er einen Fehlpass in den Fuß des großartig aufspielenden Mahmoud Dahoud gespielt.

Schlimmer als Ginters Befund war nur das Ergebnis, das die Gladbacher in einen derart lähmenden Schockzustand versetzte, dass sie in den Stunden nach dem Spiel zwar Symptome des totalen Untergangs beschrieben, tiefere Ursachen konnte aber erstmal niemand nennen.

War es einfach nur eine schwache Tagesform? Hätten sie einfach jeden Ball hinten raus bolzen sollen, statt auch mal zu kombinieren? Mangelt es an Selbstvertrauen? Oder ist die Qualität der Spieler nicht ausreichend? „Ich werde jetzt nicht in die Analyse gehen“, sagte Trainer Dieter Hecking, die detaillierte Aufarbeitung steht erst in den kommenden Tagen an, klar sei nur: „Die Art und Weise, wie wir unsere Gegentore bekommen haben, geht nicht.“

Besonders der Versuch, auch mal eigene Ballbesitzphasen zu haben, ist erstaunlich kläglich gescheitert für ein derart ambitioniertes Team. Immer wieder sind folgenschwere Fehler im Spielaufbau passiert, selbstmörderische Ballverluste im Umschaltmoment, die von der entfesselten Dortmunder Offensive voller Leidenschaft bestraft wurden. Im Rahmen der Aufarbeitung werden aber wohl auch jene Momente zur Sprache kommen, in denen die Chance bestand, diese Partie trotz erdrückender Unterlegenheit in eine ganz andere Richtung zu lenken.

Denn bei aller Selbstkritik, Hecking hatte recht, als er sagte: „Wir hätten heute auch fünf Tore schießen können.“ Sogar der Führungstreffer war möglich, als Thorgan Hazard nach einem Konter frei vor dem BVB-Tor aufgetaucht war, und Lars Stindl hatte vor der Pause eine weitere Großchance. „Wenn wir die genutzt hätten, wäre es wahrscheinlich ein anderes Spiel geworden“, sagte Denis Zakaria.

Am Ende wurden aber selbst diese vier, fünf vergebenen Möglichkeiten der Gäste zu einem Gewinn für Borussia Dortmund, wo man sich nicht nur über sechs Tore und drei Punkte freute, sondern auch über frischen Anschauungsunterricht zur Frage, welche Art von Gegenangriffen am kommenden Dienstag unbedingt verhindert werden sollten. Dann ist Real Madrid in der Champions League zu Gast, mit Stürmern, die aus den Gladbacher Chancen wohl tatsächlich drei, vier Tore gemacht hätten.