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Borussia Mönchengladbach: Comeback der späten Nachlässigkeiten

Borussia Mönchengladbach : Comeback der späten Nachlässigkeiten

Beim 1:1 gegen Augsburg gibt die Rose-Elf erneut eine Führung aus der Hand – dieses Mal sigar in Überzahl. Woran liegt das?

Doch beim 1:1 der Borussia am Samstagnachmittag gegen den FCA gab es ein weiteres Comeback, ein unerwartetes und vor allem unangenehmes, das einen Sieg verhinderte. Wie schon gegen Union Berlin. Wolfsburg, Real Madrid und Inter Mailand verspielten die Gladbacher in den letzten Minuten einen Vorsprung. Zurück ist also ein Problem, von dem man sich spätestens Ende Oktober mit dem 1:0 zu Hause gegen RB Leipzig verabschiedet zu haben glaubte - und das mit neuer Wucht: Gegen Augsburg kassierte die Rose-Elf das 1:1 in Überzahl.

Am Mittwoch gegen Donezk

Augsburgs Verteidiger Raphael Framberger sah nur zwölf Minuten nach seiner Einwechslung Gelb-Rot (66.). Was dann folgte, war neben der Unfähigkeit der Gladbacher, ihre Führung auszubauen, die erneute Unfähigkeit, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Ihre dritte Tormöglichkeit im gesamten Spiel nutzten die Gäste, nachdem Alfred Finnbogason nach 17 Sekunden an Torhüter Yann Sommer gescheitert war, Rani Khedira bereits in Augsburger Unterzahl einen Warnschuss abgesetzt hatte, den Sommer erneut mit dem Fuß parieren konnte (73.), bevor Daniel Caligiuri, nachdem sich Stephan Lainer und Matthias Ginter bei der Klärung behindert hatten, mit einem Volleyschuss via des schwedischen Rückens von Oscar Wendt spät zum Endstand einschoss (88.).

Lange Zeit hatte Rose vehement verneint, dass hinter dieser Punktefreigiebigkeit seiner Spieler ein grundsätzliches Problem steckte. Es sei „kein Thema“, und die Spiele schienen dem 44-Jährigen mit dem Erfolg über RB recht zu geben. Eine Stunde nach dem Schlusspfiff im Borussia-Park korrigierte der Fußballlehrer seine Einschätzung. „Vor ein paar Wochen habe ich gesagt, dass es kein Muster gibt. Heute aber war eins zu erkennen.“

Damit zielte er nicht auf Mittelstürmer Breel Embolo ab, der zwar wie gewohnt ackerte und rackerte, allerdings etliche Großchancen vergab. Und auch nicht auf Patrick Herrmann, der mit seinen 29 Jahren offensichtlich nicht mehr lernt, auf ein tolles Zuspiel (Stindl) mit einer flachen Abnahme statt eines irrlichternden Gewaltschusses zu reagieren. „In bestimmten Situationen waren wir zu passiv, vor allem am Flügel. Wir lassen zu viele Flanken zu. Und selbst wenn man dann mal eine Flanke zulässt, heißt es noch lange nicht, dass daraus ein Tor entstehen muss“, analysierte Rose detailgenau. „Dann verteidigst du es in der Box sauber, um die Box herum,  und nimmst die gegnerischen Laufwege auf. Auch als 10er oder Flügelstürmer musst du dann noch mal dahinten rein und klärst die Dinge einfach klarer.“

So weit der Audiobeitrag für die DFB-Trainerakademie in Köln. Umgesetzt werden muss die Lektion in Mönchengladbach, und das möglichst schnell: Am Mittwoch erwartet Borussia zu Hause Schachtor Donezk zum Champions-League-Rückspiel. Es gab an diesem Abend weitere Analyse-Beiträge, ein interessanter kam von Christoph Kramer: „In Überzahl waren wir plötzlich erschrocken, dass wir so viel Zeit hatten.“ Dadurch seien sie „schlampig“ und „schläfrig“ geworden.

Kramer entdeckt etwas Positives

Doch auch weit vor der Dezimierung der Augsburger krankte das Gladbacher Spiel an Substantiellem. Der letzte Pass im Dunstkreis des gegnerischen Strafraums kam häufig zu ungenau. Ein Problem mit Schieflage: Viele Angriffe liefen rechts über Dauersprinter Lainer. Doch der Österreicher steigerte sich zwar gegenüber der Leistung in Leverkusen, wirkte aber weiterhin überspielt und beim letzten Pass mitunter zu unkonzentriert.

Auf Links wickelte Oscar Wendt, der den positiv auf das Coronavirus getesteten Ramy Bensebaini kurzfristig ersetzen musste, seine Arbeit routiniert, aber ohne die Wucht des algerischen Nationalverteidigers ab. Mit diesem doppelten Manko muss die Gladbacher Mannschaft mindestens noch zwei Wochen leben. Immerhin entdeckte aber Kramer auch Positives, nicht nur im 1:0 von Florian Neuhaus (5.): „Wir haben viele Passagen gehabt, die Spaß gemacht haben.“

Und dann war da ja auch noch das schöne Comeback, eben das von Denis Zakaria.