Aachen: Christoph Kramer ist ein Willensspieler mit ungewöhnlichen Vorlieben

Aachen: Christoph Kramer ist ein Willensspieler mit ungewöhnlichen Vorlieben

Er ist etwas Besonderes unter den Fußball-Profis in der Ersten Liga. Christoph Kramer ist nicht nur fit auf der Playstation bei Fifa 14. Der 23-Jährige ist auch — fast archaisch anmutend — ein Handwerker: Fleißig verschriftet der gebürtige Solinger seine Spieleindrücke in ein kleines schwarzes Büchlein.

Sein Debüt gegen Polen ist ein neues Kapitel. Womöglich aber wird Kramer ähnliche Seitenhiebe niemals verarbeiten müssen. Der Mittelfeldspieler, der immer noch Bayer Leverkusen gehört, ist extrem geerdet. Dazu passt, dass in seiner persönlichen Sympathie-Tabelle mit Torsten Matuschka (Union Berlin) ein Zweitligaspieler steht — „mein Lieblingsspieler, nicht mein Vorbild“, wie er betont.

Dabei kann der Jungnationalspieler, der in fast jedem Spiel mit durchschnittlich 13 Kilometern die längste Strecke aller Teilnehmer absolviert, auch vom Zweitliga-Profi lernen: sich Wege zu verkneifen, die unnötig und selbst bei seiner Pferdelunge die Konzentration in bestimmten Situationen mindern können. Um öfter in die Position zu kommen wie in Wolfsburg, als er eine wunderschöne Kombination zu Gladbachs 1:1 abschloss. „Khedira ist noch nicht richtig fit, Schweinsteiger sehe ich eh nicht als Sechser: Auf der Position haben wir in Deutschland nicht viele, die spielerisch, läuferisch und im Zweikampf stark sind“, lobt Kramer einer, der ähnliche Attribute verkörperte: Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof.

„Ich soll einen ähnlichen Aufwand betrieben haben? Nun, das sagt man mir nach. Ich weiß es nicht mehr, das ist 40 Jahre her“, grinst der ehemalige Nationalspieler. „Aber ich habe das nie als Aufwand empfunden. Es ist eine Frage des Willens.“ Und der kann Bökelberge versetzen. Auch für Christoph Kramer.

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