Bundesliga: Borussia Mönchengladbach will in Mainz wieder siegen

Gladbach vor dem Mainz-Spiel : Ansprache, Aufarbeitung und Anspruch

Am Dienstag, dem Tag, an dem sich in Mönchengladbach traditionell der Veilchendienstagszug seinen Weg durch die Innenstadt bahnte, trafen sich die Bundesligaspieler der Stadt zur Gegenveranstaltung am Borussia-Park: Das Treffen nach dem 1:5-Debakel gegen Bayern München fand unmaskiert statt.

Zu sehen waren eisige Mienen, womöglich nicht nur in der Erinnerung und aus schlechtem Gewissen, drei Tage zuvor eine indiskutable Leistung gezeigt zu haben. Die ausgedehnte Ansprache von Trainer Dieter Hecking wird auch nicht gerade zum Erhellen der Büßermienen beigetragen haben. Die verbale Geißelung durch den drögen Westfalen war nötig, die des wesentlich temperamentvolleren Sportdirektors, eines gebürtigen Bayern, weniger, wie Max Eberl wenige Tage drauf betonte: „Eine Krawallrede vor der Mannschaft war nicht angesagt.“

Natürlich ging es bei Heckings Anklage zum Start in die Vorbereitungswoche auf das Spiel am Samstag in Mainz (18.30 Uhr) um die Fehler gegen Lewandowski & Co., in der Trainingswoche auf dem Platz um die praktische Aufarbeitung der Malaise. Doch auf beiden Ebenen wird niemand persönlich in den Senkel gestellt worden sein. „Wir müssen wieder gemeinsam verteidigen“, widerstand Gladbachs Trainer der Versuchung, Einzelne für die dritte Pleite im vierten Spiel hintereinander verantwortlich zu machen.

Dabei drängten sich einige geradezu dazu auf: Nico Elvedi etwa, der auf seine schlechte Vorstellung gegen Wolfsburg noch einen draufsetzte und die Beobachter zum Grübeln brachte: Ist das wirklich der junge Spieler, der durch außergewöhnlich gute Leistungen als Innenverteidiger auf sich aufmerksam gemacht hat? Oder Michael Lang, der sich in den ersten Saisonspielen als routinierter und abgeklärter Rechtsverteidiger erwies, der es dank klugem Stellungsspiel auch mit sehr schnellen Kontrahenten aufnehmen konnte. Oder Christoph Kramer, gegen Wolfsburg und in Frankfurt überzeugend. Gegen die Bayern aber konnte er nicht die defensiven Anforderungen für die Sechserposition erfüllen, sondern ließ es zu, dass die Kovac-Zöglinge immer wieder zentral durchbrachen. Oder Alassane Pléa, der . . . , oder Florian Neuhaus, Jonas Hofmann und, und, und . . .

Gladbach hat einen breiten Kader, aber so breit, alle abstrafend auf die Bank setzen zu können, dann auch wieder nicht. Und in dieser Spielzeit haben sich Elvedi & Co. auch Kredit erspielt, ebenso wie ihr Trainer, der häufig mit seinen Personalentscheidungen siegfördernd eingegriffen hat, am letzten Samstag aber tief in die Kloschüssel griff. Und um die Kritik nicht übermäßig kategorisch werden zu lassen, erinnert er kollektiv: „Vergesst nicht das Spiel in Frankfurt!“ Nachkarter könnten hämisch anmerken, das habe wohl am ehesten Hecking selbst getan, als er die Elf, die einen Punkt am Main erkämpfte, durch drei Veränderungen auseinanderbrach.

Heckings Lernanforderung an seine Profis ist komplex, denn auch vorne fordert er „Durchschlagskraft und Effizienz zurück“. Ein Remis in Mainz zu ermauern ist nach wie vor nicht der Anspruch des 54-Jährigen und seines Klubs, sondern „zu siegen“, wie Hecking betonte. Ob Raffael, Borussias Edeltechniker, dabei bereits helfen kann, bleibt angesichts von fehlender Spielpraxis abzuwarten. Der Brasilianer ist für seinen Trainer auf jeden Fall aber ein „Unterschiedsspieler“. Doch davon benötigt Gladbach am Samstag mindestens elf. Und ein potenzieller, für die Abwehr eminent wichtiger, wackelt: Innenverteidiger Matthias Ginter hat Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur. Und muss womöglich bei der Umsetzung der schmucklosen Erkenntnis und Forderung des Fußballlehrers passen: „Wir müssen was dafür tun.“ Also, um die Banalität noch zu toppen, erfolgreich verteidigen und Tore schießen. Zurück zur Balance also, das hört sich doch schon etwas wortgewaltiger an. Oder um es mit Hecking erneut mit Vokabeln zu sagen, die nicht mehr im Wörterbuch eines Laptop-Trainers auftauchen: „Nachlässigkeiten einstellen und achtsam sein!“

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Johnson, Elvedi, Strobl, Wendt - Hofmann, Kramer, Zakaria - Hermann, Stindl, Hazard

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