Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel beim 1. FC Köln

Vor dem Spiel beim FC : Respekt, Vorfreude – und keine Ausreden

Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose erwartet mit dem 1. FC Köln einen physisch starken Gegner. Die Länderspielpause nimmt der 43-Jährige vor seinem ersten Derby gelassen hin.

Zeit und Geduld – diese beiden Begriffe fallen oft, wenn ein Verein einen neuen Trainer angestellt hat. Eine Mannschaft brauche Zeit, um die Spielphilosophie eines Fußball-Lehrers zu erlernen und umzusetzen, heißt es dann. Es wird um Geduld gebeten, falls es zu Saisonbeginn noch nicht die gewünschten Resultate gibt.

Louis van Gaal war 2009 bei den Bayern so ein Beispiel. Bis in den Winter hinein hatte es gedauert, bis der Rekordmeister richtig in Schwung kam und der Coach die richtigen Spieler und die passende Aufstellung für seine spezielle Idee des Positionsspiels und Ballbesitzfußballs gefunden hatte.

Borussia Mönchengladbachs neuer Trainer Marco Rose ist eigentlich prädestiniert dafür, als ein weiteres Beispiel zu dienen. Steht er doch vor der schwierigen Aufgabe, eine bisher auf Ballbesitzfußball ausgerichtete Mannschaft in ein Team zu verwandeln, das primär über die Physis und das Umschaltspiel zum Erfolg kommen soll.

Doch wer dem Leipziger bei der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstag beim 1. FC Köln (15.30 Uhr) genau zugehört hat, wird festgestellt haben, dass sich Rose – auch in diesem Punkt – von van Gaal deutlich unterscheidet. Um Geduld bat der 43-Jährige nicht. Die Frage, ob die Länderspielpause besonders für ihn und seine Mannschaft eine Problem sei, da sie sich noch in einem Anpassungsprozess befänden, verneinte Rose und nutzte diese Steilvorlage für eine Vorab-Ausrede nicht. Diese Unterbrechungen im Kalender seien schließlich lange vorher bekannt. „Wir wissen ja, was auf uns zukommt. Ich sehe das positiv“, sagte Gladbachs Trainer, dem – inklusive der Abstellungen zur U 21 – eine komplette Elf nicht zur Verfügung stand.

Auf einem guten Weg

Roses positive Grundhaltung kommt nicht von ungefähr. Denn ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass sich die Gladbacher schon auf einem guten Weg befinden, die Vorstellungen des Fußball-Lehrers umzusetzen. Nach dem dritten Spieltag lag die Borussia in der Kategorie „Gewonnene Zweikämpfe“ ligaweit auf dem zweiten Rang. Die Statistiker verzeichneten zudem bislang 1921 intensive Läufe – Platz fünf. Vier Punkte nach drei Spielen sind zwar ausbaufähig. Doch besonders bei der 1:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig deuteten die Gladbacher bereits an, was mit diesem Kader und Trainer möglich sein kann.

Und so geht Rose optimistisch in das Duell mit dem FC. Er erwarte ein „intensives Spiel“, in dem die Kölner „über die Physis“ kommen werden und seine Mannschaft der „außergewöhnlichen Atmosphäre gewachsen sein“ muss. Aus den Worten des Gladbacher Trainers konnte man eine Menge Respekt für den Gegner heraus hören. Und eine gewisse Vorfreude, auf eine Mannschaft zu treffen, die sich ebenfalls einer körperbetonten und athletischen Spielweise verschrieben hat. Und, anders als Leipzig, im Sturm mit Anthony Modeste, Jhon Córdoba und Simon Terodde nicht über Sprintertypen à la Timo Werner verfügt, der gnadenlos effektiv die Schwachstellen im Gladbacher Defensivverbund aufdeckte.

Borussias Abwehr wird in Köln also auch deshalb im Fokus stehen. Ob Nationalspieler Matthias Ginter nach seiner Rippenverletzung auflaufen kann, war noch nicht klar. Doch auch hier versprühte Rose Optimismus: „Wir sind guter Dinge, dass das am Samstag funktionieren kann.“ Auch Tobias Strobl gehe es nach seiner Knieverletzung „richtig gut“, Christoph Kramer sei auch wieder ein Kandidat für die Startelf und Ramy Bensebaini habe durch das Länderspiel für Algerien Spielpraxis gesammelt und den Rückstand in der Vorbereitung aufgeholt: „Er ist nun auch eine Option.“

Von Schonungen im Hinblick auf die erste Englische Woche der Saison und den Start in die Europa League wollte Gladbachs Trainer vor seinem ersten Derby nichts wissen. Ein Hauch von Dieter Hecking wehte durch den Borussia-Park, als sein Nachfolger betonte, dass er nur auf das nächste „sehr wichtige“ Spiel fokussiert sei. Denn Rose weiß auch: Eine Niederlage im Derby könnte dazu führen, dass die Begriffe Geduld und Zeit vor der nächsten Pressekonferenz doch vielleicht wieder verwendet werden müssen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt - Zakaria, Neuhaus - Embolo - Johnson, Pléa, Thuram