Borussia Mönchengladbach hofft nach 0:3 gegen Berlin auf Lerneffekt

Nach dem 0:3 gegen Berlin: Gladbachs Hoffnung auf den Lerneffekt

Für Borussia Mönchengladbach war das 0:3 gegen Hertha BSC die erste Niederlage in der Rückrunde. Trainer Dieter Hecking hatte dafür eine besondere Erklärung.

Dieter Hecking hat sich in seiner langen Trainerkarriere nie als großer Anhänger des FC Bayern München geoutet. Und trotzdem ist nicht auszuschließen, dass der Trainer von Borussia Mönchengladbach am Samstagabend etwas entspannter wurde, als er vom 3:1-Sieg des Fußball-Rekordmeisters gegen Schalke 04 erfuhr. Die Münchner sprangen dadurch an den Gladbachern vorbei auf Platz zwei in der Tabelle und wurden wieder zum ersten Verfolger von Borussia Dortmund. Denn knapp drei Stunden zuvor hatte der Fußballlehrer einen bemerkenswerten Erklärungsansatz für die deutliche 0:3-Niederlage seiner Mannschaft im Heimspiel gegen Hertha BSC geliefert: „Wenn du plötzlich ranrobbst, und dich jeder zum Dortmund-Jäger macht, spielt das für eine Mannschaft mit einigen jungen Spielern in so einer Partie definitiv eine Rolle.“

„Wir schauen auf uns“

Heckings Ausführungen waren auch deshalb bemerkenswert, weil sie zu konterkarieren schienen, was sein Torhüter Yann Sommer kurz nach Spielschluss sagte. Der Schweizer ließ die Frage, ob die Niederlage im Hinblick auf das 3:3 des BVB gegen die TSG Hoffenheim besonders schmerzen würde, kaum zu Ende stellen. Sommer erwiderte umgehend: „Nein, wir schauen nicht auf die anderen Mannschaften. Wir schauen auf uns.“ Verdrängte Sommer mit dieser Aussage eventuell die wahren Befindlichkeiten der Gladbacher? Wahrscheinlich schloss der 30-Jährige fälschlicherweise, dass die jungen Spieler wie Nico Elvedi (22) oder Florian Neuhaus (21) dieselbe Kaltschnäuzigkeit und Erfahrungswerte wie er haben.

Einig waren sich Hecking und Sommer zumindest bei der Beurteilung des Spiels gegen starke und variabel auftretende Berliner und wurden dabei von Kapitän Lars Stindl bestätigt: Unisono lobte das Trio die Anfangsphase der Partie, in der sich Her­tha häufig mit elf Spielern in die eigene Hälfte zurückfallen ließ und die Gladbacher ihrem Gegner durch cleveres Verteidigen keine Möglichkeiten für Konter gaben. Stindl nannte dabei aber auch ein Problem seiner Mannschaft: „Es war so ein bisschen wie in den vergangenen Wochen auch: Wir fangen gut an. Bis zum 0:1 hatten wir zwei, drei richtig gute Chancen. Und dann müssen wir mal ein bisschen früher in Führung gehen.“ Der 30-Jährige spielte damit vor allem auf die Doppelchance in der 20. Minute an, die Jonas Hofmann nach toller Kombination mit Thorgan Hazard einleitete, von Michael Lang und dem Belgier aber in einer Art Slapstick-Nummer nicht verwertet werden konnte.

Was dann folgte, war untypisch für die Gladbacher 2019 und erinnerte ein wenig an die 2:4-Niederlage aus dem Hinspiel: Wichtige Zweikämpfe im Mittelfeld gingen verloren, wie vor dem 0:1, bei dem der bis dato souverän auftretende Tobias Strobl ein Kopfball-Duell nahe der Mittellinie verlor. Die in diesem Jahr noch nicht überwundene Abwehr musste dann viel zu häufig Mann gegen Mann spielen; die Innenverteidiger Elvedi und Matthias Ginter ließen sowohl vor dem 0:1 durch Salomon Kalou (30. Minute) als auch vor dem 0:2 von Ondrej Duda (56.) jegliche Körperlichkeit und Schnelligkeit vermissen – sowohl im Kopf als auch in den Beinen.

Die von Hecking so hervorgehobene Stabilität der vergangenen Wochen war speziell in Halbzeit zwei nicht zu erkennen. Viele unnötige Ballverluste prägten das Spiel; mit dem dritten und letzten Treffer der Berliner per Kopf durch den starken Davie Selke (76.) nach einem Frei­stoß waren die Gladbacher letztlich noch gut davongekommen. „Wir haben zu wild gespielt“, beklagte Stindl. Eigene Chancen waren nach dem Rückstand Mangelware, was auch an dem wieder einmal indisponierten Alassane Pléa und den schwachen Flanken der Außenverteidiger Lang und Oscar Wendt lag. Passend zum gebrauchten Spiel der Gladbacher kam die frühe Auswechslung von Hofmann in der 34. Minute, der sich eine schwere Prellung im Sprunggelenk mit Knochenhautreizung zuzog und erst mal ausfallen wird.

Konzentration auf das Wesentliche

Vieles lief an diesem Tag, an dem die Gladbacher den 13. Ligaheimsieg in Folge und einen Eintrag in die Vereinsgeschichtsbücher verpassten, anders als zuvor. Doch im Hinblick auf das kommende Wochenende zeigten sich Trainer und Spieler unverändert und sprachen auch hier wieder mit einer Stimme, die bei den Erklärungsansätzen für das Spiel noch gefehlt hatte: Hecking hoffte auf einen „Lerneffekt“ durch die Niederlage sowie deren Begleitumstände und forderte, sich weiterhin „Woche für Woche mit der eigenen Leistung zu beschäftigen“. Sein Keeper Sommer pflichtete ihm bei und betonte, dass sich die Gladbacher „wegen einer Niederlage nicht vom Weg abbringen lassen“ werden. Konzentration auf das Wesentliche also: den nächsten Gegner Eintracht Frankfurt, der als Fünfter auf dem ersten Nicht-Champions-League-Platz neun Punkte Rückstand auf die Borussia hat. Der Spielplan meint es auch gut für die Hecking-Mannschaft: Die Bayern spielen bereits am Freitag, der BVB erst am kommenden Montag; die volle teaminterne und mediale Konzentration kann also auf das Duell mit den Hessen gerichtet werden.

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