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Kommentar zu Eberls Abschied: Ausgebrannt

Kommentar zu Eberls Abschied : Ausgebrannt

Max Eberl war als Sportdirektor aus der Zeit gefallen. Er lebte und arbeitete wie eine Kerze. Sorgte für Licht, Wärme und Stimmung. Nun ist er ausgebrannt.

Und da schließt sich ein Kreis: Vor 23 Jahren erklärte mir Rainer Bonhof, damals Trainer von Borussia Mönchengladbach, heute Vizepräsident und auf dem Podium bei der „Verabschiedung“ von Max Eberl, warum er ihn von Greuther Fürth an den Bökelberg gelotst hatte: wegen seiner charakterlichen Qualität. Er habe nach einer Niederlage mit dem DFB-Nachwuchs geweint. Das war auch am Freitagnachmittag so. Unter Tränen nahm der 48-Jährige Abschied von seinem Lebenswerk.

13 Jahre war er das Gesicht des Clubs. Arbeitete unermüdlich und erfolgreich. Eckte an, provozierte, feierte, wurde gefeiert, zuletzt auch stark kritisiert – vor allem aber arbeitete er. Unermüdlich. Für sein Kind: Borussia. „Jede Niederlage nahm ich persönlich, denn ich war die Mannschaft.“ Sein Arbeitsethos: „Freitagnachmittags Abschlusstraining unter Hans Meyer. Am Samstagmorgen war ich im Büro als neuer Nachwuchsdirektor.“ Ein Leben ohne Pause, „immer 100, nie 90 Prozent“.

Das hinterlässt Spuren. Trotz allen Erfolgs. Eine vierwöchige Auszeit vor 13 Monaten fruchtete nicht. Die Affäre um Breel Embolo riss den Manager aus der „Reha“ in den Bergen. Nackenschläge folgten, Entscheidungen saßen nicht mehr so wie zuvor, Corona hinterließ bei der Kaderplanung Spuren.

Besonders traf den sensiblen Kämpfer die Flucht eines vermeintlichen Weggefährten und Seelenverwandten: Marco Roses Wechsel zum BVB. Das riss Wunden, die immer noch nicht verheilt sind. Aber keiner machte sich Sorgen um Max Eberl, alle neuerdings nur um Borussia. Der Max ist stark und kann ’ne Menge ab. Von wegen: Max Eberl war als Sportdirektor aus der Zeit gefallen. Er lebte und arbeitete wie eine Kerze. Sorgte für Licht, Wärme und Stimmung. Nun ist sie abgebrannt. Der Verein steht über allem, pflegte Eberl zu sagen. Stimmt nicht: Gesundheit steht über allem!

Der Nachfolger müsste eigentlich aus dieser Erfahrung heraus geschützt werden. Muss er aber wohl nicht. Steffen Korell wird es nicht sein, er kennt die Gefahren. Eher wird es ein moderner Manager sein. Modern wie eine LED-Lampe: kalt, effektiv, mit wenig Verbrauch.