Aachen: Vorzeitiges Insolvenzverfahren wäre „grob unsportlich“

Aachen: Vorzeitiges Insolvenzverfahren wäre „grob unsportlich“

An manchen Standorten der 3. Liga hat sich Empörung breitgemacht seit der Ankündigung von Alemannia Aachens Interims-Geschäftsführer Michael Mönig, das Insolvenzverfahren noch vor Saisonende eröffnen zu lassen, falls die Mannschaft keine Chance mehr auf den Klassenerhalt haben sollte.

Preußen Münster zum Beispiel würde alle Aufstiegschancen verlieren, Sportvorstand Carsten Gockel schimpft: „Es wäre eine Bankrotterklärung für den DFB und die 3. Liga, wenn sportliche Entscheidungen auf diesem Weg herbeigeführt werden.“ Auch Abstiegskandidat SV Babelsberg hätte sechs Zähler weniger. „Der sportlich Erfolgreiche wird bestraft, während der sportliche Verlierer seinen Nutzen aus der Situation zieht“, merkt Notvorstand Götz Schulze an, zeigt aber Verständnis für Mönigs Idee. „Die Aachener müssen tun, was für den Verein am besten ist, und nach eigenen Gesichtspunkten handeln.“

Noch ist Alemannia nicht abgestiegen, das kann auch im fünftletzten Spiel Freitagabend beim SV Wehen Wiesbaden nicht passieren. Doch Uwe Scherr hat zum Thema „eine klare persönliche Meinung. Unabhängig davon, ob wir es sportlich schaffen oder nicht: Im Sinne des Fairplay kann es nicht sein, dass Alemannia bei einer vorzeitigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens Auf- und Abstieg beeinflusst. Das wäre grob unsportlich.“ Die Mannschaft müsse ohnehin „die Folgen einer Geschichte ausbaden, die sie nicht verursacht hat“.

Gleichwohl nahmen Cheftrainer René van Eck und Scherr das Team vor dem Training am Donnerstag „noch einmal in die Pflicht“. Bedingungsloser Kampf und Laufbereitschaft, „einfach die Scharte von Erfurt auswetzen. Mehr erwarten wir nicht.“ Die Zeit der Rechenspiele ist vorbei. „Ich mache mich ja sonst unglaubwürdig.“

Das für Donnerstag von Alemannias Insolvenz-Fachleuten mit Scherr vereinbarte Gespräch über den Stand der Dinge fand urplötzlich nicht statt. Michael Mönig war ebenso außer Haus wie Sachwalter Rolf-Dieter Mönning, der auf einem Juristentag in Barcelona weilte.

Vermarkter: keine Abhängigkeit

Am Dienstagabend, während die Mannschaft in Erfurt spielte, hatten sich Mönig und Mönning zu einer Sitzung mit dem Wirtschaftsbeirat getroffen. Dessen Idee war es, ab 1. Juli mit einem Vermarkter zusammenzuarbeiten, der für die im Drittliga-Lizenzantrag angegebenen Sponsorensummen garantiert. Ohne diesen Nachweis hätte der DFB sein Okay verweigert. Die Zulassung für eine weitere Profisaison wird zwar nach menschlichem Ermessen nicht mehr benötigt, ein Abschluss mit Infront oder Sportfive ist jedoch auch beim Gang in die Regionalliga feste Absicht. Wenn Alemannia schuldenfrei aus dem Insolvenzverfahren rauskommt. In eine Abhängigkeit würde sich Alemannia nicht begeben, man verkauft keine Rechte. Für den Vermarkter würde es umso lukrativer, je höherklassig die Mannschaft spielt.

René van Eck dreht am Freitag in Wiesbaden natürlich nicht alles auf links. Timmy Thiele entschuldigte sich für seinen Auftritt in Erfurt und könnte wieder erste Wahl sein, weil Sascha Marquet eventuell statt des vorgesehenen Armand Drevina (Verletzung des großen Zehs) als „Sechser“ gebraucht wird. Kapitän Sascha Herröder, der am Donnerstag 25 Jahre alt wurde, meldete sich mit muskulären Problemen ab, was Mario Erb im Team hält. Tim Krumpen steht wieder für Mark Flekken (Adduktoren) zwischen den Pfosten, Dario Schumacher kehrt nach Sperre ins Aufgebot zurück. „Wir wollen Wehen so unter Druck setzten, dass sie ihr Spiel nicht aufziehen können“, sagt der Trainer. Eine Reaktion auf Erfurt wird erwartet. „Aber rechnen brauchen wir nicht mehr.“

Voraussichtliche Aufstellung: Krumpen — Wilschrey, Erb, Schaffrath, Strujic — Drevina (Marquet), Marquet (Thiele), Andersen — Heller, Murakami, Kefkir

Schiedsrichter: Martin Petersen (Stuttgart)

Punktspielbilanz gegen Wehen: 5 Spiele — 1 Sieg, 1 Remis, 3 Niederlagen (5:9 Tore)

Den Liveticker zum Spiel gibt es hier.