Vorbericht Alemannia: Aachen empfängt Borussia Mönchengladbach II

Alemannia Aachens Trainergespann : Die Fußball-Ehe von Fuat Kilic und Christian Mollocher

Mollocher: "Werden uns in Zweikämpfe knallen"

Die Fußball-Ehe zwischen Fuat Kilic und Christian Mollocher läuft schon viele Jahre. Kilic ist der Chef bei Alemannia Aachen, Mollocher sein überaus loyaler Assistent. So geht das schon ewig, ein ernsthafter Streit ist bislang nicht durchgesickert. Aber noch völlig offen ist, wie diese berufliche Beziehung sich am Saisonende entwickelt.

Es ist ein ziemlich gewachsenes Verhältnis. „Ich weiß, wie er tickt, er weiß, wie ich ticke“, sagt Mollocher. Temperament gibt es ausreichend an der Seitenlinie, manchmal bremsen sich die beiden Trainer gegenseitig, wenn zu viel Adrenalin ausgeschüttet wird. Nach Gelben Karten, die seit dieser Saison auch für Fußball-Lehrer verhängt werden, liegt der Co-Trainer gerade in Führung. Das muss aber nicht so bleiben ...

Hinter den Trainern liegen durchaus anstrengende Tage, bevor am Sonntag, 15 Uhr, ein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach II ansteht.

Die Mannschaft kämpft gerade gegen die eigene und die Enttäuschung der Fans an, die sich nach dem letzten Heimspiel gegen Schalke 04 II breit gemacht hat am Tivoli. Unerwartet früh in der Saison mussten schon die Ferngläser ausgepackt werden. Die beiden folgenden Spiele gegen die Spitzenteams Verl und Dortmund II waren dann auch eine Abstimmung mit den Füßen, ob eine frustrierte Gruppe noch ihren Lehrern folgen will. Das Abstimmungsergebnis ist eindeutig, unter der Woche lieferte Alemannia das beste Auswärtsspiel seit Monaten ab. „Die Mannschaft hat eine einwandfreie Mentalität“, sagt Mollocher. Der 37-Jährige fühlt den Teampuls vielleicht ein bisschen intensiver als der Cheftrainer. Mollocher registriert und vermittelt, so geht die Arbeitsteilung. Und zuweilen versucht er auch, seinen sportlichen Förderer ein wenig zu entschleunigen, sagt er, wenn der sich allzu verbissen in die Arbeit stürze.

Chef und Assistent: Seit vielen Jahren arbeiten Fuat Kilic (links) und Christian Mollocher Seite an Seite. Foto: Jérôme Gras

Die beiden kennen sich schon seit den gemeinsamen Tagen in der Jugendfußball-Schule in Köln. Ein paar Monate später holte Kilic den Kollegen auch zum MSV Duisburg. Als Kilic dann beim 1. FC Saarbrücken zum Chef befördert wurde, fragte er bei Mollocher nach. Der gab seine Sportlehrerstelle an einer Düsseldorfer Gesamtschule begeistert auf und zog an die Saar.

Und auch zum Tivoli brachte Kilic seinen Co-Trainer mit. Erst Ende des Jahres 2016 trennte man sich ein Weilchen. Nicht, weil man sich auseinander gelebt hätte. Vielmehr suchte Mollocher eine neue Herausforderung. Er wechselte in die Jugendabteilung des VfL Bochum, arbeitete parallel auch als Co-Trainer beim Zweitligisten. Nach einem guten Jahr war dann Schluss im turbulenten Verein. Bis dahin hatte Mollocher schon vier Cheftrainer erlebt, er wurde arbeitslos. Kilic meldete sich mit einem Spezialauftrag. Im Oktober 2018 übernahm Mollocher Alemannias A-Jugend in misslicher Lage. Geld bekam der neue Jugendtrainer nicht für seinen Aufwand. „Er hat das mir zu Liebe gemacht“, sagt Kilic. Am Saisonende folgte dann doch eine Belohnung. „Der Klassenerhalt in der A-Junioren-Bundesliga ist sein großer Verdienst“, sagt Kilic. Seit Saisonbeginn ist das Paar nun wieder zusammen, Mollocher rückte wieder in den Seniorenbereich auf, nachdem der bisherige Co-Trainer Simon Pesch bei Mainz 05 unterkam.

Kilic wird am Ende der Saison sein Traineramt bei Alemannia aufgeben, wenn der Aufstieg nicht klappt, hat er angekündigt. Steht die Fußball-Ehe dann vor der Scheidung? Sind die beiden nun unzertrennlich und ziehen gemeinsam weiter? „Natürlich arbeiten wir schon lange sehr vertrauensvoll zusammen“, sagt Kilic. „Im Fußball gibt es immer wieder neue Konstellation, da kann man sich nie festlegen.“ Aber definitiv würde er seinem Kollegen auch die Beförderung zum Cheftrainer zutrauen, richtet er aus.