Vor Spiel gegen Alemannia Aachen: Interview mit Inka Grings

Inka Grings im Interview : „Wir müssen sofort erfolgreich sein“

Um ihre Treffsicherheit muss man sich keine Sorgen machen: Inka Grings ist die erfolgreichste Torjägerin im deutschen Vereinsfußball, sie hat 358 Tore in der Frauen-Bundesliga erzielt, nur ein paar Treffer weniger als Gerd Müller in der Männer-Bundesliga. Wo die sechsmalige Bundesliga-Torschützenkönigin spielte, war meistens auch der Erfolg zuhause. Nach der aktiven Laufbahn startete sie ihre Trainerkarriere. Aktuell macht die 40-Jährige Station beim akut abstiegsbedrohten SV Straelen, Alemannia Aachens kommendem Gegner. Grings ist die einzige Trainerin, die derzeit in einer der ersten vier Ligen arbeitet.

Eine Beziehung zwischen Menschen entscheidet sich oft in den ersten Sekunden. Was waren die ersten Worte in der Kabine bei Ihrer neuen Mannschaft?

Grings: Ich bin kurz vorgestellt worden, und dann habe ich direkt über den Sport und meine Ideen gesprochen, ohne dass ich mir eine besondere Rede ausgedacht hätte. Meine Ansprachen sind generell kurz und prägnant. Für etwas anderes haben wir auch keine Zeit, wenn wir in den damals noch acht Spielen den Klassenerhalt schaffen wollen. Wir können nicht experimentieren, sondern müssen sofort erfolgreich sein.

Sind Sie auf neugierige Menschen gestoßen oder war es für die Jungs ein normaler Trainerwechsel, den sie schon häufiger erlebt haben?

Alan Stulin freut sich auf seinen Einsatz gegen Straelen

Grings: Ich hatte nicht den Eindruck, dass es für die Spieler relevant ist, welches Geschlecht der neue Trainer hat. Sie wollen eine professionelle Begleitung, das ist ihr berechtigter Anspruch.

Kann Vertrauen zur Trainerin entstehen, obwohl sie in den ersten drei Spielen nur ein Remis erzielt haben?

Grings: Es kommt auf die Entwicklung an. Wir sind uns einig, dass wir besser werden und unser Plan funktioniert. Im vergangenen Spiel in Mönchengladbach hätten wir ohne den Platzverweis nach der Pause nicht verloren. Wir spüren, dass die Dinge greifen, deswegen bleibe ich auch ruhig und zuversichtlich.

Am ersten Arbeitstag in Straelen haben Sie sich als „tiefenentspannt“ beschrieben. Gilt das Adjektiv auch noch im zugespitzten Abstiegskampf?

Grings: Grundsätzlich bin ich ein entspannter Mensch, das bedeutet aber nicht, dass man seine Arbeit locker angeht. Wir sind sehr fokussiert auf unser Ziel.

Bleiben Sie in jedem Fall auch über die Saison hinaus in Straelen unabhängig von der Ligazugehörigkeit?

Grings: Das ist noch offen und gerade nicht das Thema.

Ein Thema wird der nächste Gegner sein. Haben Sie Alemannia beobachtet oder beobachten lassen?

Grings: Selbstverständlich, wir sind gut vorbereitet. Wir wollen zuhause den Aufwärtstrend der letzten Spiele fortsetzen.

Trainerinnen und Trainer wollen Spielerinnen und Spieler besser machen, können umgekehrt auch die Ausbilder durch die Arbeit mit den Teams besser werden?

Grings: Das ist mein Eindruck. Wir vermitteln Inhalte, bekommen aber auch die Rückmeldung, was gut ankommt und was weniger passt. Der gegenseitige Austausch bringt im Idealfall beide Seiten weiter. Man muss als Trainer oder Trainerin in die Mannschaft hineinfinden und sie verstehen, sonst gibt es keine Entwicklung.

Frauen jubeln kürzer und wälzen sich nicht so theatralisch und zeitintensiv auf dem Boden, das ist längst belegt. Ist das auch ein Thema bei Ihren Mannschaften?

Grings: Theatralik geht mir auf die Nerven, ist zudem eine Energieverschwendung. Ich würde das Thema sofort ansprechen, aber wir haben solche Spielertypen hier nicht.

Sie sind mit den Spielerinnen des MSV Duisburg vor fast drei Jahren in die Frauen-Bundesliga aufgestiegen. Warum haben Sie trotz der erfolgreichen Zeit keine Lust mehr, Frauenteams zu coachen?

Grings: So würde ich das nie formulieren. Für mich bleibt der Frauen-Fußball eine Herzensangelegenheit, aber ich habe mich nach 20 Jahren jetzt aufgemacht, auch in anderen Bereichen Erfahrung zu sammeln.

Sie waren im Frauen-, im Jugend- und jetzt im Männerbereich als Trainerin tätig. Ist das ein Experiment oder eine geplanter Weg?

Grings: Es gab in Duisburg schnell die Möglichkeit, eine Frauenmannschaft zu übernehmen. Die Chance habe ich ergriffen. Danach habe ich entschieden, auch andere Teams zu coachen und Erfahrungen zu sammeln. Es ist schon ein gewollter Werdegang.

Wenn wir in fünf Jahren wieder miteinander telefonieren: In welcher Liga wird Inka Grings dann trainieren?

Grings: Ich habe keine Glaskugel. Meine Ambition ist es aber, in der Bundesliga arbeiten zu dürfen. Keine Frage. Ganz oben zu arbeiten, war schon mein Anspruch als aktive Spielerin.

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