Wegberg-Beeck: Und wieder geht es im Pokal nicht ohne Drama

Wegberg-Beeck: Und wieder geht es im Pokal nicht ohne Drama

Die Mission war soeben erfüllt, da fiel Reiner Plaßhenrich noch dieser Satz ein: „Wenn man uns vorher gesagt hätte, dass wir nur mit neun Mann spielen dürfen, dann hätten wir nicht so viele Spieler mitgenommen.“

Beim Co-Trainer von Alemannia Aachen kehrte etwas Spaßigkeit zurück nach dem 1:0 in der ersten Runde des FVM-Pokals beim FC Wegberg-Beeck, ausgerechnet Sahin Dagistan hatte mit einem Kopfball aus kurzer Distanz nach Ecke von Michael Lejan (57.) für die Entscheidung gegen seinen Ex-Klub gesorgt.

Vor rund 2000 Zuschauern im Beecker Waldstadion, davon deutlich mehr als die Hälfte Anhänger der Schwarz-Gelben, gab es keine Diskussionen über den verdienten Sieger. Wohl aber über den Schiedsrichter, der ein Spiel scharf schaltete, das unter normalen Umständen für die Gastgeber vermutlich mit einer üblen Abfuhr geendet hätte.

Nach 95 Minuten deponierte Peter Schubert noch auf dem Rasen eine Grußadresse bei Andreas Steffens. „Ich habe ihm gesagt, dass er auf unverschämte und arrogante Weise Einfluss auf das Spiel genommen hat. Ein Schiedsrichter hat ein Spiel zu leiten — wenn er dazu nicht in der Lage ist, soll er es lassen.“ Alemannias Chefcoach war völlig aufgebracht, er verließ die Pressekonferenz vorzeitig, als FC-Freunde im Auditorium gegen diese Sichtweise lautstark protestierten, und kündigte an, „keinen Cent“ zu zahlen, sollte der Verband nun eine Geldstrafe verhängen. Die Aufregung eine halbe Stunde vor dem Anpfiff um eine Gruppe von rund 60 (großteils jugendlichen) Zuschauern in Schwarz-Gelb, die vorübergehend die Haupttribüne besetzt hatten, war nur noch eine Randnotiz.

Es wirkte so, als ob sich der Unparteiische aus Mechernich am Namen Alemannia abarbeiten wollte. In der 15. Minute stellte er Kevin Behrens („Da war nix“) vom Platz, die Aachener versuchten noch, Danny Fäuster zu einem einlenkenden Wort bei Steffens zu bewegen. Stattdessen untermauerte der Wegberger Verteidiger mit einem angedeuteten Ellbogencheck die vermeintliche Aktion seines Gegenspielers. Vier Minuten später fuhr Bastian Müller das Bein gegen Sebastian Wilms aus. „Ich hatte sofort mit Gelb gerechnet, aber nicht mit Rot“, erklärte der Alemanne. „Es war nicht mit offener Sohle, nicht von hinten, ich habe keinen Konter unterbunden, und es war an der Mittellinie.“ Peter Schubert echauffierte sich derart, dass Steffens — der keinen Kommentar abgeben wollte — ihm einen Tribünenplatz zuwies.

76 Minuten hatte der FC zwei Mann mehr auf dem Platz, den Klassenunterschied konnte der Dritte der Mittelrheinliga gegen den Dritten der Regionalliga aber nicht ansatzweise verwischen. Bis zur Pause hatte alleine Dagistan, obwohl sich meist gleich drei ehemalige Kollegen um ihn sorgten, drei Chancen aus der gehobenen Kategorie. Und als ihm nach einer halben Stunde Fäuster in den Rücken sprang, gab es Elfmeter — zwar platziert, aber zu schwach geschossen von Tim Jerat, eine Beute für Wegbergs Keeper Stefan Zabel. Die Gastgeber kamen erst Sekunden vor der Pause zu einer Möglichkeit, Dominik Bischoff verzog knapp aus spitzem Winkel.

Die Umstände trieben Alemannia zu einer unglaublichen Laufleistung, die — gepaart mit technischer Überlegenheit — zum erfolgreichen Ende der Mission führte. Sahin Dagistan hatte sich vorgenommen, bei einem möglichen Tor „locker zu bleiben“ und „es nicht zu übertreiben“ mit dem Jubel. Der Aufforderung „Daggi auf den Zaun“ mochte er nicht folgen, Frederic Löhe schob den Widerwilligen vor zu den Fans.

„Das ist mehr als enttäuschend“, sagte FC-Coach Friedel Henßen. „Die Möglichkeit, Alemannia zu schlagen, war selten so groß wie heute.“ Dabei hatte seine Mannschaft noch Glück, in voller Stärke über die Distanz zu gehen: Maurice Passage wandelte an der Grenze zu Gelb-Rot, Bischoff sah nur Gelb, nachdem er Dominik Ernst umgestoßen hatte, und Patrik Ajani holte in der Nachspielzeit Jerat bei einem Konter ungesühnt von den Beinen. Henßens Enttäuschung speiste sich vor allem aus der vergebenen kapitalen Kopfballchance von Wilms gegen Löhe in der 94. Minute — eine Verlängerung wäre den Kräfteverhältnissen jedoch nicht gerecht geworden.

„Uns wurde das Leben richtig schwer gemacht — und das mit allem Drum und Dran“, resümierte Aachens Keeper. „Wenn man so ein Spiel gewinnt, zeigt das, was für eine geile Truppe wir sind.“ Erste Runde im FVM-Pokal: Ein Jahr nach dem Desaster bei Inde Hahn ging es auch diesmal nicht ohne Drama.

Aachen: Löhe - Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan - Müller, Jerat - Behrens, Dowidat (88. Thackray), Graudenz (66. Demai) - Dagistan (67. Brauweiler)