Aachen: Überraschende Wende: Alemannia unterliegt Bonner SC

Aachen : Überraschende Wende: Alemannia unterliegt Bonner SC

Irgendwann setzte sich auch Fuat Kilic ermattet auf seinen Trainerstuhl, während sein Kollege Daniel Zillken immer noch aufgeregt am Spielfeldrand ruderte. Dabei war die Partie schon längst entschieden, sie endete mit einer Überraschung.

Der gefährdete Bonner SC siegte verdient 4:2 am Tivoli. Die Kilic-Mannschaft bot erstmals seit vielen Monaten eine ziemlich dürftige Leistung und machte sich mit fehlendem Elan darüberhinaus erstmals angreifbar in dieser bislang so überzeugenden Saison. „Das war ein Musterbeispiel dafür, dass wir noch weit entfernt sind von einer Topmannschaft und noch viel zu lernen haben“, war Aachens Trainer angefressen. Am seinem Hals sah man deutlich das Unterputzkabel pochen.

Dabei hatte zunächst nichts darauf hingedeutet, dass dieser Nachmittag so unerfreulich für die Aachener verlaufen würde. Die Gastgeber starteten wie aufgedreht, die Spannung hätte schon nach wenigen Minuten vorbei sein können, so viele Möglichkeiten ergaben sich. Von rechts und links flogen die Flanken in den Strafraum, in dieser Phase hätte der Bonner Torwart Alexander Monath Schwerstarbeiterzulage verdient. Ein Tor von Junior Torunarigha (3.) fand strittig keine Anerkennung, Ilias Azaouaghi verzog unbedrängt aus 16 Metern, dann versprang dem freistehenden Mergim Fejzullahu der Ball im Strafraum (5.).

Der Spielstand änderte sich erst nach 20 Minuten. Torunarigha verpasste noch die nächste Vorlage von Tobias Mohr, für ihn verwertete Arda Nebi die scharfe Vorlage zum 1:0. Kurz darauf wollte sich der Torschütze beim Vorlagengeber revanchieren, aber Mohr verzog deutlich.

So verlief die Partie ziemlich eintönig, bis langsam die Sorglosigkeit ins Spiel der Aachener einzog. „Wir wurden langsam nachlässig“, beobachtete Kilic. Immer wieder spielten sich die Bonner durch, wurden viel zu selten aufgehalten. „Wir haben den Zugriff verloren und nicht mehr gefunden“, wunderte sich Kapitän Nils Winter. Nicht alle Aachener zogen mit an diesem Nachmittag. In letzter Sekunde blockte Mohr noch einen Schuss von David Mors, sonst wäre der Ausgleich schon fällig gewesen (34.). Den letzten Warnhinweis ignorierten die Aachener - und bekamen nicht mehr unerwartet die Quittung. Bors hatte nach einem Konter freie Schussbahn und erzielte mühelos das 1:1 (39.). Der Ausgleich brachte die Aachener auf, denn Mohr lag verletzt am Boden. Die Bonner zogen durch und blieben am Drücker. Kurz vor dem Seitenwechsel staubte Bors sogar noch zum 1:2 ab (45.).

Aachen stellte auf eine Viererkette um, besser wurde es nicht. Die Fehlerquote war unerklärlich hoch an diesem Nachmittag. Selbst Pässe über zehn Meter streuten so stark, als habe die halbe Mannschaft die Kontaktlinsen vergessen. Bors durfte unbedrängt auch seinen dritten Treffer erzielen (57.). Die Fans sahen verstört den Zufallsfußball ihrer Mannschaft. Gekommen waren nur 4700, nicht einmal die Hälfte der Beobachter des letzten Heimspiels.

Fejzullahu schepperte noch einmal den Ball vor den Pfosten (68.), es war kein Weckruf. Die Gäste nutzten eine weitere Gelegenheit, Jannik Stoffels stellte mühelos auf 1:4 (79.), mit dem Schlusspfiff gelang David Pütz nur noch die Ergebniskosmetik zum 2:4. Deutlich wurde es auch danach. Peter Hackenberg machte erstmals ein „Mentalitätsproblem“ in der Mannschaft aus. „Wenn wir glauben, dass wir alles nur spielerisch lösen können, verlieren wir auch gegen Teams wie Köln II oder jetzt Bonn. So weit sind wir ganz sicher nicht, dass alles von alleine läuft.“