Aachen: Treffen im finsteren Keller

Aachen: Treffen im finsteren Keller

Aus der Statistikabteilung wird ein kleines Trostpflaster gereicht. So einmalig ist Alemannias Pleitenserie in der 30-jährigen Geschichte der 2. Liga auch wieder nicht. Bereits fünf Teams schafften das unerfreuliche Kunststück, nach elf Spieltagen noch sieglos zu sein.

Schweinfurt (Saison 90/91), FSV Frankfurt (94/95), Meppen (95/96), Paderborn (07/08) und Ahlen (09/10) hatten eine vergleichbare Pannenserie.

Alemannia unternimmt am Sonntag den nächsten Anlauf. Die Partie gegen den FC Ingolstadt findet im finstersten Tabellenkeller statt. Tabellenletzter fordert Tabellenvorletzten heraus. Oder anders: Die sturmschwächste trifft auf die abwehrschwächste Mannschaft. Oder: Das einzige Profiteam, das in dieser Saison noch sieglos unterwegs ist, misst sich mit dem Team ohne Auswärtspunkt. Noch anders: Die ungemein erfahrenen Trainer Friedhelm Funkel und Benno Möhlmann, die ihre schönen Karrieren 1973 begannen, duellieren sich. Und mit einem Sieg würde Funkel an dem geschätzten Kollegen vorbeiklettern auf Platz 17. Immerhin.

Das Team, das in Dresden nur um zwei Sekunden am Erfolg vorbeischlitterte, hat sich „ein Stück weit Vertrauen” erarbeitet, sagt Funkel. Trotz der bitteren Punktverluste auf der Zielgeraden war der Coach mit dem engagierten Auftritt nicht unzufrieden, wie ein Bergsteiger, der erst einmal glücklich ist, dass er die 500 Meter überhaupt geschafft hat. Und weil sich kein Profi über den Umweg 2. Mannschaft näher an die Stammformation heranpirschte, wird auch der Kader sich kaum verändern.

Manuel Junglas ersetzt Bas Sibum, und für den am Freitag erfolgreich operierten Kevin Kratz taucht nun erstmals Daniel Engelbrecht auf, Torjäger der 2. Mannschaft in der NRW-Liga, im Kader auf. Der 20-Jährige wird belohnt für sein Pensum in den letzten Monaten, in denen er bereits regelmäßig bei den Profis mitarbeitete.

Als Heilsbringer sieht Funkel den einzigen Stürmer im Klub, der zuverlässig liefert, dennoch nicht. „Ihm fehlt noch allerhand, er muss sich noch in vielen Bereichen wie Abschluss, Passsicherheit, Taktik verbessern.” Immerhin reicht es nun zur Beförderung zunächst auf die Bank.

Stürmen wird wieder der zuletzt verbesserte Benny Auer in seinem 200. Zweitligaspiel. Der Kapitän hat eine imponierende Torquote von 50 Toren in 105 Spielen in Aachen, nur derzeit ist er von einer elementaren Torjägerkrankheit befallen: Er trifft nicht mehr. Bei der letzten Partie in Dresden hätte er den Fluch per Strafstoß beenden können - und verzichtete. „Die Sicherheit fehlt, wenn man elf Spiele nicht getroffen hat.” Stürmer gehen durch solche Phasen, wenn das Selbstvertrauen, dieser unzuverlässige Begleiter, sie im Stich lässt.

Fehlen wird am Sonntag dagegen erneut Keeper Boy Waterman, der nach seiner Adduktorenverletzung noch einen Trainingsrückstand beklagt. Anouar Hadouir laboriert noch an seinen Kniepro-blemen. Ein Einsatz des Niederländers in diesem Jahr wird schon nicht mehr erwartet. Der bislang kaum berücksichtigte Lennart Hartmann fällt mit einem Hexenschuss aus.

„Die schwierigste Aufgabe”

Funkel arbeitet exakt einen Monat am Tivoli, und sein erster Befund lautet: „Das hier ist die schwierigste Aufgabe.” Nun hat der 57-Jährige schon einiges an schwierigen Fällen gesehen, aber in Aachen will die unfassbar lange Sieglos-Serie bislang kein Ende nehmen.

Wie schwierig dieser Fall ist, belegt ein letzter Blick in die Statistikabteilung: Von Alemannias fünf sieglosen Vorgängern in der Geschichte der 2. Liga schaffte nur Meppen den Klassenerhalt. Der Klub hatte allerdings nach elf Spieltagen bereits sieben Punkte eingesammelt und belegte mit ausgeglichenem Punkteverhältnis noch Platz 10. Die übrigen vier Klubs verließen den Profibereich, einige von ihnen für alle Zeiten.

Erst zum Letzten, dann zum Bundesliga-Ersten

Zwei schöne Reisen liegen vor den Kickern des FC Ingolstadt. Am Sonntag geht es zum Kellerduell nach Aachen, am Mittwoch im DFB-Pokal zum berühmten FC Bayern.

„Aachen ist in einer verdammt schweren Situation, wird aber mit Kampf und Willen in das Spiel gehen und dabei auf die Unterstützung der Zuschauer bauen”, vermutet Benno Möhlmann. Der Trainer muss auf die verletzten Marino Biliskov und Leo Haas verzichten. Ahmed Akaichi (Grippe) und Keeper Ramazan Özcan (Schulterbeschwerden) stiegen erst am Freitag ins Training ein. In Aachen wird erneut Sascha Kirschstein das Tor hüten.

Rund 50 Fans werden die „Schanzer” am 12. Spieltag begleiten und darauf setzen, dass im siebten Anlauf in der Fremde ein erster Punktgewinn verzeichnet wird.