Torwartwechsel bei der Alemannia: Zeaiter beim Spitzenspiel im Tor

Alemannia Aachen : Die große Chance für Daniel Zeaiter

Spektakulärer kann der Gegner zum Rückrundenstart nicht ausfallen: Alemannia erwartet am Freitagabend ziemlich genau um 19.30 Uhr den amtierenden Tabellenführer. Mit Viktoria Köln hat das Team in diesem Jahr drei Mal - das Pokalfinale eingerechnet - die Klingen gekreuzt. Ein Sieg ist dabei noch nicht abgefallen.

Der Ligakrösus ist auch in dieser Spielzeit der Konkurrenz zur Halbzeit schon ein bisschen enteilt. Alemannia liegt vor dem Anpfiff satte 13 Punkte hinter dem Rivalen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass der Unterschied so groß ist“, sagt Aachens Trainer Fuat Kilic. „Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht in den letzten Monaten.“ Seine Mannschaft hat sich in der Tat den Rückstand an den ersten Spieltagen zugezogen. In den nächsten Wochen steht nun der Beweis in der Praxis aus.

Bei dem Projekt helfen soll Daniel Zeaiter. Mindestens bis zum Jahresende soll der 23-Jährige das Tor hüten. Die Zusage hat er. Zweimal hat Zeaiter in dieser Saison Niklas Jakusch vertreten, als der sportunfähig geschrieben war. Das Spiel bei RW Oberhausen endete mit einer überflüssigen 2:3-Niederlage, vor ein paar Tagen gab es ein 0:0 gegen Dortmund II. Noch fehlt ihm ein Ligaerfolg in der persönlichen Bilanz. Gegen den Klassenprimus läuft Zeaiter nun erstmals auf, obwohl sein Konkurrent fit ist. Jakusch sitzt auf der Bank, wird nächste Woche im Pokal eingesetzt. „Er war nicht völlig beschwerdefrei in den letzten Wochen, war deswegen auch etwas mental angeschlagen“, begründet Kilic den erneuten Torwartwechsel vor dem Spitzenspiel, zu dem etwa 5500 Zuschauer erwartet werden. Der Trainer erwägt kleinere Änderungen auf den Außenbahnen „offensiv wie defensiv“.

Gegner Viktoria Köln schaut ohne den besten Spieler der Liga vorbei. Mike Wunderlich zog sich beim Hinspiel einen Fußbruch zu. Dann flog er nach langer Pause direkt in seinem zweiten Einsatz wegen einer Tätlichkeit vom Platz. So ist der 32-Jährige gesperrt.

Für Zeaiter endet an diesem Freitag eine ziemliche Leidenszeit. „Natürlich hatte ich mir das anders nach meinem Wechsel vorgestellt“, sagt der 23-Jährige. Beim MSV Duisburg trug er zuvor zwar auch das Etikett „Reservetorwart“, eingesetzt wurde er einmal für 44 Minuten, als die Konkurrenten Mark Flekken und Daniel Davari verletzt waren. Dennoch hat er auf diesem höheren Niveau trainiert. „Es war nicht leicht, die Entscheidung des Trainers zu akzeptieren“, gesteht er auch heute noch ein. Kilic hatte zu Saisonbeginn eine „sehr knappe Entscheidung“ zugunsten von Jakusch getroffen.

Zeaiter nahm auf der Bank Platz, an manchen Spieltagen auch nur auf der Tribüne. Was blieb, waren die Trainingseinheiten. „Als Profi musst du solche Situationen annehmen und hart weiter arbeiten“, sagt der durchaus selbstbewusste Schlussmann. „In solchen Phasen hilft die Familie und der Glaube.“

Die Torwartgruppe ist klein, Leistung lässt sich mit einem gesunden, respektvollen Konkurrenzkampf fördern. „Das haben wir hinbekommen“, sagt der Deutsch-Libanese. Zeaiter wurde in Deutschland geboren, wuchs trotzdem zweisprachig auf. Noch im Sommer besuchte er mit seiner Freundin Verwandte im Libanon. Zweimal gehörte er dem Aufgebot für die Nationalmannschaft an, der Kontakt zum libanesischen Verband ist vor zwei Jahren abgerissen. Für einen Reservetorwart interessiert sich niemand. Zeaiter kann das nun ändern, er steht fortan im Rampenlicht.

Mehr von Aachener Nachrichten