Aachen: Tobias Mohr und die ganz schwierige Entscheidung

Aachen : Tobias Mohr und die ganz schwierige Entscheidung

Natürlich könnte Fuat Kilic Tobias Mohr ein bisschen verstecken bis zum Saisonende. Er könnte ihm in den letzten Spielen nur noch selten Auslauf geben, damit die vielen Scouts unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. So wird es natürlich nicht kommen. Kilic hat den 22-Jährigen nicht so intensiv gefördert, um ihn jetzt auf der Bank zu lassen.

Es wäre auch zu spät, Mohr zu verstecken. Der hat gerade im Schnellkurs zum dynamischen Linksverteidiger umgeschult und spielt die beste Saison, seitdem er Fußballschuhe schnüren kann. Solche jungen, flankenstarken Verteidiger zum Mitreisen sucht jeder Verein.

Für Tobias Mohr sind grüblerische Tage angebrochen. Er muss eine Grundsatzentscheidung treffen: Gehen oder bleiben? Gibt er eine alte Liebe auf und bricht zu neuen Ufern auf? Kommen noch Angebote, geht es noch nach oben? „Es ist schwierig“, sagt er. Er hängt an diesem Klub, bei dem er im Wortsinn groß geworden ist. Mohr ist schon mit vom alten in den neuen Tivoli umgezogen. Seit 2006 ist er im Verein, er gehört zum Inventar. „Ich würde zu keinen anderen Regionalligisten wechseln.“

Wechseln würde er — wenn auch nicht um jeden Preis — in höhere Ligen. Schließlich hat er in den letzten vier Jahren nach seinem Abitur alles auf die Karte Fußball gesetzt. Er hat nie einen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht. Oder er verlängert langfristig bei dem Verein, an dem er so hängt, spielt demnächst mit seinem jüngeren Bruder Niklas (derzeit jüngerer A-Jugend-Jahrgang) und startet parallel eine andere berufliche Ausbildung. Das ist die Ausgangslage, die eine Entscheidung verlangt. Kaderplaner Kilic wollte bis zum Wochenende eine Rückmeldung seiner Spieler haben. Mohr hat um eine längere Bedenkzeit gebeten.

In dieser Woche hat sich Kilic, der aus der Sicht von Mohr „ein überragender Trainer“ ist, mit dessen Berater Kai Michalke getroffen. Der Ex-Profi gilt als Berater, der die Angebote nur sammelt, die Entscheidungen überlässt er immer seinen Klienten. Der ehemalige Alemanne betreut auch Kai Bösing und Leistungsträger Nils Winter, deren Verträge ebenfalls auslaufen. „Es war ein sehr vernünftiges konstruktives Gespräch“, sagt Kilic. Das Angebot liegt vor. „Es ist für die Verhältnisse hier sehr gut“, sagt Mohr. Ein Sponsor hat sich bereit erklärt, das Gehalt bei dem gebürtigen Aachener ein bisschen aufzustocken. Klar ist aber auch, dass Mohr an anderen Standorten deutlich besser verdienen kann.

Kilic wird Mohr nicht verstecken, er kehrt am Samstag beim Spiel gegen den Bonner SC vermutlich nach vier Monaten erstmals wieder in die Startformation zurück. Anfang Dezember zog er sich einen Sehnenanriss im Oberschenkel zu, in einem Bereich, in dem er kurz zuvor schon einen Faserriss hatte. „Ich war noch nie so lange verletzt, habe noch nie eine Vorbereitung verpasst“, sagt der ehemalige Patient. Solange war Mohr noch nie in der Warteschleife. Fuat Kilic sagt, dass er besser nicht zu viel schwärmen sollte. Er sagt aber auch, dass sein Schützling auch die Qualität für höhere Klassen besitzt.

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Damaschek - Winter, Azaouaghi, Pütz, Mohr - Fejzullahu, Tourinarigha, Nebi

Schiedsrichter: Laurent Kopriwa (Luxemburg)

Bilanz: 21 Spiele/13 Siege/4 Remis/4 Unentschieden/43:24 Tore

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