Aachen: Tivoli-Verkauf: Neue Perspektiven für die Alemannia

Aachen: Tivoli-Verkauf: Neue Perspektiven für die Alemannia

Fast drei Stunden saß die Herrenrunde am Donnerstagabend in der Loge 22 zusammen. Große personelle Weichen wurden an diesem Abend am Tivoli nicht gestellt. Und doch war es ein wichtiges Treffen, berichteten Teilnehmer später, weil es gute Signale für eine Perspektive Alemannias gab. Das wichtigste kam von Seiten des städtischen Vertreters.

Die Kommune will den Tivoli kaufen, und auch wichtig: Sie würde den Patienten atmen lassen, auch die Unterhaltskosten würde sie für den insolventen Klub weitgehend tragen.

Am Mittwoch nächster Woche entscheidet der Aachener Stadtrat über die Immobilie im nicht-öffentlichen Teil. Die mit den Fraktionen abgestimmte Beschlussvorlage sieht vor, dass die Stadt (oder eine ihrer Töchter) den Tivoli kauft. Andere Interessenten haben sich ohnehin nicht beim Insolvenzverwalter der Stadion GmbH gemeldet. Segnen die Politiker den Vorschlag ab, wird ein Angebot abgegeben, dessen Höhe sich „an dem negativen Ertragswert des Stadions orientiert“. Insolvenzverwalter Frank Kebekus wäre nach Rücksprache mit den Grundschuldgläubigern (Stadt, AachenMünchener, Land NRW) berechtigt, das Areal „zum Beispiel für einen Euro im Rahmen zu veräußern“. Das Parkhaus soll zudem zeitnah von der Aseag/Apag gekauft werden, steht in der Vorlage.


Mit einem Nutzungskonzept will die Stadt einen Teil der Unterhaltskosten decken. Parallel sollen Teile des Stadions dauerhaft, oder wie bislang temporär für Veranstaltungen vermietet werden. So soll die Braut „aufgehübscht“ werden für einen „noch zu suchenden Investor“. Denn die Stadt, die aktuell wohl nur durch den Kauf ihren Verlust minimieren kann, will den neuen Tivoli „kurz- bis mittelfristig“ wieder veräußern.


Nutzungsvertrag verlängert


Der Nutzungsvertrag mit Alemannia, bislang nur bis zum Saisonende befristet, soll ausgedehnt werden. Auf einen „merklichen Deckungsbetrag Alemannias“ müsse man aktuell verzichten, steht in der Vorlage. Der Verein hat die Mittel nicht. Die Stadt geht von einer jährlichen Unterhaltungslast von zwei Millionen Euro aus.


Der nächste städtische Rettungsanker fand großen Beifall in der Herrenrunde. „Wenn es so kommt, wäre ein Hauptproblem gelöst. Einen besseren Ansprechpartner als die Stadt, die uns hilft und am Leben lässt, kann man gar nicht finden“, urteilte zum Beispiel der Unternehmer Tim Hammer. Überlegt wurde in der Runde, ob man vorerst nicht auf einen Geschäftsführer verzichten könne. Vielmehr könnten einige „Ritter der Tafelrunde“ dessen Aufgaben übernehmen, um das Budget nicht weiter zu strapazieren.


Wie stark das Budget strapaziert ist, wurde an diesem Donnerstag nicht vertieft. „Wir haben kein verbindliches Zahlenwerk überreicht bekommen“, monierte einer der Teilnehmer. Im erst im Sommer aufgestellten Etat des Insolvenzverwalters zeichnet sich das nächste Loch ab. Einen Fehlbetrag von 325.000 Euro bestätigte zuletzt Sprecher Holger Voskuhl. Die Summe könnte durch zusätzliche Zuschauer- oder Sponsoreneinnahmen verringert werden. Abgesichert ist die Summe durch die Insolvenzmasse, aber eben nur solange das Verfahren läuft.

Darüber herrschte Konsens: Möglichst schnell soll die Insolvenz beendet werden, damit wieder Normalität am Tivoli einkehren kann. Die nächste Unterdeckung wäre dann möglicherweise die Hypothek für eine neue Mannschaft, die sich in den nächsten Wochen noch finden muss.

(pa)
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