Aachen: „Straßenköter” freuen sich auf die Hauptstadt

Aachen: „Straßenköter” freuen sich auf die Hauptstadt

Über 10.600 Hunde sind in Berlin laut Umweltverwaltung gemeldet. Die Dunkelziffer ist hoch, viele Vierbeiner haben vergessen, sich anzumelden. Am Montag kommen noch ein Dutzend „Straßenköter” dazu.

Die waren allerdings so freundlich, sich im Vorfeld anzumelden. Sie schauen vorbei im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, um sich dann gegen 23 Uhr wieder Richtung Aachen aufzumachen.

An diesem Montagabend trifft Alemannia auf Hertha BSC. Und das ist bislang der größte Ausflug für die jüngste Mannschaft der Liga. Livespiel unter Flutlicht, im größten Stadion Deutschlands (74.400 Sitzplätze) gegen die berühmte Hertha, die erwartungsgemäß das Tableau anführt. Nebenbei pfeift auch noch eine Frau (Bibiana Steinhaus), aber das ist schon fast Alltag in der Liga. Diese Partie dagegen ist für die Mannschaft kein Alltag, nur die wenigsten haben schon einmal an historischer Stätte gekickt, und kaum ein Profi kennt bislang so viele Zuschauer am Arbeitsplatz.

Und auch Trainer Peter Hyballa durfte dort noch nicht in der Coachingzone stehen. Etwa um den Faktor 1000 hat sich das Interesse an seiner Arbeit in den letzten Monaten gesteigert. Vor einem Jahr hat er vor 40 Zuschauern die Dortmunder A-Jugend noch im Ahlener Wersestadion betreut, jetzt warten etwa 40.000 Besucher.

„Wir wollen uns nicht beeindrucken lassen”, sagt Mittelfeldorganisator Kevin Kratz. Diese Partie ist die nächste Etappe auf dem Weg zum Reifezeugnis. Kratz ist mit seinem 23 Jahren der „Senior” im Mittelfeld, aber auch der Taktgeber der Bubis. Aber auch Kratz kennt nur die Berliner Nebenplätze von seinen Dienstreisen.

In Aachen wächst der Glaube, dass sich das Team beim Ligakrösus behaupten kann. „Wir sind Lausbuben, aber wir haben eine Chance”, sagt Hyballa. „Wir können die Punkte holen. Wir fahren nicht nach Berlin, um das Brandenburger Tor zu besichtigen.” Das ist die Botschaft ans Team seit zehn Tagen. Zur Nicht-Angst-Strategie gehört auch, sich dem Gegner nicht sonderlich zu widmen, ihn nicht zu überhöhen. „Hertha ist ungeschlagen, hat eine Reihe von erfahrenen Bundesliga-Spielern, ist natürlich Favorit.” Mehr Lob bekommt der Primus nicht.

Aachens Formation wird am Montag allenfalls in der Abwehr verändert. Bei Seyi Olajengbesi ist nach seiner Adduktorenverletzung noch offen, ob er mitfliegt. Und für die Position des rechten Verteidigers kommen Aimen Demai und Tobias Feisthammel in Frage.

Allzu große Nervosität erwartet Hyballa nicht von seiner unerfahrenen Gruppe: „Wir haben ein paar Straßenköter in unseren Reihen”, sagt Hyballa. „Die werden ins Stadion kommen, staunen, sich schütteln und dann fangen sie an.” Die Frage ist nur: Womit werden sie anfangen? Werden diese jungen Kläffer nur bellen oder auch zupacken?

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