Spielbericht: Ergebniss Alemannia Aachen - SV Rödinghausen

Sieg gegen den Tabellenführer : Alemannia setzt den Lucky Punch in allerletzter Sekunde

Siegestaumel: Alemannia besiegt Spitzenreiter Rödinghausen

Dieses Drehbuch wäre abgelehnt worden – zu unglaubwürdig: zwei Mal gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter in Rückstand geraten, zwei Mal ausgeglichen – und dann noch in buchstäblich allerletzter Sekunde das Spiel gedreht. Doch bei Alemannia Aachen ist eben alles möglich.

Die letzten Sekunden der Nachspielzeit liefen, der letzte Angriff, Stipe Batarilo legte auf Steven Rakk zurück, der aus 18 Metern wuchtig in den Winkel traf: 3:2 (90.+4) gegen den Spitzenreiter der Fußball-Regionalliga, SV Rödinghausen.

Als „maximal bitter“ bezeichnete Enrico Maaßen das Ergebnis. „Vor allem in der zweiten Hälfte waren wir die aktivere Mannschaft, hatten viel Struktur, die besseren Möglichkeiten, mehr Ballbesitz. Und Aachen hat gefühlt mit jedem Torschuss getroffen“, analysierte der SV-Coach einigermaßen überraschend.

Auch für Aachens Cheftrainer Fuat Kilic: „Das ist das Schöne am Fußball, dass man eine komplett andere Meinung haben kann“, kommentierte dieser strahlend. „Wir hatten endlich mal eine hohe Effektivität, haben den Ball nicht wie sonst in die Box getragen oder noch mal und noch mal quer gelegt, sondern die Jungs haben auch aus der Distanz mal draufgehalten. In der zweiten Hälfte haben wir das Heft in die Hand genommen, die bessere Struktur und mehr Ballbesitz. Wenn man so auftritt, hat man es auch mal verdient, den Lucky Punch zu setzen.“

Aachen griff umgehend an: Batarilo kam gleich mal über links, doch Vincent Boesen, der von Beginn an zentral agierte, schoss SV-Keeper Niclas Heimann den Ball in die Arme. Marco Müller flankte von rechts, doch der wieder genesene Robin Garnier (11.) setzte den Ball knapp am Tor vorbei. Rödinghausen wirkte in der ausgeglichenen Anfangsphase überrascht, dass Aachen so mutig agierte und schaltete selbst bei durchaus robusten Balleroberungen schnell um: Lukas Kunze (12.) tankte sich durch und schob den Ball freistehend zum 1:0 ins lange Eck.

Doch Rödinghausen, das die Mehrzahl seiner Treffer in Hälfte eins erzielte, setzte nicht energisch nach, lauerte zunehmend auf Konter. In der Rückwärtsbewegung mit einer dichten Fünferkette agierend machten die großgewachsenen Gäste, die ihre Körper robust einsetzten, Aachen das Durchkommen schwer.

Das bekam auch Pütz (26.) bei einem Tritt in die Hacken zu spüren, einen Strafstoß forderte Aachen vergeblich. Glück für die Gastgeber, dass eine Kopfballverlängerung von Simon Engelmann (32.) nach einem weiten Einwurf nur Zentimeter übers Aachener Gehäuse strich. Die Gastgeber, die immer wieder in der gegnerischen Abwehr hängen blieben oder deren Pässe geblockt wurden, erinnerten sich an Kilics Mahnung, versuchten es zunehmend aus der Distanz, doch Batarilo (38.) und Boesen (39.) schossen vorbei. Und dann fasste sich Marco Müller ein Herz, hielt aus gut 20 Metern einfach mal drauf. Heimann ließ den Ball abprallen, und Boesen (40.) glich reaktionsschnell per Kopf aus.

Kilic hatte eindringlich vor den Standards der Gäste gewarnt – zu Recht: Engelmann schoss einen Freistoß von halb rechts, und im Strafraum kam Daniel Flottmann wuchtig frei zum Kopfball – 2:1 (53.). „Es ist schwer, dieser Wucht etwas entgegenzusetzen“, erkannte auch Kilic an. Aachen setzte sofort nach, und Batarilo glich aus gut 25 Metern mit einem schönen Lupfer über den SV-Keeper zum 2:2 (63.) aus.

Die Alemannia hatte nun ein Plus an Ballbesitz, drängte und fand zunehmend auch die Lücken in der SV-Defensive, die nicht mehr so strukturiert wie zu Beginn stand. Eine weite Hereingabe setzte André Wallenborn (72.) in die Maschen, sein Treffer wurde wegen Abeitsposition nicht anerkannt – eine falsche Entscheidung, wie Kilic nach dem Videostudium unterstrich.

Die Schlussphase wurde noch einmal hektischer, Rödinghausen drängte auf den Ausgleich. Doch Aachens Defensive stand gut, ließ wenig zu, und Cymer entschärfte die beste SV-Chance von Björn Schlottke (83.). Und dann kam die Nachspielzeit. . . „Ich habe den Ball perfekt getroffen, ein geiles Gefühl“, jubelte Rakk. „Heute haben wir endlich mal einen Big Point gemacht.“

Nicht nur der Sieg, vor allem die Art und Weise stellte Kilic zufrieden: „Wir waren körperlich unterlegen, lagen zwei Mal hinten. Aber die Mannschaft ist nicht eingebrochen oder hat versucht, nach den Rückständen gegen den Tabellenführer nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Sie hat buchstäblich bis zur letzten Sekunden weiter gekämpft und an sich geglaubt.“

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