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Spielbericht: Alemannia Aachen verliert bei RW Essen 0:3

Traditionsduell gegen Essen : „Das hätte auch 5:0 oder 6:0 ausgehen können“

Alemannia Aachen war beim 0:3 bei Rot-Weiß Essen letztlich chancenlos. Es mangelte mal wieder an Effektivität. Die Niederlage hätte sogar noch höher ausfallen können.

Etwa 15 Minuten vor Spielende wackelte der Trainerstuhl bedenklich. Fuat Kilic wollte sich hinsetzen, da knickten an seinem Stuhl am Spielfeldrand die Rollen ab. Das leicht defekte Mobiliar ließ sich aus seiner Sicht noch verkraften. Wesentlich schmerzhafter war das Ergebnis an diesem Nachmittag: Alemannia Aachen verlor am Ende dann doch sang- und klanglos 0:3 bei Rot-Weiss Essen.

„Das war eine ziemlich souveräne Vorstellung“, strahlte Essens Trainer Christian Titz, der seine Karriere vor vielen Jahren am Tivoli begonnen hatte. Kollege Kilic, der vor der Partie noch so zuversichtlich geklungen hatte, ging eher kleinmütig nach Hause: „Ich kann das Spiel und die Stärke des Gegners ganz gut einordnen.“ Die ambitionierten Essener waren an diesem Tag zu stark für die ambitionierten Aachener.

Deren Start missriet, bereits nach acht Minuten erzielte Joshua Endres die Führung für die Hausherren. Rechtsverteidiger Robin Garnier hatte sein Revier bereits verlassen, als die Aachener den Ball verloren. Den Freiraum nutzte Essens Angreifer dankbar aus zum 1:0. Alemannia schüttelte sich nur kurz, dann fädelte das Team eigene Möglichkeiten an. Florian Rüter verpasste nur knapp eine scharfe Hereingabe von Stipe Batarilo (20.). Dann schlenzte Batarilo in Richtung Winkel, RWE-Torwart Jakob Golz lenkte den Ball gekonnt übers Tor (35.). Und noch eine Chance bekamen die Gäste. Rüter konnte sich genüsslich aus 16 Metern eine Ecke aussuchen, er zielte zu hoch (43.).

Effektivität war auch diesmal kein Aachener Merkmal. Wie sie aussieht, demonstrierten den Gastgeber, die die Könige der Standards in der Regionalliga sind. Torjäger Marcel Platzek verlängerte einen Freistoß mit dem Pausenpfiff zum 2:0 für die Hausherren. „Die machen aus zwei halben Chancen zwei Tore, das ist dann auch Qualität“, urteilte Aachens Kai Bösing. Nach Chancen lag Aachen vorne, nach Toren RWE. „Das ist brutal zu akzeptieren“, sagte Kilic.

Alle Verabredungen zur Aufholjagd hatten sich schnell erledigt. Steven Rakk wehrte nach einer weiteren Ecke auf der Linie den Schuss von Alexander Hahn ab (49.). Dann patzte auch Alexander Heinze, so dass Endres ungestört aufs Aachener Tor zulaufen konnte, er schoss am Tor vorbei (56.). Aachens Kapitän gilt als Zuverlässigkeit auf zwei Beinen, aber an diesem Nachmittag war auch er zuweilen mit einem Wackelkontakt unterwegs. Seine Mannschaft kam nicht mehr auf Touren. Bei den seltenen Ausflügen wurden regelmäßig falsche Entscheidungen getroffen. Ein paar Minuten lang ging das gut, Torwart Ricco Cymer zeigte noch ein paar Paraden, dann war auch er nach einem – allerdings unberechtigten – Eckball geschlagen. Wieder ging Platzek der Hereingabe entgegen, wieder verlängerte er die Kugel mit dem Kopf zum 3:0 (61.) in Netz. „Zweimal entwischt er mir bei Standards“, ärgerte sich der zugeteilte Matti Fiedler. Vor dem Strafraum gingen alle Duelle an Aachens Innenverteidiger, im Strafraum war es umgekehrt mit entsprechenden Folgen.

Alemannia ergab sich, die Gegenwehr wurde eingestellt. In der letzten halben Stunde wurde ein Klassenunterschied sichtbar, die Leistungskurve ging bei fast allen Feldspielern nach unten. Auf den Außenbahnen wurde der Betrieb eingestellt. Die höchste Saisonniederlage hätte noch deutlicher ausfallen können. Ein Lupfer aus 40 Metern von Hedon Sellishta landete auf dem Netz (86.), bei anderen Gelegenheiten musste Cymer noch mal energisch zupacken. Der Laden flog auseinander wie schon lange nicht mehr. „Wir haben den Faden verloren, das hätte auch 5:0 oder 6:0 ausgehen können“, räumte Kilic ein.