Spielbericht: Alemannia Aachen und RW Oberhausen spielen 1:1

Schock in der Nachspielzeit : Alemannia gibt Führung aus der Hand

Lange Zeit sah es am Tivoli nach einem torlosen Remis zwischen Alemannia und RW Oberhausen aus. In den letzten Minuten überschlugen sich dann die Ereignisse. Die Gastgeber gingen in Führung, um noch spät den Ausgleich zu kassieren. Es gab noch mehr Grund zum Hadern.

Als Martin Tietze nach ziemlich genau 94 Minuten und 30 Sekunden die Partie abpfiff, bekam er schnell Besuch. Alemannias Robin Garnier und Kai Bösing waren innerhalb weniger Momente beim Schiedsrichter, kurze Zeit später traf auch schon Trainer Fuat Kilic bei Tietze ein. Sie waren fassungslos wie Reisende, die gerade den letzten Zug verpasst hatten. Der Referee hatte das Spiel gegen Oberhausen in dem Moment beendet, als sich drei Aachener auf den Weg zu einem letzten Angriff machten und nur noch ein Oberhausener im Weg stand. „Solche Entscheidungen sind nicht gut für den Fußball“, ärgerte sich Kilic und bescheinigte Tietze darüber hinaus eine einwandfreie Leistung.

1:1 endete der Vergleich zwischen Alemannia und RW Oberhausen, lange Zeit war es ein Duell ohne viele Höhepunkte, erst in den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse. „Das Ergebnis fühlt sich gerade nicht gut an“, sagte Kai Bösing – der Torschütze.

Der Auftakt war durchaus rasant, schon nach 50 Sekunden tauchte Cihan Özkara ziemlich unbehelligt im Aachener Strafraum auf, um dann ein kümmerliches Schüsschen abzugeben. Auf der Gegenseite tankte sich Florian Rüter durch, seine Vorlage spitzelte RWO-Verteidiger Jerome Propheter in höchster Not aus dem Fünfmeterraum (5.). Der flotte Auftakt war ein leeres Versprechen, die Partie beruhigte sich sehr schnell wieder und verlagerte sich weitgehend ins Mittelfeld, wo um jeden Quadratzentimeter gerungen wurde. Zielstrebige Kombinationen blieben die Ausnahme. Aber erkennbar war Aachen das Team, das mehr investierte an diesem sonnigen Nachmittag. RWO-Kapitän Jannik Löhden ließ sich den Ball an der Mittellinie abluchsen, am Ende des Konters verzog Vincent Boesen um ein paar Meter (17.). Aachens Mittelstürmer musste sich gegen Löhden und Propheter, als etwa vier Meter Innenverteidigung, an diesem Nachmittag plagen.

Aachen initiierte viele Angriffe über den enorm abenteuerlustigen Florian Rüter. Immer wieder tankte sich der Rechtsaußen durch bis zur Grundlinie. Auch die beste Chance des Spiels bereitete er vor. Seine Vorlage landete bei Boesen, aber irgendwie lenkte RWO-Keeper Daniel Davari den Ball noch an seinem Gehäuse vorbei (28.). Alemannia war das aktivere Team, 6:1 Ecken bis zum Wechsel kündeten von den Anstrengungen. Die Mannschaft ist ein bisschen auf den Geschmack gekommen, mit Weitschüssen den Erfolg zu suchen. André Wallenborn hatte Pech. Sein kerniger Linksschuss aus 22 Meter flog vielversprechend in Richtung Ziel, unglücklicherweise stand der Teamkollege Rüter in der Schussbahn.

Alemannia Aachen muss sich mit einem Zähler begnügen

Die nächste Großchance ergab sich gleich nach dem Seitenwechsel, Stipe Batarilo spritzte in die nächste Rüter-Flanke, aber auch diesmal hatte Torwart Daniel Davari wieder seine Finger im Spiel (46.). Ab und zu flogen in den nächsten Minuten ein paar Fernschüsse auf sein Tor, Marco Müller versuchte es aus 30 Meter – und fand seinen Meister (55.).

Die Partie plätscherte ein bisschen dahin, Oberhausens Shaibou Oubeyapwa erinnert sich an den Sinn des Spiels, sein Schuss landete in den Armen von Aachens Torwart Ricco Cymer. Die solide Aachener Abwehr kam nicht in Gefahr. In dieser Phase roch es nach einem torlosen Remis. Draußen an der Seitenlinie korrigierte Gästecoach Mike Terranova unaufhörlich, bis zur 75. Minute hatte er alle vier möglichen Spieler getauscht.

Kilic wechselte zum ersten Mal nach 81 Minuten, Kai Bösing kam aufs Spielfeld, und das war eine weise Entscheidung. Der lange verletzte Mittelfeldspieler zog von der rechten Seite los, traf mit dem (geschädigten) linken Fuß. Unerreichbar landete der abgefälschte Ball im Tor. Gespielt waren 85 Minuten, Alemannia winkte der nicht einmal unverdiente dritte Erfolg in Serie.

Oberhausen lockerte alle Fesseln, Löhden marschierte ins Sturmzentrum. Und tatsächlich verlängerte der Riese in der Nachspielzeit einen Einwurf. „Und dann trifft der kleinste Spieler auf dem Feld“, beobachtete Kilic. Einwechselspieler Julijan Popovic vollendete zum 1:1. Die Gäste wollten noch mehr, rückten auf, und wären vielleicht noch einmal empfindlich ausgekontert worden, wenn da nicht Schiedsrichter Tietze final in sein Pfeifchen geblasen hätte. „Fußballerisch war das heute kein Leckerbissen, aber wir müssen die Führung einfach über die Zeit bringen. So ist es enttäuschend“, ärgerte sich der starke Matti Fiedler.

Die Aachener haderten mit dem frühen Abpfiff – mit einer Ausnahme: „Ich bin zu müde, um mich aufzuregen“, teilte Kapitän Alexander Heinze mit.