Aachen: Sodbrennen bei „B-Noten-Profis”

Aachen: Sodbrennen bei „B-Noten-Profis”

Am Ende dieses Abend verließ die Mannschaft mit finsteren Blicken den Tivoli. Wenn man ein Foto gemacht hätte, könnte man damit gegen Sodbrennen werben. Alemannia verliert 2:3 gegen Energie Cottbus, saust auf Tabellen.-16., das schlägt den Spielern auf den Magen.

„Das ist bitter”, war das kurze Zitat, das man an diesem Abend von jedem Spieler hören konnte. Bitter war, dass nicht die bessere Mannschaft, sondern die Mannschaft mit den besseren Stürmern und den besseren Einwechselspielern die Punkte genüsslich einpackte.

Die Tristesse verbreitete sich großflächig wie ein Gas im Kabinengang des neuen Tivolis. Nur einer wollte sich partout nicht anstecken lassen. „Der Weg ist entscheidend und der stimmt. Da ist ganz viel Handschrift der Trainer zu sehen”, urteilte Peter Hyballa nach der Heimniederlage.

Der 34-Jährige wollte partout nicht mit einstimmen in den vielstimmigen Trauerchor in Aachen. Hyballa war der erste und einzige an diesem Abend, der sich schüttelte und zumindest für die Öffentlichkeit Zuversicht demonstrierte.

„Wir sind nicht stolz darauf, dass wir derzeit gute B-Noten-Fußballer sind. Die Ergebnisse stimmen nicht, aber die Mannschaft zeigt Klasse und Willen.”

Mit dem Urteil ist Hyballa nicht so alleine, gäbe es eine parallele Lob-Tabelle, hätte Alemannia einen Vorderplatz. Aber einstweilen gibt es nur die eine und einzige Tabelle, die nur zwei müde Punkte nach vier Spieltagen aufweist.

Die Mannschaft bekommt ihre Milchzähne, und das ist ein schmerzhafter Prozess. Vielleicht ist er auch mühsamer als dass einige Beteiligte nach den starken Vorbereitung erwartet haben. Die Mannschaft hat ihre Probleme im Angriff und im Abwehrbereich, die bislang erkennbar auch nicht durch die Transfers gelöst wurden.

Im Sturm gilt unverändert das Hoffnungsprinzip Auer, aber der Kapitän hat nach seiner Innenbandverletzung noch Rückstand. Bei den übrigen Angreifern bleibt die Hoffnung, dass jemand im Laufe der Saison sein Zielfernrohr noch richtig justiert.

Gueye arbeitet gut und trifft schlecht. Ojamaa und Tsoumou sind Spieler, die erst beim Casting am Tivoli auffielen. Sie fehlten gegen Cottbus im Kader. Auch sie sind allenfalls perspektivische Lösungen. Der Este wurde an diesem Wochenende komplett geschont. Tsoumou war mit den Amateuren unterwegs. Vielmehr gibt der Kader nicht her.

„Mich nervt das Glück-und-Pech-Gequatsche. Qualität ist es, den Ball über die Torlinie zu schieben”, sagt Hyballa. Das ist bislang nicht Alemannias stärkste Übung - glorreiche Ausnahme Marco Höger. Der Torabschluss steht permanent auf dem Stundenplan.

Und auch im Spielbetrieb bleibt es ausdrücklich erlaubt, die fein herausgespielten Möglichkeiten zu nutzen - zum Beispiel am Dienstagabend beim FSV Frankfurt. Die Lobhudelei hilft der Mannschaft und ihrem Trainer dauerhaft nicht weiter. „Wir müssen jetzt punkten in dieser englischen Woche”, gibt Hyballa vor.

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