Aachen: „Schmusegetue gibt es nicht”

Aachen: „Schmusegetue gibt es nicht”

Beunruhigendes konnte Aachens Trainer Peter Hyballa am Morgen nach dem Pokalsieg gegen Mainz nicht ausmachen: „Es roch in der Kabine wie immer nach Buttermilch, nicht nach Whisky”, grenzte er das Party-Potenzial seiner jungen „Feierbiester” ein.

So reichte ein schlichtes „Gut gemacht, Männer”, um sofort den Fokus auf den kommenden Gegner in der Liga zu lenken. „Wir haben zwei Mal über den VfL Osnabrück geredet, haben im Training Spielformen gefunden, von denen wir denken, dass sie für diese Begegnung wichtig sind, am Samstag ist noch einmal Videoanalyse. Und am Sonntag mache ich meine Mannschaft scharf.”

Das Energiebündel auf der Alemannia-Trainerbank räumt freimütig ein, selbst „scharf” auf diese Liga-Begegnung zu sein, obwohl sie eher in die Abteilung Alltag als in die Kategorie Festbankett fällt: „Ich habe immer Bock darauf zu gewinnen”, räumt Hyballa fröhlich ein. „Am Sonntag haben wir in Bochum ordentlich gespielt und einen Punkt geholt, am Mittwoch hatten wir Erfolg im Pokal, und am kommenden Sonntag sollen drei Punkte her, damit wir in der Tabelle weiter klettern.”

Dass seine Spieler mit drei Partien in acht Tagen kräftemäßig überfordert sein könnten, ist für den 34-Jährigen kein diskussionswürdiges Thema: „Das sind Berufsfußballer, die können das. Dieses ganze Schmusegetue gibt es bei uns nicht. Sollen die lieber nur alle zwei Wochen antreten und zwischendurch die Kohlehydrat-Speicher auffüllen?”, fragt Hyballa - und gibt durch die Wortwahl die Antwort selbst.

Dass die Spieler durch das Erlebnis Pokalspiel schon scharf genug sind auf das nächste Spiel, ist auch nicht auszuschließen: „Das war ein Riesenerlebnis, für einige das bislang größte Spiel ihrer Karriere”, zeigt Aachens Trainer auf. „Die Unterstützung durch das Publikum war fantastisch, danke für den Support. Vielleicht läuft man dann den entscheidenden Zentimeter mehr.”

Das Publikum scheint von dem Vortrag auch begeistert zu sein: In den 24 Stunden nach dem Spiel wurden 1400 Osnabrück-Tickets und 40 Dauerkarten verkauft, am Freitagabend hatten sich 16.500 eine Karte gesichert, maximal 1000 Studienanfänger kommen zudem kostenlos ins Stadion. „Die Zuschauer können Druck machen. Ich hoffe, es kommen nicht direkt Pfiffe, wenn mal etwas nicht klappt”, hofft der Aachener Trainer auf etwas Geduld mit seiner „Junge-Bengel-Mannschaft”.

Spielerisch hat die Mannschaft seit Saisonbeginn jedenfalls große Fortschritte gemacht. „Bei Ballbesitz kriegen wir es sehr gut hin, Raum zu schaffen”, lobt Hyballa. „Wir können auch gut den Raum zustellen, wenn der Gegner den Ball hat und wir nicht in der Nähe der Gegenspieler sind”, sieht er zudem eine klare Verbesserung. Bleibt ein letztes Manko: „Was haben wir uns eine Vielzahl von Chancen erspielt”, stellte Mittelfeldspieler Kevin Kratz nach den Pokal-Bildern im Fernsehen selbst erstaunt fest.

Eine weitere gemeinsame Veranstaltung, die emotional werden kann, ist noch offen: „Sollten wir nicht gewinnen, schau ich mir die Pokal-Auslosung am Sonntag nicht mit der Mannschaft an. Dann bin ich nämlich sauer”, „droht” Hyballa.

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