Düsseldorf: Schmadtke: „Ich bin Alemannia dankbar”

Düsseldorf: Schmadtke: „Ich bin Alemannia dankbar”

Seit sechs Wochen ist Jörg Schmadtke bei Alemannia beurlaubt. „Er ließ sich gehen”, urteilte die Taz damals, weil der 44-Jährige mit der Ankündigung vorgeprescht war, dass der Vertrag im Sommer nicht mehr verlängert würde. Unser Redakteur Christoph Pauli traf sich in dessen Wohnort Düsseldorf mit Schmadtke, der sich erstmals zu der Zeit in Aachen äußerte.

Wie schwierig ist es, sich von einem Verein zu trennen, bei dem man sieben Jahre gearbeitet hat?

Schmadtke: Die Protagonisten machen es einem leicht. Ich bin schon überrascht, was über mich in Aachen erzählt wird. Da haben einige ihr Gedächtnis gelöscht. Fakt ist, die sieben Jahren waren die erfolgreichste Zeit, die Alemannia jemals erlebt hat. Aber vielleicht will man das nicht mehr wahr haben.

Woran ist die Beziehung gescheitert?

Schmadtke: Es gab unterschiedliche Sichtweisen, was geschehen ist, was passieren soll.

Kann man sagen, dass Sie die beste Zeit in den ersten Jahren erlebt haben, als Sie quasi der Verein waren?

Schmadtke: Ich war nie der Verein. Ein Verein wird von den Fans dargestellt. Die Menschen auf der Straße haben letztlich den Verein gerettet.

In den ersten drei, vier Jahren hat der eher verzweifelte Klub Ihnen völlig vertraut. Kompliziert ist es erst geworden, als der Verein erwachsen wurde und Strukturen geschaffen wurden.

Schmadtke: Das Vertrauen war nicht von Anfang an da, es ist nach dem ersten Jahr gewachsen. Zu Beginn waren andere Dinge als heute gefordert. Ohne Mittel Transfers hinzubekommen war einfacher, weil zu wenig Substanz vorhanden war. Wenn die Substanz da ist, wird es immer komplexer: Ohne Geld, den Kader zu verbessern, ist schon schwierig. Die Erwartungen sind dennoch gestiegen, vielleicht hat diesen Anpassungsprozess nicht jeder hinbekommen.

Haben Sie ihn hinbekommen, als plötzlich neue Vorgesetzte auftauchten und Gremien wichtiger wurden?

Schmadtke: Die Strukturen haben ich in meinem Bereich erst geschaffen, sie haben die Arbeit erleichtert. Es gab in meinen Bereich tolle Mitarbeiter, die gute Arbeit geleistet haben und jetzt Probleme bekommen, weil sie mit mir gut ausgekommen sind. Die Problematik ist eine andere: Man muss anerkennen, dass Alemannia sich langfristig noch nicht mit Hannover, Köln oder Gladbach messen kann. Dafür fehlt die Wirtschaftlichkeit. Das muss man akzeptieren.

Ist Ihr Leben nicht unruhiger geworden, als plötzlich Leute in den Gremien auftauchten, die informiert und mitgenommen werden wollten?

Schmadtke: Ich habe jeden ernst genommen. Über das Mitnehmen kann man diskutieren. Ich denke intensiv darüber nach, ob es ausgereicht hat. Aber es manchmal schwierig jemanden mitzunehmen, der den Unterschied zwischen DFB und DFL nicht kennt.

Beklagen Sie mangelnden Respekt?

Schmadtke: Nein, man hat sich bemüht.

Gab es eine beste Phase am Tivoli?

Schmadtke: Das halbe Jahr nach dem Abstieg hat mir nicht so gut gefallen, aber ansonsten hat jede Phase ihren Reiz und ihre Herausforderung gehabt.

Gab es einen Trainer, mit dem Sie besonders gut und gerne gearbeitet haben?

Schmadtke: Es gab die Ausnahme Guido Buchwald. Ansonsten waren die Arbeitsweisen immer richtig gut, auch wenn wir uns nicht immer einig waren. Reibereien sind manchmal aber auch förderlich. Das haben wir unterm Strich gut hinbekommen.

Kennen Sie die Kandidatenliste für Ihre Nachfolge?

Schmadtke: Ich habe sie gelesen.

Als Sie im März aufhören wollten, gab es das Angebot bei der Nachfragewahl zu helfen. Haben Sie heute noch Kontakte zum Klub?

Schmadtke: Natürlich habe ich den Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern. Vom Verein habe ich offiziell nichts mehr gehört. In meiner Beurlaubung durch den Aufsichtsrat steht, dass der Klub noch einmal auf mich zukommen wird.

Wie intensiv verfolgen Sie das Geschehen in Aachen?

Schmadtke: Ich interessiere mich dafür, schaue mir die Spiele an, wenn es passt. Aber ich gehe nicht in ein Stadion, in dem Aachen spielt, weil das als unnötige Provokation angesehen werden könnte. Ich sehe das zwar anders, halte mich trotzdem fern.

Wie ist Ihr Plan? Gibt es bald wieder einen Sportdirektor Schmadtke oder sogar den Trainer Schmadtke?

Schmadtke: Ich lasse alles auf mich zukommen, derzeit gehe ich aber davon aus, dass ich wieder als Sportdirektor arbeiten werde.

Gibt es Anfragen?

Schmadtke: Nein, es ist doch alles besetzt.

Haben Sie die Idee, wieder einen Verein zu reanimieren, oder sind Sie jetzt so etabliert, dass Sie sofort bei einem Erstligisten oder ambitionierten Zweitligisten anfangen wollen?

Schmadtke: Mich reizen Aufgaben und Aufgabenstellungen.

Werden Sie beim nächsten Mal etwas anders machen?

Schmadtke: Ich denke schon daran, den Herren aus dem Aufsichtsrat etwas mehr Wichtigkeit zuzugestehen.

Das ist dann eine strategische Überlegung, keine Überzeugung.

Schmadtke: Ich bin unverändert davon überzeugt, dass man einen Fußballverein nicht ehrenamtlich leiten kann. Deswegen gliedern alle Klubs ihre Fußballabteilungen aus, die von hauptberuflich Angestellten professionell geführt werden.

Aachen hat nach unserem Kenntnisstand seine Abteilung auch ausgegliedert.

Schmadtke: Ja stimmt.

Funktioniert der Klub nicht dann besonders gut, wenn man sich auf Ihre Spielregeln einlässt?

Schmadtke: Nein, man muss nur für irgendetwas stehen. Nur so kann man einen Verein entwickeln und nach vorne bringen. Einfach nur etwas machen ohne die notwendige Substanz funktioniert nicht.

Am letzten gemeinsamen Abend haben Sie die Spielregeln bestimmt, indem Sie die Trennung bekannt gegeben haben. Der Verein wollte mit der Nachricht warten.

Schmadtke: Stimmt, aber nach dem Gesprächen am Donnerstag und Freitag war es nicht mehr möglich.

Das Gefühl, dass es auf die Trennung hinausläuft, gab es doch schon im März.

Schmadtke: Damals hatte ich diesen Eindruck, der sich dann aber verflüchtigt hatte. Die Transferperiode im Sommer war dann annähernd perfekt. Spricht das nicht für hohe Professionalität?

Die Trennung im Frühjahr ist nur am Geld gescheitert.

Schmadtke: Dass ich nicht mehr arbeite, ist eine Entscheidung von Alemannia, nicht meine.

Gibt es ein Wort, mit dem Sie die Zeit in Aachen beschreiben würden?

Schmadtke: Dankbar. Ich bin dankbar dafür, als Neuling die Chancen erhalten zu haben. Es war schon mutig oder meinetwegen auch verzweifelt von der Vereinsführung, sich einem Anfänger anzuvertrauen. In den Jahren sind dann viele Türen für mich aufgegangen, weil die Erfolge da waren. Aber unterm Strich hat mir Alemannia erst die Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu sein.

Warum haben die Beteiligten die Scheidung nicht vernünftig hinbekommen?

Schmadtke: Weil sie ablaufen wie im wahren Leben. Es gibt Verletzte auf beiden Seiten. Es ist schade, aber es ist so.

Wenn das neue Stadion eingeweiht wird, werden Sie hingehen?

Schmadtke: Wenn ich eingeladen werde - gerne, falls es meine Zeit erlaubt. Aber ich werde keine Einladung öffentlich fordern.

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