Aachen: Probleme mit der Königsdisziplin

Aachen: Probleme mit der Königsdisziplin

Bislang ist Alemannia eine perfekte Besetzung für die Opferrolle in Liga 2. Die Mannschaft ist zwischen den Strafräumen mindestens ordentlich, zeitweise sogar spektakulär unterwegs. Nur in der Königsdisziplin hakt es nachhaltig.

„Die Durchschlagskraft fehlt, so ein Spiel wie gegen Cottbus darfst du niemals verlieren”, sagt Trainer Peter Hyballa, der seit Wochen immer dieselbe Platte auflegen könnte. Diese Platte knarzt von einer guten Entwicklung, von schönen Kombinationen, aber auch von einer notorischen Schwäche im Abschluss. Die Lust auf Komplimente ist einstweilen vergangen.

„Wir sind vorne und hinten nicht entschlossen genug”, sagt der in der Liga noch sieglose Coach. Die Tonart wird rauer. „Letztendlich haben wir am Freitag keinen guten Job gemacht, sonst gewinnst du das Spiel”, kritisierte Hyballa. „Das hat nichts mit dem Alter vieler Spieler zu tun, die Fehler werden auch von gestandenen Profis gemacht.”

Die Mannschaft ist unversehens in Gefilden gelandet, die sie meiden wollte. „Nach der Vorbereitung hatte ich in den schlimmsten Träumen nicht gedacht, dass wir nur zwei Punkte aus vier Spielen haben”, sagt der Trainer.

Diese letzte Partie gegen Cottbus gab dem Stab nicht viele neue Hinweise. Und so wird es heute beim FSV Frankfurt kein großes Face-Lifting geben. Über ein, zwei Veränderungen denkt Hyballa nach. Und dabei geht es um das Kernproblem: Wie werde ich torgefährlicher?

Ein Konstruktionsproblem dieser Mannschaft ist, dass sie in der spielentscheidenden Region keine herausragenden Spieler hat, wenn Benny Auer fehlt. Der Kapitän hat noch Rückstand, wie die Zuschauer in den letzten Minuten des Spiels beobachten konnten. Ist vier Tage später schon alles anders? Kann man ihn über starke Außenspieler deutlich besser zur Geltung bringen? Die Frage bewegt die Trainer.

Eine andere Option wäre es, Tolgay Arslan einen Startplatz zu geben. Der junge Türke wirbelte durchaus auffällig durch die Cottbuser Reihen - 500 Sekunden lang. Der 20-Jährige muss sich aber erst das Vertrauen der Trainer erarbeiten, sagt Hyballa. Die Fehlpass-Orgie in Karlsruhe ist noch nicht gelöscht, und auch in Fürth fiel er mit einer munteren Defensiv- und einer törichten Offensivaktion auf.

Und auch Thomas Zdebel, den Manager Erik Meijer vor der Saison als Korsettstange der Mannschaft einstufte, ist ein Thema in den Überlegungen. Der Routinier ist bislang nur ein Minuten-Mann. Frühzeitig ist die unerfahrene Mannschaft schon in Not geraten, ohne dass jemand zum Panik-Knopf greift.

„Wir verlieren hier alle nicht die Nerven, weil die Trainingsarbeit und die Ansprachen sehr fruchten. Wir merken, dass wir mit jedem Team in der Liga spielerisch mithalten können. Daran zieht sich die Mannschaft hoch”, meint Hyballa. Zweifel sollen nicht wachsen. Das Gegengift: „Die Mannschaft muss das Gefühl kennenlernen, dass sie gewinnen kann.”

Seit acht Monaten zu Hause unbesiegt

Im letzten Jahr schlitterte der FSV Frankfurt knapp am Abstieg vorbei, der neue FSV wirkt deutlich gefestigter. „Wir spielen gegen den Abstieg, aber ich bin optimistisch, dass wir nicht mehr ganz so viel zittern müssen”, sagt Geschäftsführer Bernd Reisig.

Am Wochenende verlor das Team verdient bei Greuther Fürth. Wieder verlor es nach einem Gegentor den roten Faden. „Gegen Aachen können wir es besser und vor allem Dingen gut machen”, urteilte Trainer Hans-Jürgen Boysen. Seine Mannschaft ist seit dem 22.Januar zu Hause unbesiegt.

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