Aachen: Powerplay im Erzgebirge - doch Alemannia verliert

Aachen: Powerplay im Erzgebirge - doch Alemannia verliert

Seit dem Abstieg aus der Bundesliga vor vier Jahren hatte Alemannia Aachen zum Saisonauftakt nicht mehr verloren (ein Sieg, drei Unentschieden). Diese schöne Serie ist Geschichte.

Mit 0:1 unterlagen die Schwarz-Gelben vor 9500 Zuschauern bei Erzgebirge Aue, und nicht nur Kapitän Benny Auer fands „unglaublich - bei den Möglichkeiten, die wir uns herausgespielt haben. Wir waren in fast allen Belangen überlegen, dieses Spiel hätten wir gewinnen müssen.” Aber: Die schon in der Vorbereitung auffällige Abschlussschwäche brach der Alemannia das Genick.

„Das ist sehr ärgerlich”, Cheftrainer Peter Hyballa hörte hinterher in der Kabine „ganz oft das Wort mit ,sch. Wir haben viele Sachen gut gemacht, aber eine richtig schlecht - beim Gegentor.” Mit vier Zugängen in der Startelf trat Alemannia im Erzgebirgsstadion an. Überraschungen blieben aus - Boy Waterman hatte am Samstagmorgen erfahren, dass er den bisherigen Stammkeeper David Hohs verdrängt und die Nummer eins ist. Ihre Zweitliga-Premiere gaben außerdem Bas Sibum, Mario Erb und Marco Stiepermann. Aus der Formation, die vor einem Jahr gegen Union Berlin (2:2) begann, waren nur noch vier Spieler übrig geblieben: Tobias Feisthammel, Kevin Kratz, Alper Uludag und Manuel Junglas.

Die Aachen-Edition 2011/12 interpretierte den Anpfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann erwartungsgemäß nicht als Aufforderung, gleich das Visier hochzuklappen. Aue erst mal austoben lassen, die Ordnung behalten - und dann Nadelstiche setzen: Kapitän Benny Auer (7.) verbuchte Alemannias ersten Torschuss der Saison. Fünf Minuten später eroberte Stiepermann den Ball - und verlor ihn gleich wieder. Dass der Konter kein Unheil durch Müller anrichtete, war Seyi Olajengbesi zu verdanken, der zur Ecke klärte.

Von einem Sommerkick oder typischen ersten Saisonspiel konnte dann keine Rede mehr sein. Es ging hin und her zwischen den Strafräumen; Aue sorgte vor allem über den rechten Flügel durch Schlitte für Gefahr, Alemannia zündete Distanzschüsse (Kratz, Uludag, Junglas), Stiepermann scheiterte mit einem Heber. Höchste Qualität hatten zwei Chancen der Gastgeber: Hochscheidt, von Kern freigespielt, umkurvte Waterman und setzte den Ball übers Tor (25.), dann musste der niederländische Keeper nach einem Freistoß von Kern (28.) blitzschnell die Fäuste hochreißen.

Nur eins von fünf Spielen in Aue hatte Alemannia bis Samstagmittag gewonnen (am 22. Februar 2004 durch ein Tor von Cristian Fiel); nach dem Seitenwechsel deutete sich der zweite Erfolg an. Nach Balleroberung und Doppelpass mit Stiepermann zielte Auer von rechts knapp vorbei (48.), keine 120 Sekunden später verfehlte Junglas von links den Kasten. Aue war im Schwitzkasten - und befreite sich: Fabian Müller startete ein Solo, konnte auch von Olajengbesi nicht gestoppt werden. Mit einem Flachschuss brachte der Linksverteidiger den letztjährigen Aufsteiger in Führung (53.).

Alles war jetzt möglich: Stiepermann und Auer hatten insgesamt fünf (!) Mal den Ausgleich auf dem Fuß, Le Beau und Hochscheidt verpassten die Vorentscheidung. Ein wahres Torschuss-Spektakel, in dem Alemannia 80 Prozent des Spiels diktierte und ein Powerplay aufzog, dass dem Team von Rico Schmitt („Aachen war die bessere Mannschaft”) fast die Luft wegblieb. Die zwingende, erfolgreiche Idee hatte dann um ein Haar der eingewechselte Timo Achenbach mit einem langen Ball auf den rechten Flügel, doch auch Feisthammel verzog zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit. Viel Aufwand, kein Ertrag zum Saisonstart.