Polizeieinsatz im Alemannia-Block: Sportgericht ermittelt

Alemannia bei Wattenscheid 09 : Sportgericht beschäftigt sich mit der Blockräumung

Das Spiel seiner Mannschaft bei Wattenscheid 09 hat Alemannia Aachens Geschäftsführer nicht besuchen können. Eine Familienfeier stand an. Aber schon während der Regionalliga-Partie bekam er Anrufe und Nachrichten.

Martin vom Hofe wusste da bereits, dass da kein normales Ligaspiel im Lohrheidestadion stattfand. Inzwischen ermittelt das Sportgericht des Westdeutschen Fußballverbandes.

Dem Gremium liegt der Spielbericht vor, wonach die Partie auf Bitten der Polizei 15 Minuten später angepfiffen wurde. Das gehört zu den gesicherten Fakten, viele andere Geschehnisse sind strittig. Ein Ordner kam verletzt ins Krankenhaus, wurde am Tag nach dem Spiel wieder entlassen.

Wie genau seine Verletzungen entstanden sind, müsse nun im Rahmen der weiteren Ermittlungen geklärt werden, teilt die Bochumer Polizei ein paar Tage später mit. Sie hat Anzeige wegen schwerer Körperverletzung gestellt. Der Einsatzleiter des Spiels hatte zunächst davon berichtet, dass Aachener Fans dem Ordner eine Flasche auf den Kopf geschlagen hätten.

Verdacht auf Pyrotechnik

Zudem hatte er berichtet, dass Fans heimlich versucht hätten, eine große Fahne ins Stadion zu schmuggeln. Für die Polizei war das alarmierend, sie befürchteten, dass unter dem großen Textil Pyrofackeln angezündet werden könnten. „Wir hatten Hinweise, dass Fans aus Kerkrade mit Pyrotechnik anreisen“, sagt ein Sprecher der Behörde.

Zudem hätte es einen Kassensturm gegeben, dabei seien „nach derzeitigem Erkenntnisstand“ bis zu 30 Personen unkontrolliert in den Block gelang, sagt die Polizei. Auch dabei habe eine Ordnerin leichtere Verletzungen erlitten, als Gästefans sie gegen einen Zaun drückten, sagt die Behörde. Die Polizei selbst filmte den Einsatz, die Bilder werden nun ausgewertet.

Der Kassensturm und der verspätete Anpfiff ist auch im Spielbericht festgehalten, Schiedsrichter Alexander Schuh hat allerdings keinen Sonderbericht verfasst. Die Polizei entschied sich an diesem trüben Dezembertag, den Block wieder zu räumen und eine neue Personenkontrolle anzusetzen. Niemand sollte ohne Karte oder mit Pyromaterial ins Stadion gelangen.

Aus Polizeisicht wurde es nötig, „Pfefferspray“ und den „Einsatzmehrzweckstock“ einzusetzen. Aus Sicht der Fans war der Einsatz völlig überzogen und maßlos. Auch unbeteiligte Fans seien betroffen gewesen, Personen seien „übel zugerichtet“ worden. Man erwarte nun, dass sich der Verein hinter seine Anhänger stelle.

Alemannias Präsident Martin Fröhlich berichtet in der Tat, dass es „Rückmeldungen von sehr gemäßigten Menschen gebe, die den Polizeieinsatz für nicht sehr gelungen oder nicht angemessen halten“. Er sagt aber auch: „Gewalt ist unter keinen Umständen zu tolerieren.  Klar ist auch, dass die Polizei nach derzeitigen Erkenntnissen erst durch regelwidriges Verhalten auf den Plan gerufen wurde.“ Der Verein will den verletzten Ordner zu einem Heimspiel nach Aachen einladen.

Stellungnahme bis Donnerstag

Alemannias Geschäftsführer muss nun bis Donnerstag, 13. Dezember, eine Stellungnahme abgeben, der Verein trägt seine Erkenntnisse gerade zusammen. Dann entscheidet der Kammervorsitzende, ob er das Verfahren einstellt, eine mündliche Verhandlung ansetzt oder den Vorgang schriftlich erledigt.

Seit Saisonbeginn 2015 hat Alemannia 16.450 Euro an Strafen für Fanvergehen begleichen müssen, teilt ein Verbandssprecher mit. Darunter waren auch 100 Euro für ein Fehlverhalten bei einem Regionalliga-Spiel der Frauen. Zuletzt wurde das Strafmaß für den Wiederholungstäter Alemannia regelmäßig erhöht.

Im August noch wurden 5000 Euro fällig, nachdem beim Gastspiel in Oberhausen Wurfgeschosse aus dem Aachener Stehplatzblock in Richtung Spielfeld geflogen waren. Die finanzielle Buße war nach einem Aachener Einspruch noch reduziert worden.

(pa)
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