Aachen: Neuer Alemannia-Trainer: Kaderplanung ab Sonntag

Aachen : Neuer Alemannia-Trainer: Kaderplanung ab Sonntag

Am Tag, an dem sein Nachfolger vorgestellt wurde, kam Peter Schubert nicht aufs Gelände. Alemannia Aachens scheidender Cheftrainer ist erkrankt, er hat seit Montag einen ärztlich begutachteten dicken Hals, und man könnte nun sagen: Passt ja.

„Co“ Reiner Plaßhenrich und Torwartcoach Ralf Westig leiteten die Einheit am Donnerstagvormittag. Im Presseraum des Tivolis saß derweil Christian Benbennek und schwärmte wie viele Fußballlehrer, die gerade einen Vertrag an der Krefelder Straße unterschrieben haben. „Große Klubs gibt es ja nicht so viele. Einer hat angerufen“, da freue man sich natürlich.

Eben noch sei er im leeren Stadion gewesen. „Das kannst du doch keinem erzählen, dass hier ein Viertligist spielt.“ Auch das Wort „Riesenherausforderung“ fehlte nicht. Benbennek, 42, hat für zwei Jahre unterschrieben, Schubert hätte nur für ein Jahr verlängern sollen, und dass Benbennek nun das Erbe eines Mannes antritt, der — für Aachener Verhältnisse die absolute Ausnahme — nicht wegen chronischer Punktediät geht, ist für den gebürtigen Soltauer kein Problem. „Ich bin immer dahin gegangen, wo zuvor ein erfolgreicher Trainer war.“

Der als Favorit gehandelte Benbennek machte ein Rennen, das offensichtlich gar keins war. Die guten Kontakte zu Alexander Klitzpera führten schnell zum Abschluss. Am Sonntagabend, nachdem Schubert seinen Abschied verkündet hatte, sei der Anruf wegen eines Engagements gekommen. Alemannias Manager reagierte schnell, er war vorbereitet, „das gehört zu den Aufgaben eines Sportdirektors“. Christian Benbennek kommt vom TSV Havelse, mit bescheidenen Mitteln führte er den Klub auf Platz vier der Regionalliga Nord, und nun möchte er „den nächsten Schritt gehen und unter professionellen Bedingungen arbeiten“.

Trainingsauftakt am 20. Juni

Kurzfristig heißt das vor seinem letzten Spiel Freitagabend bei der FT Braunschweig: „Die Kaderplanung vorantreiben. Das ist die Grundlage von allem. Es ist wichtig, dass am ersten Tag alles steht“, zum Trainingsauftakt am 20. Juni. Erst dann wird der neue Chefcoach erstmals zur Mannschaft sprechen. Aber natürlich wird er ab Sonntag das Gespräch vor allen mit den Profis suchen, die Alemannia unbedingt auf der Gehaltsliste behalten möchte.

Auf ein Saisonziel nach einem Jahr, das eventuell mit der Vizemeisterschaft endet, lässt sich Christian Benbennek nicht festnageln. „Das wäre unseriös“, aber zu Recht habe der Verein einen Anspruch, wo er wieder hin will. „So was“, den Aufstieg, „kann man nicht planen. Das ist RB Leipzig auch mit viel Geld nicht gelungen.“

Der neue Chefcoach wird „mit Sicherheit mal mit Peter Schubert telefonieren“ und einen neuen Assistenten mitbringen. Reiner Plaßhenrich habe unverändert ein Angebot als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums vorliegen, sagt Alexander Klitzpera. Benbennek wird sich unter „zwei, drei Kandidaten entscheiden. Der muss zu mir, aber auch hierher passen.“ Namen nennt er nicht, sonst seien die beleidigt, die es nicht werden. Die Familie bleibt in Braunschweig, die sechsjährige Tochter wird dort auch eingeschult.

Noch zu Zweitliga-Zeiten war Benbennek bereits für Alemannia aktiv, als Scout im norddeutschen Raum. Er gilt als emotionaler Typ an der Seitenlinie. „Ich verlange von einer Mannschaft, dass sie mit Herz und Leidenschaft spielt“, quasi eine Wechselwirkung.

„Ich fresse nicht alles in mich rein.“ Zum Fußball habe er „immer ganz viele Ideen im Kopf“, aber die eine, die seine bevorzugte Art des Spiels ist, die gibt es nicht. „Wir müssen körperlich dominanter gegen die Zweiten Mannschaften sein. Schnell umschalten in beide Richtungen gegen die guten Teams. Und es wird Mannschaften geben, die sich hinten reinstellen. Wir müssen der Liga und den Gegnern gerecht werden.“

Manchmal verwöhnt sich der Hobby-Koch Christian Benbennek kulinarisch. „Wenn es richtig schlecht gelaufen ist“, sportlich. „Nach Siegen reicht ein Knäckebrot.“ Am Tivoli hoffen sie nun, dass der Mann seine Künste am Herd nicht verfeinert.

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