Netzschau zum Spiel von Alemannia Aachen gegen die SG Wattenscheid 09

Netzschau zum Spiel der Alemannia in Wattenscheid : Eine Fahrt, zwei Würstchen, drei Punkte

Im Fußball gibt es Mannschaften, die liegen einem so gar nicht. Wieder und wieder tritt man gegen diese Angstgegner an. Und immer wieder steht man am Schluss mit leeren Händen da. Es ist wie verflucht. Doch wenn Flüche für etwas gut sind, dann, um sie zu brechen! Und genau das tat die Alemannia am Montagabend in Wattenscheid. Hatte zeitgleich vor Ort in beiden Händen eine Stadionwurst: die Netzschau.

Nach dem Sieg der Alemannia zuhause gegen den Tabellenführer aus Rödinghausen wies die Netzschau an dieser Stelle darauf hin, dass der Erfolg im folgenden Auswärtsspiel in Wattenscheid untermauert werden muss. Wattenscheid. Ausgerechnet Wattenscheid. Nur die ältesten Alemannia-Fans werden sich noch an ein erfolgreiches Spiel gegen die Nullneuner erinnern. Es war in Aachen am Nikolaustag 2014. Durch einen Doppelpack von Fabian Graudenz und einem verwandelten Elfmeter von Tim Jerat gewannen die Hausherren auf dem Tivoli 3:0. In den folgenden Jahren gab es acht Niederlagen am Stück. Aber gut. Jeder Fluch ist auch nur da, um gebrochen zu werden.

Und warum nicht gleich, wenn ganz Fußball-Deutschland das Spiel live im Fernsehen verfolgen konnte? So hieß es am Montagabend wieder: Matchday!

Rund 300 Aachener machten sich von der Kaiserstadt auf, um ihr Team im Lohrheidestadion zu unterstützen. Doch bevor es auf die Plätze ging, hieß es vor den Eingängen erst einmal „Wartenscheid“. Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr, hatte sich die Polizei ein besonders strenges Sicherheitskonzept überlegt. Entsprechend langsam ging es für die schwarz-gelbe Anhängerschaft durch Einlasskontrollen. Manch einer fühlte sich da im Inneren schon einsam:

Da galt mal wieder das alte und bisher nicht existierende Sprichwort: „Wer zu früh im Stadion ist, verpasst die Fachgespräche vor dem Stadion.“

Und wer weder im noch vor dem Stadion sein konnte, der konnte die Partie zuhause im Fernsehen verfolgen.

Wobei davon nicht alle begeistert waren:

Was aber zuhause an den Bildschirmen noch viel ärgerlicher gewesen sein dürfte: Dort gab es nicht DIE Wurst. In der Netzschau halten wir uns ja mit Superlativen und Übertreibungen immer zurück. Sachlich und nüchtern, das ist die … ok, vergessen wir das. Und die Gegner der Alemannia loben? Für was? Eine Ausnahme müssen wir aber einmal in der Saison machen und zwar bei der Wattenscheider Stadionwurst: ein Traum. Na, schon Hunger bekommen? Spätestens mit diesem Bild hier schon:

An der Stelle eine kleine Beichte: Für die Netzschau gab es nicht nur eine Bratwurst. Es gab zwei. Und sie schämt sich für nichts!

Noch ein kurzer Blick auf die Ränge:

Und los ging es. Und wie! Die Alemannia nahm den Schwung aus dem Spiel gegen Rödinghausen mit und kannte nur eine Richtung: nach vorne. Es waren keine fünf Minuten gespielt, da erzielte Vincent Boesen die Führung für die Gäste.

Ausgerechnet Boesen. Aachens Nummer 9 startete als dritter Stürmer in die Saison. Nach dem Kreuzbandriss von David Bors und dem Abgang von Gary Noël ist der 20-Jährige Alemannias neue Sturmhoffnung. Und er liefert: Tor nach seiner Einwechslung in Köln, Tor zuhause gegen Rödinghausen und Treffer Nummer drei in Wattenscheid. Da hat jemand einen Lauf!

Gut lief es am Montag auch für Stipe Batarilo. Keine fünf Minuten nach der Führung erhöhte Aachens Offensivmann auf 2:0. An der Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Partie gegen Wattenscheid gespielt wurde. In Wattenscheid. Acht Niederlagen in Folge gegen die SG, noch kein Auswärtspunkt in dieser Saison. Und dann aus heiterem Himmel eine 2:0-Führung nach zehn Minuten!

Aber die Alemannia wäre nicht die Alemannia, wenn sie ein solches Spiel nicht noch unnötig spannend machen würden. Nach einem Foul an Robin Garnier, das Schiedsrichter Bastian Börner, der seinem Namen an diesem Abend nicht gerecht wurde, markierte Berkant Canbukut den Anschlusstreffer für die Hausherren.

Pause!

Und die zweite Hälfte? Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Das Spiel wurde ausgeglichener, Schiri Börner pfiff immer noch nach den Regeln einer anderen Sportart, der Ball war häufig in der Luft, sehr hoch, teils nicht mehr vom Boden aus zu sehen, es gab noch vereinzelte Chancen und wenn es richtig dumm gelaufen wäre, hätte die Alemannia nicht alle Punkte aus Wattenscheid entführt – trotz Blitzstart. Da am Montag aber „Wir brechen den Fluch“-Tag für die Schwarz-Gelben war, aller guten Dinge drei mal drei sind, blieb es beim 2:1 und im neunten Anlauf gelang endlich wieder ein Erfolg gegen Wattenscheid.

Der erste Auswärtssieg war eingetütet, der zweite Sieg in Folge geschafft.

Entsprechend wurde die Mannschaft nach dem Spiel vom eigenen Anhang gefeiert:

Auch Aachens Trainer war natürlich glücklich über das Ergebnis, wie er auf der anschließenden Pressekonferenz verriet:

Weil das nach dem Spiel gegen Rödinghausen schon so gut geklappt hat: Der Sieg in Wattenscheid muss natürlich im kommenden Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen untermauert und bestätigt werden. Wenn das Unterfangen erfolgreich gestaltet wird, würde mit drei Siegen in Folge sogar schon eine kleine Serie bestehen. Aber wie heißt es so schön? Das nächste Spiel ist das schwerste. Also Abwarten und Tee trinken. Schaut sich bis dahin noch einmal die Treffer in Wattenscheid an, um die Zeit bis zum Anstoß am Samstag sinnvoll zu nutzen: die Netzschau.

Mehr von Aachener Nachrichten