Netzschau zum Spiel Fortuna Köln gegen Alemannia Aachen

Netzschau zum Spiel bei Fortuna Köln : Pfeifkonzert und Pyro im Südstadion

Am Montagabend kam es im Kölner Südstadion zur Neuauflage der FVM-Pokalfinalpaarung 2019: Die Alemannia musste bei der Fortuna ran. Das Geschehen auf dem Rasen war aber lange Zeit nur Nebensache. Zunächst schwiegen die Fans, dann schrillten die Trillerpfeifen, gefolgt von einer fragwürdigen Pyro-Aktion. Gespielt wurde aber auch noch. Mittendrin statt nur dabei: die Netzschau.

Es war der 25. Mai 2019. In Bonn traf die Alemannia im Endspiel um den FVM-Pokal auf den als Drittligaabsteiger feststehenden SC Fortuna Köln. Vor über 6000 Zuschauer im Sportpark Nord rangen die Schwarz-Gelben die Südstädter mit 3:1 nieder und feierten nach Jahren der Tristesse wieder einen größeren Erfolg.

Fast ein halbes Jahr später kam es am Montagabend im Rahmen der Regionalliga West zur Neuauflage der Finalpartie. Es war das erste Ligaspiel der beiden Vereine seit der Saison 2013/14. Und es sollte ein denkwürdiges werden.

Die Begegnung war als Abschluss des 16. Spieltages angesetzt, Sport1 hatte sie sich für eine Live-Übertragung ausgesucht und so fand sie montagsabends zur Prime-Time statt. Fast wie zu besten Zweitligazeiten beider Clubs.

Doch die Ansetzungen, die durch den Münchener TV-Sender zustande kommen, sind vielen Fans mittlerweile ein Dorn im Auge – doch dazu später mehr.

Erst einmal hieß es „Matchday“. Das Motto: Glotze aus, Stadion an.

Sofern es zeitlich machbar war, reisten die Alemannen der Mannschaft von Fuat Kilic selbstverständlich hinterher. Schließlich galt es die neue Serie der ungeschlagenen Spiele (Punkt in Verl, Sieg in Dortmund, Sieg gegen den Fohlennachwuchs aus Mönchengladbach und ein Sieg im FVM-Pokal im Auswärtsspiel zuhause über Raspo Brand) zu verteidigen. Die Anreise war dabei für manche Fans lang. Für manche kurz. Und einige mussten fast nur aus der Haustüre fallen:

Und dann waren sie da, die Aachener. Hurra, hurra!

Doch Stimmung auf den Rängen, die von über 2600 Zuschauern besucht wurden, gab es zunächst nicht. Die Fanlager beider Vereine hatten sich auf eine gemeinsame Protestaktion geeinigt: Die ersten 30 Minuten der Partie sollten schweigend verfolgt werden.

Grund dafür ist die Unzufriedenheit der Spielansetzungen, die durch die Live-Übertragungen von Sport1 mitbestimmt werden. „Fußball ist samstags“ gilt schon lange nicht mehr, doch weite Auswärtsfahrten unter der Woche sind für viele Anhänger nicht mehr akzeptabel. Auch, weil die Vereine aus Sicht der Fans davon nicht einmal finanziell profitieren. Pro Saison zahlt Sport1 6000 Euro an die Vereine für die Übertragungsrechte, das sind gerade einmal 315 Euro pro Klub. Dafür bleiben auf der anderen Seite sicher einige Zuschauer dem Stadion fern, um es zuhause zu schauen. Die Kritik an diesem System ist in Teilen nachvollziehbar.

Auf der anderen Seite bieten Live-Übertragungen den Vereinen sicher auch weitere Vermarktungsmöglichkeiten, es kann Imagepflege und Eigenwerbung betrieben werden, die sich in potenziellen Sponsorengeldern niederschlägt.

Für alle Klub-Verantwortlichen eine Gratwanderung: Die Fans, die regelmäßig ins Stadion kommen und die Mannschaft auswärts begleiten, will und darf man nicht vergraulen. Sie sind die Basis. Ohne diese treuen Anhänger können Vereine dicht machen. Gleichzeitig will man aber medial nicht ganz von der Landkarte verschwinden, was gerade im Fernsehen (klassisch und im Stream per Web) eine echte Herausforderung bei all den (Fußball-)Übertragungen ist.

Doch das Recht auf Protest und Meinungsäußerung haben selbstverständlich alle Fans. Positiv ist auch zu erwähnen, dass dieser friedlich verlief, ganz nach dem Motto: In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Und so bleib es die ersten 30 Minuten sehr still im Südstadion.

Dann aber wurde es laut. Beide Fanlager hatten sich mit Trillerpfeifen ausgestattet und „pfiffen auf Sport1“. Schiedsrichter Christian Scheper unterbrach die Partie aufgrund des Lärms, in dem die Spieler seine Pfiffe nicht mehr wahrnehmen konnten. Da das Pfeifkonzert kein Ende nahm, schickte er beide Teams zurück in die Kabinen.

Erst nach einer Viertelstunde, in der unter anderem Aachens Kapitän Peter Hackenberg und auch Trainer Fuat Kilic beim eigenen Anhang für ein Ende der Trillerpfeifennutzung warben und vor einem Spielabbruch warnten, konnte die Partie fortgesetzt werden.

Obwohl die Schwarz-Gelben auf dem Rasen mehr vom Spiel und die besseren Chancen hatten, ging es letztendlich nach einer denkwürdigen ersten Halbezeit torlos in die Kabinen.

Kurz nach dem Wiederanpfiff musste Schiedsrichter Scheper die Partie abermals kurz unterbrechen. Dieses Mal aber nicht wegen weiterer Protestaktionen, sondern aufgrund des Verhaltens einiger unverbesserlicher Anhänger im Aachener Block. Erst wurden bunte Fähnchen verteilt (schöne Idee), doch mit dem Ausrollen der Blockfahne war klar, dass das noch nicht alles war. Was folgte war eine Pyro-Show inklusive Feuerwerk, das im Kölner Nachthimmel aufging:

Das Spektakel zog sich über mehrere Minuten, in denen sich viele zurecht die Frage gestellt haben dürften, wie so viel Pyro-Material, bei den doch sehr genauen und strengen Kontrollen, in den Block mitgenommen werden konnte.

Viel wichtiger aber ist die Frage: Was soll das? In der ersten Halbzeit gab es Proteste, weil die Ansetzungen von Sport1 nicht nur manchen Fans einen Stadionbesuch aufgrund der Tage und Uhrzeiten erschweren oder gar unmöglich machen, sondern auch, weil die Vereine nicht entsprechend finanziell belohnt werden. Nur um in der zweiten Halbzeit wissentlich dem eigenen Verein finanziellen Schaden zuzufügen mit Pyro-Aktionen, die verboten sind.

Als Wiederholungstäter steht die Alemannia unter besonderer Beobachtung durch den Verband. Aachens Geschäftsführer dürfe sich bereits einen Termin im Kalender freihalten, um demnächst wieder vorstellig zu werden, um Abbitte zu leisten.

Ob solche Aktionen nun schön aussehen, koordiniert sind, zur Ultra-Kultur gehören und so weiter, all das kann jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt Argumente dafür und Argumente dagegen. In anderen Ländern ist das Abbrennen von Pyro-Technik ganz normal und gehört dazu, wie zum Beispiel in Marokko. Dort machten die Anhänger von Wydad Casablanca gerade erst wieder mit einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam:

Im Gegensatz zu Marokko ist Pyro-Material in deutschen Stadien allerdings verboten. Aktionen wie die der Aachener am Montagabend helfen Bestrebungen zur Legalisierung nicht und das Wichtigste: Sie schaden der Alemannia. Solche Aktionen kosten Geld, schrecken potenzielle Geldgeber ab, denn die wollen ihren finanziellen Einsatz möglichst in der Mannschaft wiederfinden, nicht als Bußgeld beim Verband. Mit dem Hintergrund machen solche Aktionen lediglich den Eindruck der Selbstinszenierung, dem Wohl des Vereins dienen sie nicht.

Das sehen auch viele andere schwarz-gelbe Anhänger so:

Nun aber zum sportlichen Geschehen. Die Aachener hatten mehr von der Partie, doch wie so oft in solchen Spielen ging der Gegner in Führung:

Doch die Mannschaft von Fuat Kilic steckte nicht auf und ran weiter an. Florian Rüter gab als Einwechselspieler sein Comeback, Jonathan Benteke, der dreifache Torschütze aus der Pokalpartie, kam ebenfalls in die Partie und die beiden sorgten für neuen Wirbel in der Offensive. Letztendlich war es aber Defensivspieler Marco Müller, der dem Ex-Aachener Kevin Rauhut im Fortuna-Kasten zehn Minuten vor Schluss keine Chance ließ und den mehr als verdienten Ausgleichstreffer erzielte.

Trotz weiterer Chancen blieb es am Ende beim 1:1, über das sich die Kaiserstädter mehr ärgern dürften als die Gastgeber. Richtig unzufrieden war Aachens Trainer aber dennoch nicht mit dem Auftritt seiner Mannen, die trotz der Spielunterbrechungen und dem Rückstand ungeschlagen in die Heimat fuhren.

Auf dem Tivoli empfangen die Schwarz-Gelben am kommenden Samstag im Ligaalltag den nächsten Pokalgegner aus Bergisch-Gladbach. Ist schon gespannt, wie die Generalprobe ausfallen wird: die Netzschau.

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