Netzschau zum Spiel der Alemannia in Verl

Netzschau zum Auswärtsspiel beim SCV : Die Alemannia hat wieder nicht Verl-oren

Seit neun Spielen war die Alemannia vor der Auswärtspartie beim SC Verl ungeschlagen. Die vier vorangegangenen Partien konnten allesamt gewonnen werden. Südlich von Bielefeld sollte der fünfte Streich in Folge gelingen. Lange sah es auch danach aus, aber mangelnde Chancenverwertung, etwas Pech kurz vor Schluss und ein Unparteiischer mit einer ganz eigenen Spielbewertung hatten etwas dagegen. Trotzdem hat die Alemannia auch das zehnte Spiel in Folge nicht Verl-oren. Hat sich die Reise in den Nordosten von Nordrhein-Westfalen auch angetan: die Netzschau.

Bereits einen Tag vor dem Auswärtsspiel der Alemannia beim SC Verl gab es für Trainer Fuat Kilic eine Premiere: Dank der Unterstützung von Sponsoren konnte der Übungsleiter der Schwarz-Gelben bereits am Donnerstag mit seiner Mannschaft in Verl anreisen. So konnte der Reisestress am Spieltag umgangenen werden, denn sich zum Start der Herbstferien durch den Berufsverkehr auf den Autobahnen zu quälen, kann Kraft kosten - aber dazu später mehr. Es war das erste Mal seit Kilics Antritt am Tivoli - und das war im Januar 2016 - dass das Team die Nacht vor einem Auswärtsspiel im Hotel der Gastgeberstadt verweilte.

Gut für die Spieler, schade für einige Fans, die Donnerstagabend noch auf eine Talkrunde mit dem schwarz-gelben Trainer gehofft hatten. Aber aufgeschoben heißt ja bekanntlich nicht aufgehoben.

Die Aachener Anhängerschaft freute sich am Freitag auf jeden Fall auf die Partie - auch wenn die Ansetzung nicht wirklich optimal war. Dazu kommen wir gleich.

Die Brust war bei Mannschaft und Fans gleichermaßen groß nach den vergangenen Wochen: neun Spiele ungeschlagen, die vorherigen vier Partien allesamt mit der vollen Punkteausbeute. Da sollte doch auch etwas in Verl gehen, oder?

Leider konnten viele Alemannia-Fans ihre Mannschaft nicht begleiten: Rund 230 Kilometer an einem Freitag bei einer Anstoßzeit von 19 Uhr, zeitgleicher Beginn der Herbstferien, Staus ohne Ende. Nicht für jedes Spiel kann immer Urlaub eingereicht werden und der ist bei einer solchen Ansetzung notwendig:

Nicht einmal der Haus- und Hoffotograf der Alemannia konnte sein Team begleiten:

Andere wiederum brauchten rund vier Stunden für die Strecke aus der Kaiserstadt ins beschauliche Verl. Dabei sind die 230 Kilometer auch durchaus in zwei Stunden zu schaffen.

Rainer Koch, seines Zeichens DFB-Vizepräsident für Amateurfußball und Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände, bezeichnete die Regionalliga mal als "Champions League der Amateurvereine" und sprach davon, dass sich die kleinen Clubs auf die großen Traditionsvereine mit ihrer Historie und ihrer Anhängerschaft freuen. Da darf schon die Frage gestellt werden, warum vielen Fans mit solchen Freitagspartien Steine in den Weg gelegt werden, um die Auftritte ihrer Mannschaft zu verfolgen. Und dem Gastgeber gehen auch entsprechende Einnahmen verloren.

Zurück von unserem kleinen Exkurs, denn wie auch immer es die rund 300 (!!!) Aachener Fans nach Verl geschafft haben, die Reise stand ganz unter dem Motto:

Fuat Kilic hatte derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Matti Fiedler musste in der Abwehr ersetzt werden, dafür war Alexander Heinze nach seiner frühen Verletzung im Heimspiel gegen Lippstadt wieder dabei. Für Dimitry Imbongo, Aachens Vier-Tore-Stürmer aus der englischen Woche, kam ein Einsatz hingegen noch zu früh. Auch sein Ersatzmann Marcel Kaiser konnte nicht spielen. Alemannias dritter Stürmer Vincent Boesen nahm nach langer Verletzungspause zumindest wieder auf der Bank Platz. Die Startelf sah letztendlich wie folgt aus:

Ein echter Stürmer war also beim Anpfiff zunächst nicht für die Alemannia auf dem Platz.

In der ersten Halbzeit hatte die Alemannia das Spielgeschehen weitestgehend unter Kontrolle, zwingende Chancen kamen aber dabei nicht rum.

Kurz vor der Pause versuchte sich dann auch der Gastgeber im Angriffspiel, die Anzeige vermerkte zum Pausenpfiff aber ein 0:0.

Nach dem Wiederanpfiff übernahmen die Schwarz-Gelben dann endgültig die Kontrolle über das Spielgeschehen und spielten sich auch endlich richtige Chancen heraus. Die wichtigste Frage lautete im Spielkonzept: Is this the way to Batarilo? Den fand Mahmut Temür in der 52. Minute. Eine wunderschöne Passkombination bis in den 16-Meter-Raum der Verler und ein gekonnter Abschluss von Stipe Batarilo. Aachens Neuzugang markierte mit seinem zweiten Saisontreffer die Führung für die Alemannia.

Die Fans hatten den fünften Sieg in Folge bereits vor Augen:

Und Aachen hätte das Ergebnis weiter in die Höhe schrauben können: Manuel Glowacz und David Pütz beispielsweise. Da aber die Abwehr hinten nichts anbrennen ließ, reichte zunächst auch die 1:0-Führung. Zudem hätten die Schwarz-Gelben ab der 70. Minute in Überzahl spielen müssen. Verls Nummer 11, Jannik Schröder, trat gegen den am Boden liegenden Kai Bösing nach: klare rote Karte. Das sah Schiedsrichter Marco Goldmann allerdings anders und gab beiden Spielern die gelbe Karte. Für die meisten Anwesenden im Stadion eine ziemlich exklusive Meinung und besondere Spielauslegung, leider die einzige, die in dem Moment zählte.

Stattdessen gab es in der 83. Minute für Aachens Patrick Salata die Ampel-Karte.

Der Gastgeber traute sich jetzt doch nach vorne und versuchte irgendwie noch den Ausgleich zu erzielen. Nicht umsonst sind die Verler mit mittlerweile neun Unentschieden die Remis-Könige der Liga. Und dann kam es, wie es in solchen Spielen kommen muss: In der 87. Minute konnten die Aachener den Ball nicht klären und Matthias Haeder erzielte das 1:1.

Der Schiedsrichter verlängerte die Partie dann noch um fünf Minuten, ein weiterer Treffer fiel aber nicht mehr.

Zwar konnte die Alemannia nicht den fünften Sieg in Folge einfahren, die Serie der ungeschlagenen Spiele bleibt aber bestehen. Seit mittlerweile zehn Partien ist die Tivoli-Truppe nun schon ohne Niederlage! Diese unglaubliche Leistung wurde auch entsprechend von den Fans vor Ort honoriert:

In der Liga geht es in der kommenden Woche am Samstag im Heimspiel gegen den SV Straelen weiter für die Jungs von Fuat Kilic. Vorab gibt es aber am Montag noch ein besonderes Testspiel für die Mannschaft und die Fans: Der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga, Borussia Dortmund, schaut am Tivoli vorbei. Zwar muss deren Trainer Lucien Favre auf einige Nationalspieler verzichten, dennoch ist es eine gute Gelegenheit für beide Mannschaften zu testen und auch Spieler einzusetzen, die bisher noch nicht viele Minuten absolvieren konnten. Es wurden bereits über 10.000 Karten verkauft. Die Alemannia kann also auch noch ein paar Zuschauer zum Wiederkommen bewegen, wenn die aktuelle Serie von zehn ungeschlagenen Spielen für manch einen noch nicht Grund genug sein sollte den Tivoli auch im Rahmen der Ligaspiele zu besuchen.

(bph)
Mehr von Aachener Nachrichten