Netzschau zum Spiel Alemannia Aachen gegen Viktoria Köln

Netzschau zum Spiel der Alemannia gegen Viktoria Köln : Fußball kann so unfair sein

Rückrundenauftakt und Spitzenspiel auf dem Tivoli: Am Freitag empfing die Alemannia den Tabellenführer Viktoria Köln. Bereits zum vierten Mal im Jahr 2018 trafen die beiden Vereine aus den unterschiedlichen Domstädten aufeinander. Die bisherigen drei Partien gingen allesamt an die Kölner. Das einzig Positive aus Aachener Sicht: die Entwicklung. Von einem 0:4 zuhause im Ligabetrieb, über ein 0:2 nach Verlängerung im Pokalfinale gab es im Hinspiel ein 1:2 in Köln. Im vierten Anlauf sollte nun zuhause endlich etwas Zählbares für die Schwarz-Gelben herausspringen. Ist im Block auch wieder auf und abgehüpft: unsere Netzschau.

Bevor wir ins Spiel einsteigen ein kleiner Blick auf die Marketingaktivitäten des amtierenden Vizemeisters und FVM-Pokalsiegers.

Das ist aber auch ferdammt schwer mit diesem F und V. Fielleicht hilvt ja dieser Spot hier:

Wer also noch einen Grund gegen das Schreiben nach Gehör brauchte, sollte nun bedient sein. Und jetzt ab zum Vußball, äh Fußball!

Vor dem Spiel trennten die Alemannia und Viktoria in der Tabelle 13 Punkte. Ein Grund dafür ist die mangelnde Kaltschnäuzigkeit der Aachener vor dem Tor. So gab es in den vergangenen Ligaspielen eine unnötige Niederlage in Mönchengladbach, ein Unentschieden in Bonn, das durchaus als Geschenk für die ehemaligen Hauptstädter bezeichnet werden kann und auch beim 0:0 zuhause gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund 2 wurden die herausgespielten Chancen einfach nicht genutzt.

Das sollte im Spiel gegen den Ligaprimus am Freitag anders verlaufen. Im Spiel eins nach der Ankündigung von Aachens Trainer Fuat Kilic der Regionalliga 2020 als Coach den Rücken kehren zu wollen, wollten seine Mannschaft und die Zuschauer der Viktoria auf ihrem Marsch in die dritte Liga ein Beinchen stellen. Die Motivation war riesig:

Selbst der Greenkeeper im Stadion hatte sich für diese Partie etwas ganz besonderes ausgedacht:

Kurzer Blick noch in die Speisekarte: drei Punkte, bitte!

Das Stadion füllte sich so langsam, am Ende waren es 6.300 Besucher, und während sich die Spieler aufwärmten, stimmen die Zuschauer sich mit den drei Atömchen ein - und das lautstark:

Im Tor setzte Fuat Kilic erneut auf die Künste von Daniel Zeaiter. Der Deutsch-Libanese, der sich in Aachen für die Nationalmannschaft des Libanons empfehlen wollte, kam bisher erst dreimal zum Einsatz. Zweimal vertrat er den verletzten/erkrankten Niklas Jakusch, im Pokal war er gesetzt. Bis zur Winterpause aber werden die Rollen nun getauscht. Zeaiter übernimmt die letzten Ligaspiele 2018, Jakusch wird in Leverkusen gegen den Landesligisten Schlebusch in der zweiten Runde des FVM-Pokals das Tor hüten.

Gegen Viktoria Kölns Offensive sollte Zeaiter auch die Chancen erhalten, sein Können unter Beweis zu stellen. So zumindest vor dem Spiel die Theorie. In der Praxis war es so, dass Zeaiter eigentlich kein Mal eingreifen musste und einmal nicht konnte.

Auch Sebastian Schmitt, der zu Saisonbeginn durch eine verletzung zurückfiel, hatte sich wieder in die Startelf gekämpft. Ansonsten vertraute Fuat Kilic seinen bewährten Spielern in dieser Saison. Viktoria Köln musste auf seinen Top-Stürmer Mike Wunderlich verzichten, der gesperrt fehlte. Mit Albert Bunjaku stand aber dennoch ein ehemaliger Bundesligaspieler (warum, wurde in dieser Partie nicht deutlich) im Aufgebot.

Pünktlich um 19:30 Uhr ertönte unter strahlendem Flutlicht der Anpfiff von Schiedsrichter Bastian Börner, der, soviel vorweggenommen, seinem Namen keine Ehre machte und absolut kein „Burner“ war. Die Alemannia hingegen agierte von Beginn an nach dem Motto "kämpfen und siegen".

Wer bis zu diesem Zeitpunkt die Regionalliga nicht verfolgt hatte und kein Vorwissen mitbrachte, der hätte beim Betrachten des Spielgeschehens die Alemannia auf dem ersten Platz mit 13 Punkten Vorsprung gesehen. Die Gastgeber zeigten ansehnlichen Fußball, waren zweikampfstark und erspielten sich gute Möglichkeiten - allein der zwingende Abschluss fehlte. Von den Gästen hingegen, die seit Jahren zum Sprung in die dritte Liga ansetzen, bisher aber immer scheiterten, kam wenig bis gar nichts. Einzig Torwart Sebastian Patzler stellte seine Klasse bereits in der ersten Halbezeit unter Beweis.

Bitter für die Alemannia: Bereits früh in der Partie musste Fuat Kilic wechseln. In der 20. Minute kam Marco Müller in die Partie. Er setzte Sebastian Schmitt, der sich einen Bruch des Mittelfußknochens zugezogen hatte.

Gute Besserung von dieser Stelle an Alemannias Pechvogel in dieser Saison!

In die Pause ging es nach 45 Minuten mit einem 0:0, mit dem die Kölner sicher besser leben konnten als die Schwarz-Gelben, die eine starke Leistung bis dahin ablieferten.

Wer das Spiel in der ersten Halbzeit bereits hochklassig fand, musste für die zweite Halbzeit neue Superlative aus der Schublade kramen oder komplett neue Worte erfinden. Mit dem Wiederanpfiff weg erhöhten die Hausherren den Druck noch einmal. So waren dann auch keine drei Minuten in der zweiten Hälfte gespielt, da brachte Kai Bösing, der an diesem Abend eine klasse Partie spielte, eine Ecke rein, Matti Fiedler, einer von Aachens Abwehrtürmen, schraubte sich in die Luft, Kopfball, Tor, Jubelschreie auf dem Tivoli, 1:0 für die Alemannia in der 48. Spielminute. Bei so viel Ekstase ist ein Vertipper im Tweet kein Wunder:

Keine fünf Minuten später gab es dann aber einen kleinen Dämpfer. Viktoria Köln war tatsächlich einmal in der gegnerischen Hälfte zu finden, Ecke und der unverdiente Ausgleich durch Wimmer.

Davon ließen sich die Aachener aber nicht beirren und spielten weiter mutig und ansehnlich nach vorne. Dabei erspielten sich die Hausherren Möglichkeit um Möglichkeit, der Führungstreffer wäre nicht nur verdient gewesen, sondern ein absolutes Muss. Selbst das Internet bietet nicht so viel Platz und Raum, um hier alle Chancen auflisten zu können.

Hätte es auf den Tribünen Verkäufer für blutdrucksenkende Mittel gegeben, an diesem Abend hätten sie unter den Alemannia-Fans gute Abnehmer finden können. Die Tivoli-Truppe spielte den Tabellenführer an die Wand - allein der Führungstreffer wollte einfach nicht fallen. Immer wieder stand ein Viktoria-Spieler im Weg, bekam noch den Fuß dazwischen und Kölns Keeper Patzler kratzte auch die Unhaltbaren noch irgendwie von der Linie.

Und so blieb es letztendlich beim 1:1, das sich für die Kölner wie ein Sieg angefühlt haben muss, die Alemannia hingegen den Glauben an den Fußballgott verlieren ließ.

Auf die Leistung der Schwarz-Gelben waren aber alle stolz.

Die Partie war Werbung für überragenden Regionalliga-Fußball und zeigte, dass Fuat Kilic eins bis zur Perfektion kann: aus wenigen Mitteln sehr, sehr viel herausholen. In der Tabelle bleibt es bei 13 Punkten Rückstand auf Viktoria Köln. Nur mit jeder Menge Glück, mit dem die Aachener meist eher nicht gesegnet sind, wird es da im Titelrennen noch einmal spannend. Viel ärgerlicher ist aber der Umstand, dass die Alemannia-Anhänger erneut eine Truppe auf dem Rasen sehen, die in dieser Konstallation mit zwei, drei Neuverpflichtungen im Sommer und ohne wahrscheinlich ohne den Ligaprimus Viktoria Köln in der kommenden Saison tatsächlich den Spitzenplatz angreifen und um den Aufstieg mitspielen könnte. Wahrscheinlicher ist aber, dass erneut ein Umbruch bevorstehen wird, weil die finanziellen Perspektiven für den Erhalt und die Verstärkung des Kaders aktuell nicht gegeben sind.

Sportlich geht es für Fuat Kilic und seine Truppe kommenden Samstag nach Leverkusen. In der zweiten Runde des FVM-Pokals treffen die Aachener auf den Landesligisten SV Schlechbusch. Und im Pokal ist in dieser Saison ja durchaus noch etwas zu holen. Ein Gewinn des Mittelrheinpokals ist gleichbedeutend mit dem Einzug in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Dort winken nicht nur Ruhm und Ehre sondern auch einige Euros. Aber bis dahin müssen noch ein paar Spiele gespielt werden. Immer mit dabei: unsere Netzschau.

(bph)
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