Netzschau zum Spiel Alemannia Aachen gegen Rot-Weiß Oberhausen

Netzschau zum Spiel der Alemannia gegen Oberhausen : Klassentreffen auf dem Tivoli

Die Francesco Tottis, die Ewigtreuen, findet man im Fußball immer seltener. Spieler wechseln meist mehrfach den Klub und treffen so immer wieder auf Ex-Vereine. Fans schauen genau hin, wie sich die Abgewanderten entwickelt haben. Für die Alemannia-Anhängerschaft gab es gegen Oberhausen viel Anschauungsmaterial, denn dort spielen gleich vier Ehemalige. Hat sie genau unter die Lupe genommen: die Netzschau.

Nach zwei Siegen in Folge, erst gegen den Tabellenführer aus Rödinghausen und dann gegen den Angstgegner Wattenscheid, peilte die Alemannia am Samstag gegen den Vizemeister der abgelaufenen Spielzeit den dritten Sieg in Folge an. Gegen Rot-Weiß Oberhausen sollte an die Leistungen der Vorwochen angeknüpft werden. Es war wieder Matchday-Zeit!

Doch das Spiel war kein normales. Und das gleich aus mehreren Gründen:

1. Alemannia Aachen gegen Rot-Weiß Oberhausen ist ein Klassiker im Westen, ein Traditionsduell, ein Spiel zweier Mannschaften, die eigentlich in der 2. Bundesliga zuhause sind

2. Es schwang ein Hauch von Spitzenspiel mit, die Oberhausener sind Vizemeister, die Alemannia gab vor der Saison das Ziel „oben mitspielen“ aus, beide Mannschaften waren in den Spielen zuvor siegreich unterwegs – und mit einem Sieg konnten die Aachener punktemäßig auf RWO gleichstellen

3. Das Spiel war nicht nur Westschlager und Traditionsduell, es war auch ein Klassentreffen ehemaliger Alemannen in ihrer alten Heimat, denn in den Reihen der Rot-Weißen stehen mit Tim Hermes, Jerome Propheter, Jannik Löhden, Bastian Müller und Philipp Gödde gleich fünf Ex-Schwarz-Gelbe unter Vertrag

Ein weiterer Ex-Alemanne und Ex-Oberhausener und aktueller Frechener blickte gespannt auf das Duell seiner beiden ehemaligen Arbeitgeber: Torwart Patrick Nettekoven. Von 2012 bis 2015 bei den Kleeblättern unter Vertrag, in der Saison 2017/18 streifte er den Dress der Kartoffelkäfer über.

Genug Gründe also, um auf dem Tivoli vorbeizuschauen.

Das dachten sich dann auch rund 6100 Zuschauer, die vor allem in der ersten Halbezeit ein gutes Regionalligaspiel sahen – mit Vorteilen für die Hausherren. Die Tore blieben aus, die Stimmung hingegen war prächtig:

Torlos ging es schließlich in die Halbzeit:

Zeit für einen Blick auf die Ex-Alemannen auf Seiten der Gäste. Dabei arbeiten wir uns von vorne nach hinten durch.

Philipp Gödde, Sturm: Verletzt und nicht im Kader. Konnte somit kein Tor gegen die Aachener erzielen, was aus schwarz-gelber Sicht gut war. Entsprechendes Fazit: gute Leistung, gute Besserung.

Bastian Müller, Mittelfeld: Einer der angeblichen Unruhestifter und Revolutionsführer der Benbennek-Ära. Er musste im Dezember 2015 gemeinsam mit Frederic Löhe und, dem mittlerweile wieder zurückgekehrten, Peter Hackenberg seinen Spind am Tivoli räumen. Ist seit dieser Saison bei RWO unter Vertrag, spielte am Samstag – aber nicht auffällig. Und mit Marco Müller hat die Alemannia das Trikot auch schon neu vergeben.

Jerome Propheter, Verteidigung: Der Innenverteidiger war von 2015 bis 2017 am Tivoli aktiv. Besserte anschließend beim FSV Wacker Nordhausen seine Finanzen auf und schnürt seit dieser Saison die Fußballschuhe für Oberhausen. Wollte am Samstag wohl besonders giftig sein und ging rabiat gegen einen seiner Nachfolger vor: Matti Fiedler musste zwischenzeitlich kurz behandelt werden.

Jannik Löhden, Verteidigung: Der Wandschrank der zentralen Verteidigung. In der Luft kaum zu schlagen, räumt somit hinten bei hohen Bällen auf und sorgt vorne für Gefahr. Am Ball hingegen weiterhin nur beschränkt brauchbar, was er auch am Samstag zeigte und mehrfach vom agilen Rüter stehen gelassen wurde. Wollte dann auch noch den Lucio geben und verlor das Leder prompt an der Mittellinie. Sorgte aber leider auch mit einer Kopfballverlängerung für den Ausgleich.

Nun aber zur zweiten Hälfte: Die war spielerisch nicht mehr so stark wie die ersten 45 Minuten. Dafür machte sich Aachens Dauer-Pechvogel der vergangenen Monate sich selbst und den Fans ein Geschenk. Kai Bösing wurde eingewechselt und traf per Fernschuss zum verdienten 1:0 – und das wenige Minuten vor dem Ende.

Wäre doch dann mal Schluss gewesen. RWO warf nun alles nach vorne und so kam es in der Nachspielzeit, wie es kommen musste: Einwurf, der große Löhden verlängerte und der eingewechselte Julijan Popović markierte den 1:1-Endstand. Moment, wie heißt der?

Ärgerlich für alle Schwarz-Gelben, am Ende aber wahrscheinlich doch leistungsgerecht.

Und: Zuhause ist die Alemannia immer noch ungeschlagen. Ein Unentschieden gegen den Vizemeister ist in Ordnung, ärgerlicher sind da die Punktverluste beim 1:1 gegen die Zweitvertretung von Fortuna Düsseldorf und beim 1:1 gegen den Aufsteiger Homberg.

Am kommenden Samstag steht bereits das nächste Heimspiel auf den Plan. Dann ist der SV Lippstadt zu Gast. Da gibt es aus der vergangenen Saison noch etwas gutzumachen. Wird ihren Teil dazu beitragen und natürlich vor Ort sein: die Netzschau!