Netzschau zum FVM-Pokalspiel Raspo Brand gegen Alemannia Aachen

Netzschau zum Pokalspiel gegen Raspo : Happy Halloween auf dem Tivoli

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze und macht manchmal Unmögliches möglich. Die Alemannia zum Beispiel war gegen Raspo Brand Gast im eigenen Stadion. Warum und wie sich der Titelverteidiger am Halloween-Abend schlug? Unsere Netzschau hat die Antworten!

Während am Donnerstagabend die Kinder durch die Straßen liefen und Süßes oder Saures forderten, Geister jagten, und Dämonen beschworen, schrieb sich Halloween für die Alemannia mit M, a, t, c, h, d, a und y. Es war Matchday!

Aber es war nicht irgendein Spieltag, es war Pokalzeit. In der ersten Runde des FVM-Pokals kam es zum Aachener Stadtderby zwischen der Alemannia und Raspo Brand. Und da der klassentiefere Verein automatisch Heimrecht besitzt, lautete die Paarung offiziell natürlich Raspo gegen Alemannia. Grün-Weiß gegen Schwarz-Gelb, Bezirksliga gegen Regionalliga, David gegen Goliath.

Da die Sportanlage des Gastgebers nicht für ein solches Spiel ausgelegt ist, wurde die Partie auf den Tivoli verlegt. Und so waren die eigentlichen Hausherren an diesem Abend zu Gast im eigenen Wohnzimmer. Die Stehplätze wurden aus organisatorischen Gründen nicht geöffnet und so mussten es sich die Anhänger der Kartoffelkäfer auf ungewohnten Plätzen gemütlich machen. Grüße aus dem Sitzplatzbereich W1 und W2:

Manche Schwarz-Gelbe nahmen das Aachener Stadtderby als Gelegenheit wahr und probierten ganz edle Plätze auf dem Tivoli aus:

Und auch die Brander aus dem Südosten der Stadt waren an diesem Abend natürlich zahlreich vertreten. Kein Wunder, denn das Spiel gegen die Alemannia war das bisher größte in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte.

Da der Pokal immer für eine Überraschung gut ist, hofften die Raspo-Fans natürlich auf eine solche auf dem Tivoli. Und die Alemannia war gewarnt, denn das große Favoritensterben hatte bereits eingesetzt: Viktoria und Fortuna Köln hatten sich in Runde eins bereits aus dem Wettbewerb verabschiedet.

Für die Mannschaft von Trainer Fuat Kilic dürfte das zugleich Warnung, aber auch Ansporn gewesen sein. Denn mit dem Ausscheiden der beiden Kölner Klubs dürften die zwei größten Hürden für eine mögliche Titelverteidigung bereits entfernt worden sein.

Nichtsdestotrotz sind die ersten Pokalrunden bei der Alemannia immer auch Chance für diejenigen im Kader, die in der Liga nicht so viel Spielzeit erhalten. Das galt auch an Halloween. Mit Ausnahme von André Wallenborn, der im kommenden Ligaspiel bei Fortuna Köln aufgrund der fünften Gelben Karte aussetzen muss, Steven Rakk und David Pütz lief niemand aus der aktuellen Stammbesetzung auf:

Neben André Krul im Tor absolvierten auch weitere Spieler ihre teilweise ersten Einsätze von Beginn an, zum Beispiel die aus der Jugend im Sommer hochgezogenen Talente Muja Arifi und Frederic Baum. Auch wieder mit dabei: Manuel Glowacz, Aachens Routinier, der in den vergangenen Spielen nicht im Kader war – zunächst aus disziplinarischen Gründen, danach aus sportlichen. Im Sturm lief Neuzugang Jonathan Benteke auf, der sich für den Halloween-Abend fest vorgenommen hatte, Raspo das Fürchten zu lehren.

Aber erst einmal zogen die Mannschaften unter dem Jubel der 2600 Zuschauer ein:

Die sahen zunächst ein zähes Spiel. Die Alemannia hatte erwartungsgemäß die deutlich größeren Spielanteile, Raspo war zwar aggressiv gegen den Ball und kämpferisch stark unterwegs, der Versuch ab und zu Konter zu setzen scheiterte aber – es ergaben sich kaum Gelegenheiten. Die als Gäste spielenden eigentlichen Hausherren hingegen taten sich in der ersten halben Stunde schwer aus ihrer Überlegenheit große Torchancen zu erspielen.

So dauerte es bis zur 38. Minute bis Patrick Salata, an diesem Abend wieder in gewohnter Manier als Verteidiger unterwegs, den Dosenöffner gab und den Ball zur 1:0-Führung für sein Team über die Linie brachte. Keine fünf Minuten später trug sich Alemannias Nummer 20 erstmals in die Torschützenliste ein. Jonathan Benteke behauptete den Ball, eine Drehung, der erste Pflichtspieltreffer für den vor zwei Wochen verpflichteten Stürmer war perfekt. Die Schwarz-Gelben führten zur Pause unspektakulär mit 2:0.

Auch in der zweiten Halbzeit verteidigte Raspo den knappen Rückstand mit allen Mitteln und lange Zeit auch erfolgreich. In der 72. Minute verpasste Benteke seinen zweiten Treffer an diesem Abend. Dafür gab es ein Küsschen von ihm auf die Mütze des Balljungen, vor dem er plötzlich auftauchte. Süßes statt Saures also auf dem Tivoli!

Dafür nutze der eingewechselte Vincent Boesen kurz darauf eine Chance zum 3:0 für sein Team. Das Ding war nun durch, die Messe gelesen, der Zug abgefahren. Aber einer hatte noch nicht genug und wollte ganz besonderen Eindruck hinterlassen: Jonathan Benteke. Der Belgier markierte mit zwei weiteren Treffern in der 83. und 84. Minute einen Hattrick und schraubte das Ergebnis standesgemäß auf 5:0 aus Sicht der Alemannia.

Damit hatte der amtierende FVM-Pokalsieger seine Pflichtaufgabe erfüllt und die zweite Runde erreicht. Die böse Überraschung am gruseligsten Abend des Jahres blieb aus.

Respekt hat aber vor allem die Mannschaft von Trainer Daniel Formberg für die engagierte Leistung verdient. Entsprechend wurde sie auch nach dem Spiel vom eigenen Anhang gefeiert:

Die Spieler der Alemannia hingegen widmeten das Spiel ihrem Mannschaftskollegen Florian Rüter. Aachens Nummer Sieben war an diesem Abend nicht im Kader und auch nicht im Stadion, da seine kleine Tochter operiert wurde – Fußball ist zwar die schönste Nebensache der Welt, aber eben dann doch nur Nebensache. Alles Gute an dieser Stelle für Liv!

Was bleibt nun von diesem Pokalabend? Die Alemannia hat sich, im Gegensatz zu anderen Favoriten, keine Blöße gegeben und letztendlich souverän die zweite Runde erreicht. Dort treffen die Kaiserstädter am 23. November auf den Ligakonkurrenten aus Bergisch Gladbach. Das Spiel findet wieder auf dem Tivoli statt, dann ist die Alemannia auch wieder Herr im eigenen Hause.

Die Generalprobe für das Pokalspiel findet bereits am 9. November statt, an diesem Samstag empfangen Fuat Kilic und seine Jungs den Aufsteiger im Rahmen des Ligabetriebs. Zunächst geht es aber kommenden Montag nach Köln. Dort muss die Alemannia ab 20.15 Uhr gegen die Fortuna ran. Ist natürlich immer mittendrin statt nur dabei (wer den Hinweis gerade nicht direkt verstehen sollte: das Spiel wird vom Sender mit diesem Spruch live übertragen): die Netzschau!

Alemannia mit 5:0-Erfolg über Rasensport Brand
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